Frankfurt an der frischen Luft

Frankfurt bietet viele Parks und Grünanlagen zum Spazierengehen, Picknicken und Entspannen. Frankfurts größtes Naherholungsgebiet, der GrünGürtel, lässt sich hindessen am besten mit dem Rad erkunden.

Frankfurt ist grün: Grüneburg-Park und Messeturm. Foto: Tourismus & Congress GmbH FfM


GrünGürtel-Radweg

Taunusanlage. Foto: Tourismus & Congress GmbH FfM

Rundum glücklich ist bestimmt, wer die etwa 75 Kilometer lange Rundstrecke durch Wiesen und Wälder, durch Kleingärten und Parks, durch Auen und Hügellandschaften, komplett im Sattel bewältigt. Am besten in mehreren Etappen – denn unterwegs gibt es viel zu sehen. Tief im Westen zum Beispiel den Stadtteil Höchst, weltweit bekannt durch das ehemalige Chemieunternehmen gleichen Namens, aber mit anderer Schreibweise: die Hoechst AG. Höchst ist Frankfurts ältester Stadtteil, eingemeindet wurde er 1928. Anders als die Frankfurter Altstadt um den Römerberg blieb der historische Kern in Höchst von den im Zweiten Weltkrieg
abgeworfenen Bomben verschont. Seit 1972 steht die mittelalterliche Altstadt unter Denkmalschutz. Es lohnt sich also, vom Rad abzusteigen und durch die Gassen mit ihren Fachwerkhäusern zu spazieren. Unbedingt sehenswert sind auch das Zolltor, das Alte Rathaus, der Bolongaropalast samt Park, die wehrhafte Stadtbefestigung, das Schloss, die Höchster Porzellanmanufaktur sowie das neugestaltete und rege belebte Mainufer.
Wie einst Goethe gelangt man immer noch durch das Maintor stadteinwärts auf den Schlossplatz. Von dem Dichter ist überliefert, dass er gerne im Gasthaus „Zum Karpfen" speiste. Warum es Goethe nicht nachtun und in einem der vielen Lokale – die meisten im Sommer mit Außenbewirtung – eine Mittagsrast einlegen oder sich zum Abschluss der Tour ein Rippchen mit Kraut gönnen? Stadtauswärts erreicht man durch das Maintor Frankfurts einzige Fähre, die
„hibbdebach" mit „dribbedebach" auf dem Wasserweg verbindet. Radler, die die Tour an einem Tag bewältigen, sollten sich dieses als Orientierung merken.

Bis ins 18. Jahrhundert reichen die Ursprünge des Bolongaropalasts im Osten des Stadtteils zurück. Die Brüder Jakob Philipp und Josef Maria Markus der aus Stresa am Lago Maggiore stammenden Schnupftabakfabrikanten-Familie Bolongaro waren es, die 1772 den Grundstein für den barocken Palast mit seinen Pavillons, den Terrassen und der mit Figuren geschmückten Parkanlage legten. Bis heute ist es ein romantischer und verführerischer Ort: Das beweisen
die vielen Trauungen in dem idyllisch gelegenen Palais, in dessen Westflügel ein städtisches Standesamt untergebracht ist. Zu Füßen des Palasts liegt die Mündung der Nidda in den Main, die sogenannte Wörthspitze. Wer Glück hat, kann vom Ufer aus den Anglern zuschauen. Sie halten noch heute die Tradition der Fischer, der ältesten Zunft in Höchst, hoch.

Berger Warte - hier geht's ordentlich bergauf

Von der Zeit des Rokoko bis zum Klassizismus ist im Kronberger Haus, einer Außenstelle des Historischen Museums Frankfurt, die Geschichte des „Weißen Goldes aus Hessen" dokumentiert. Mit dem „Weißen Gold aus Hessen" sind die Produkte der Höchster Porzellanmanufaktur gemeint. 1747 gegründet, ist sie nach Meißen die zweitälteste in Deutschland und heute eine der noch sieben existierenden Porzellanmanufakturen in Europa. Wie zur Zeit des eng mit Goethe befreundeten Modellmeisters Johann Peter Melchior wird das Porzellan von Hand modelliert und bemalt. Mit ihren rund 1.500 Exponaten entführt die
Ausstellung im Kronberger Haus die Besucher in eine Welt höchster handwerklicher Fähigkeit.

