Berchtesgadener Land - Bayerns schönste Ecke

Berchtesgaden ist weder am östlichsten noch am südlichsten Punkt des Landes, doch die kleine Ecke, die das umgebende Berchtesgadener Land im äußersten Südosten Deutschland einnimmt, empfand der berühmte Weltreisende Alexander von Humboldt schon vor rund 200 Jahren als eine der schönsten Landschaften der Welt. Von David Pohle

Hat den Überblick: Adler vor dem Watzmann; Foto: Liedtke & Kern

Hat den Überblick: Adler vor dem Watzmann; Foto: Liedtke & Kern



Massiv beeindruckt: der Watzmann

Die Wimbachklamm bei Ramsau; Foto: Berchtesgadener Land Tourismus GmbH

Recht hatte er und hat es noch immer, auch wenn man annehmen muss, dass von Humboldt das Wetter besser gesonnen war als uns. Es sollte ein goldener Oktobertag werden, es ist ein grauer Tag, der den Markt Berchtesgaden in tief hängenden Wolken zeigt.

So sieht man weder den Watzmann in der nahen Ferne noch den wesentlich kleineren, aber geschichtlich schwer belasteten Obersalzberg, der direkt über Berchtesgaden von Hitler für seine Erholungszwecke missbraucht wurde. Hitler ist nicht vergessen, aber Geschichte. Und damit die schöne Adresse über Berchtesgaden nicht zum Wallfahrtsort für ewig Gestrige oder irr gesteuerte wird, hat das Land Bayern genau diese Stelle einem international agierenden Hotelkonzern gegeben, um die bösen Geister nachhaltig zu vertreiben.

Und das ist seit der Eröffnung im Jahre 2005 mit hohen Auslastungen äußert überzeugend gelungen. Heute und – wie sich rausstellen soll – die kommenden Tage lässt der Winter, noch ein wenig uninspiriert, erstmals seine Muskeln spielen, es schneit den ganzen Tag, die ganze Nacht und der aus allen Zimmer des InterConti versproch - ene Blick auf den Watzmann muss einfach geglaubt werden. Doch auf dem rund 1.000 Meter hohen Obersalzberg ist nichts von grauer Stimmung zu spüren, fast weihnachtet es.

Am nächsten Tag klart es für ein paar Stunden auf und wir nutzen die Chance, fahren nach
Schönau, parken und platzieren uns auf den Holzbänken eines der äußerst gepflegten Boote der Bayerischen Seen-Schifffahrt, die seit über 100 Jahren – immer ziemlich modern mit Elektroantrieb – Tagesgäste, Wanderer und Bergsteiger leise und umweltfreundlich über den Königssee tourt. Links der Malerwinkel, rechts ein Kreuz, das an 71 tote Wallfahrer erinnert, die 1688 hier versanken, und dann erscheint vor uns das Bild, das in den Bann zieht.

Der Watzmann ist zu sehen, in der Ferne auch die Halbinsel St. Bartholomä mit der berühmten Kirche. Beide, wie der See selbst, markante Wahrzeichen des Nationalpark Berchtesgaden, der seit 1978 der einzige deutsche Hochgebirgsnationalpark ist.

Wandern im Nationalpark

Sich nicht einmischen in die Natur. Das ist eines der Grundprinzipien, die hinter der Gründung von solchen Schutzzonen stehen. Das haben hier nicht immer alle so gesehen und tun es auch heute nicht, denn so schöne touristische Konzepte verstauben noch in manchen Schubladen, Arbeitsplätze wären geschaffen worden und die ganze Gegend hätte am Wohlstand partizipiert.

Man hätte nur ein paar Gondeln an den Berg bauen müssen, oben vielleicht einen großen Hotelkomplex mit dem üblichen Amusement, und dann hätte man sukzessive die wilde Landschaft für den zahlenden Touristen erschließen können. Wurde leider nichts, die Naturschützer hatten den längeren Atem und die besserenUnterstützer.
Und heute erschließt sich der Park nur dem, der gut zu Fuß ist und auf den fantastischen Wanderwegen jeglichen Anspruchs die Natur erwandert.

Früher wurde vom Boot mittels Böllerschuss ein siebenfacher Widerhall erzeugt. Schwarzpulver ist inzwischen verboten, und so erspielt der Bootsmann auf seiner Trompete immerhin ein zweifaches Echo. Und auch wenn er das schon 1.000-fach gemacht hat, bleibt es ein auf wundersame Art und Weise schönes, berührendes Erlebnis, dem alle an Bord andächtig lauschen.

Nach knapp 35 Minuten erreicht das Boot – unseres heißt übrigens Obersalzberg – die Halbinsel, die meisten Passagiere steigen aus, einige wollen – wenn denn das Wetter hält – den Watzmann besteigen, andere eine knackige Wanderung starten. Für ersteres muss man sehr früh aufbrechen, konditionsstark, schwindelfrei und trittsicher sein. Insofern wird der heutige Tag sicher am Watzmannhaus in 1.930 Metern Höhe enden müssen.

Glückliche Kühe und goldene Bären

Wer das Boot erst an der Endstation in Salet verlässt, dem eröffnet ein einfacher Weg zum Obersee eine leichter erreichbare Welt, die sich in den letzten paar hundert Jahren kaum verändert hat. Schon, einige Bäume sind größer und wohl auch wieder kleiner geworden, ein paar Felsbrocken abgestürzt und die Fischunkelalm auf der anderen Seite des Obersees war vielleicht auch noch nicht da.

Jetzt geht man vom Boot maximal eineinhalb Stunden, lässt sich an der von der Sonne warmen, hölzernen Hauswand der Alm nieder und holt sich ein Käsbrot und ein Glas Buttermilch.

Produzenten für beides stehen um die Hütte herum, tragen Glocken, würden sich als glücklich bezeichnen und werden Anfang Oktober in einer feierlichen Prozession von der Alm abgetrieben, um mit offenen Holzbooten, die Landauer heißen, über den Königssee nach Schönau gefahren zu werden. Festlich geschmückt betreten sie nur dann das Ufer, wenn keinem Rindviech während des Almsommers etwas ge scheh en ist.

Man darf wohl davon ausgehen, dass diese wunderbaren Kühe nicht als Burger im McDonalds vom Königssee landen, möchte aber auch nicht weiter darüber nachdenken, warum die Burgerbrater hier der traditionellen bayerischen Ausflugsküche den Rang ablaufen.

Da lobt man sich ein Wirthaus wie den Gasthof „Goldener Bär“, das am Weihnachtsschützenplatz in Berchtesgaden liegt und alles auf den Tisch bringt, was aus den Bergen und von den Almen kommt. Und ab 16 Uhr wird Braumeisters Liebling angestochen, ein Bräufass vom Holzfass.

Und der Anlass? Kein besonderer, weil’s so lecker ist. Täglich.

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (15.11.2012)