Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Schleswig-Holstein hat den größten der drei deutschen Wattenmeer-Nationalparks. Von der Elbmündung bis nach Sylt reicht er und zählt noch gut ein Dutzend Inseln und Halligen dazu.

Wattwürmer erkennt man an ihrem Hinterlassenschaften; Foto: Hecker, LKN-SH


Lebendiges Wattenmeer

Ringelgänse kommen im Winter an die Nordsee; Foto: Hecker, LKN-SH

Was den Bayern die Alpen, sind den Nordfriesen und Dithmarschern die Deiche. Acht Meter hoch sind ihre „Zugspitzen“. Wer sie ersteigt, wird mit einem herrlichen Ausblick auf den Nationalpark Wattenmeer belohnt: auf naturnahe Salzwiesen und weite Wattflächen, die von den Gezeiten geprägt werden. Um die Naturschönheiten genau kennen zu lernen, nimmt man am besten an einer geführten Wattwanderung oder einer Schifffahrt mit einem Nationalpark-Ranger teil.

Die Flut spült zweimal täglich Rohstoffe und Nahrung ins Watt. Nährstoffreiche Sedimente lagern sich ab und bilden einen fruchtbaren Nährboden. So ist das Watt voller Leben. In nur einem Esslöffel Watt können sich bis zu zwei Millionen winzige Kieselalgen tummeln. Auf einem Quadratmeter Watt können bis zu 20.000 Herzmuscheln, 40.000 Schlickkrebse oder 60.000 Wattschnecken leben. Nirgendwo sonst auf der Welt sind mehr Lebewesen auf so engem Raum zu Hause. Sie sind die Nahrungsgrundlage für die größeren Tiere bis hin zu Seehunden und Schweinswalen.

Herzmuscheln zum Beispiel leben gut versteckt im Wattboden, direkt unter der Oberfläche. Trotzdem werden sie oft nicht älter als ein Jahr. Denn je jünger sie sind, desto mehr Feinde haben sie. Ganz kleine Muscheln werden von Strandkrabben, Garnelen und Plattfischen wie Schollen gefressen. Austernfischer ziehen größere Herzmuscheln vor, bis zu 315 am Tag.

Das Wattenmeer ist für viele Vögel ein Paradies. Mehr als zwei Millionen Vögel kommen im Laufe eines Jahres allein in den schleswig-holsteinischen Teil, der 1985 zum Nationalpark erklärt wurde. Sie brüten, rasten, mausern oder überwintern hier. Um die Vögel zu schützen, sind an einigen Stellen Brut- und Rastgebiete ausgewiesen.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erstreckt sich von der dänischen Grenze bis zur Elbe. Mit 4.410 Quadratkilometern ist er der größte Nationalpark Mitteleuropas. Hier lautet das Motto „Natur Natur sein lassen“.

Das Wattenmeer von unten: Multimar Wattforum

Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum entführt die Gäste in die Unterwasserwelt des Nationalparks Wattenmeer mit Seepferdchen, Schollen und Katzenhaien. Hauptattraktionen sind 38 Aquarien mit mehr als 280 Arten von Fischen, Krebsen, Muscheln und Schnecken sowie ein 18 Meter langer Pottwal, der im Wattenmeer gestrandet ist. Mikroskope, Computer und Themenstationen laden zum Spielen und Entdecken ein.

Öffnungszeiten: ganzjährig geöffnet (außer am 24.12.).
1. November – 31. März: 10.00 – 17.00 Uhr; 1. April – 31. Oktober: 9.00 – 18.00 Uhr


Wer die Natur vor Ort entdecken möchte, kann auf Entdeckungstour gehen. In der einzigartigen Landschaft mit Inseln und Halligen zwischen Sylt und dem Nord-Ostsee-Kanal gibt es eine Fülle von Möglichkeiten für intensives Natur-Erleben. Geschulte Nationalpark-Wattführer machen Wattwanderungen zu interessanten Expeditionen - mal mit naturkundlichen Themen, mal von Insel zu Insel oder sogar unter sternenklarem Nachthimmel.

Mitarbeiter der Naturschutzverbände laden zu naturkundlichen Spaziergängen ein. Schiffe stechen zu Erlebnisfahrten mit naturkundlicher Begleitung in See. Ornithologen bitten in der Zugvogelsaison zum spannenden „Vogelkiek“. Im Multimar Wattforum in Tönning kommen Besucher nicht nur dem Geheimnis von Ebbe und Flut auf die Spur, und in der Seehundstation in Friedrichskoog kann man den liebenswerten Wattenmeerbewohnern aus nächster Nähe in die glänzenden Knopfaugen sehen.

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (19.11.2012)