Vom tiefen Westen in den hohen Norden – und damit zurück auf den GrünGürtel-Radweg. Auch wenn es längs der Nidda flussaufwärts geht, der Weg ist beschaulich, und es gibt keine großen Steigungen zu bewältigen. Am Rande der Stadtteile Rödelheim, Hausen, Praunheim, Heddernheim und Eschersheim führt er vorbei an unzähligen Kleingärten und durch den
Niddatalpark zum Alten Flugplatz in Bonames. Weiter geht es in den Osten: Wer nicht am Fluss entlang nach Bad Vilbel mit einer sehenswerten Wasserburg radeln möchte, zweigt in Berkersheim vom GrünGürtel-Radweg auf den Radweg in Richtung Heiligenstock ab. Doch
Vorsicht: Dort führt der Weg steil bergauf. Denn zwischen Niddatal und Mainebene erstreckt sich im Nordosten Frankfurts der Berger Rücken mit dem höchsten Punkt der Stadt: der Berger Warte auf 212,6 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Der Anstrengung zum Trotz sollte man den Weg durch die Streuobstwiesen bis nach Seckbach genießen und möglichst schnell das kurze
Stück Radweg parallel zur viel befahrenen Friedberger Landstraße passieren. Hat man sie gekreuzt, belohnt nach kurzer Strecke der phantastische Ausblick vom Lohrberg auf die Stadt mit ihrer Skyline die Mühen des Anstiegs.

Nach einer Rast in der „Lohrberg Schenke", gestärkt mit Handkäs und Apfelwein, ist die Abfahrt vorbei an Frankfurts einzigem Weinanbaugebiet hinab ins Enkheimer Ried mühelos zu bewältigen. Sumpfland und Auenwald prägen das 8,6 Hektar große Naturschutzgebiet an einem ehemaligen Altarm des Mains.

Der Goetheturm: Von hier blickt man bis zum Taunus, Odenwald oder Spessart

Anschließend geht es durch das Fechenheimer Ried und den Heinrich-Kraft-Park – mit seinem Waldspielpark und den Grillstätten ein beliebtes Ausflugsziel für Frankfurter Familien, um zum Mainbogen und damit über den Fluss nach „dribbdebach" zu kommen.

In den Gärten des Stadtteils Oberrad steht das jüngste „Denkmal", das sich mit Goethe verbinden lässt. Schließlich gehörte die „Grüne Soße" zu seinen Leibspeisen. Eben diese hat die Stadt im Mai diesen Jahres mit sieben kleinen Gewächshäusern – symbolisch für Schnittlauch, Petersilie, Borretsch, Kresse, Kerbel, Sauerampfer und Pimpernelle – gewürdigt. Die sieben Kräuter bilden kleingehackt die Grundsubstanz für das Frankfurter Nationalgericht. Ob die kalt
servierte Grüne Sauce mit Mayonnaise, Joghurt, saurer Sahne oder Schmand plus der Zugabe von gekochten Eiern angerichtet wird – darüber streiten sich die kulinarischen Geister.

Nachdem Goethe benannt ist auch der 43 Meter hohe hölzerne Aussichtsturm im Frankfurter Stadtwald. Um mit dem Rad vom südlichen Mainufer in Deutschlands größten innerstädtischen Forst zu gelangen, kann man vom Deutschherrnufer kommend direkt im Stadtteil
Sachsenhausen an der Alten Brücke nach Süden abbiegen – und damit ein Stück den GrünGürtel-Radweg verlassen. Vom Wendelsplatz geht es dann hinauf in Richtung Seehofpark und weiter bis zum Waldspielpark Goetheturm. 196 Stufen geht es hinaus bis zur Aussichtsplattform des Goetheturms. Bei gutem Wetter kann man von der Höhe aus nicht nur einen prächtigen Blick über die Stadt genießen, sondern bis zu den Hängen von Taunus, Spessart und Odenwald schauen.

Von Süd nach West und damit zum Ausgangspunkt Höchst radelt man weiter zur Oberschweinstiege, passiert den Jacobiweiher – von den Frankfurtern gerne als „Vierwaldtstädter See" bezeichnet – die Commerzbank-Arena, die Spielstätte der Frankfurter Eintracht, den Goldsteiner Friedhof, die 1000- jährigen Alteichen und bevor man das Mainufer erreicht noch die Schwanheimer Düne. Vom Ufer legt die Fähre nach Höchst zum
Ausgangspunkt ab – und man kann sich nach 75 Kilometern im Sattel bei einem entspannten Blick auf beide Ufer und die Erinnerung an das im Frankfurter GrünGürtel Erlebte rundum glücklich fühlen.

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (19.08.2011)