Historisch: Trier ist UNESCO Welterbestätte seit 1986

Trier ist Deutschlands älteste Stadt und als Weltkulturerbe ein begehbares Monument der Zeitgeschichte. Porta Nigra, Dom, Kaiserthermen, Amphitheater und römische Kulissen und Einflüsse an jeder Ecke. Die Moselstadt galt lange als das schönere Rom.

Blick auf dem Trierer Dom und die Altstadt. Foto: TIT/Rudek


Trier: Das zweite Rom

Die Porta Nigra, das schwarze Tor. Foto: TIT/Rudek

Trier ist heute ein einzigartiges Freilichtmuseum der europäischen Baukunst mit Bauten aus römischer, romanischer und gotischer Zeit sowie der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus. Neun Monumente aus der glanzvollen Epoche der römischen Kaiserzeit und des Mittelalters zählen seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit.

Die Gründung der Stadt Trier nach römischem Recht fiel Kaiser Augustus zu. Julius Cäsar hatte in den Jahren 58 - 50 v. Chr. Gallien erobert, den Rhein zur Ostgrenze des Römischen Reiches gemacht und damit auch den Keltenstamm der Treverer unterworfen. 16. v. Chr. wurde in der Nähe eines Heiligtums dieses Stammes eine neue römische Stadt angelegt – zu Ehren des Kaisers erhielt sie die Bezeichnung "Augusta Treverorum". Bereits 60 Jahre später beschreiben römische Geschichtsschreiber Trier als eine "sehr reiche und wohlhabende Stadt".

In einer fast 200 Jahre währenden Friedenszeit folgte eine erste bedeutende Blüte, von der unter anderem die Ruinen des 20.000 Menschen fassenden Amphitheaters und des riesigen Bäderpalastes der Barbarathermen zeugen. Eine Mauer mit Wehrtürmen und vier Toren sicherte die Stadt. Das Nordtor, die heutige Porta Nigra, ist als imposanteste Ruine erhalten geblieben.

Von der Fläche her fast dreimal so groß wie das römische Köln diente Trier als Sitz des Stadthalters der Provincia Belgica und des Generalsteuereinnehmers mit einem großen Stab von Beamten. Es war wirtschaftlicher Mittelpunkt des Gebietes diesseits der Rheingrenze.

Das Jahr 275 markierte mit dem Einfall der Franken, die den Limes durchbrochen hatten und Trier in Schutt und Asche legten, einen Wendepunkt der Geschichte. In der Notwendigkeit, den Westen des Reiches besonders zu sichern, wurde das Reich geteilt. Im Jahre 293 ernannte Kaiser Diokletian „Treviris“ zur römischen Kaiserresidenz. Trier wurde als Hauptstadt politischer und militärischer Mittelpunkt des weströmischen Reiches.

In den folgenden 100 Jahren entfaltete sich in den Mauern der Stadt der ganze Glanz der kaiserlichen Hofhaltung. Trier wurde zur „Roma secunda“, zum zweiten Rom. Amphitheater und Barbarathermen wurden wieder aufgebaut. Inmitten der Stadt bildeten der Kaiserpalast mit dem prunkvollen Thronsaal der Palastaula und dem Zirkus eine gewaltige, die Stadt überragende Gebäudegruppe. Im 4. Jahrhundert zählte Trier bis zu 80.000 Einwohner und war somit die größte Stadt nördlich der Alpen.

Wohlstand und Glanz im Mittelalter

Die Glanzzeit des kaiserlichen Trier brachte auch eine Blüte des kirchlichen Lebens. Das Christentum hatte im Treverer Land früh Eingang gefunden. Der in Trier zum Augustus ernannte Konstantin der Große, der 313 dem Christentum die freie Ausübung seiner Religion gestattete, und seine Mutter, die Heilige Helena, begünstigten die große Trierer Christen-Gemeinde in hohem Maße. In unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Palastes entstand über viele Jahrzehnte ein riesiger Kirchenkomplex, auf deren Grundriss sich noch heute der Dom und die Liebfrauenkirche befinden.

Durch die immer gefährlicher werdenden Einfälle der Germanen und Wirren der Völkerwanderung sahen sich die römischen Kaiser um das Jahr 400 gezwungen, ihren Sitz nach Arles im heutigen Südfrankreich zu verlegen. Das bedeutete das Ende der Kaiserherrlichkeit in Gallien. In den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts eroberten die Franken viermal die Stadt und brannten sie nieder. Trier kam unter fränkische Herrschaft und wurde Sitz eines fränkischen Gaugrafen, die Palastaula fränkische Königspfalz.

Eine neue Periode des Ansehens und des Wohlstandes in Trier leiteten im Mittelalter die Erzbischöfe ein. Das geistige Leben nahm einen ungeahnten Aufschwung durch die Gründung zahlreicher Klöster und Stifte um die Domstadt. Die Jahrhunderte des Mittelalters waren darüber hinaus gekennzeichnet durch eine Blütezeit christlichen Kunstschaffens. Der Dom erhielt als Erweiterungen den romanischen Westchor und einen Ostchor. Erzbischof Poppo wandelte zu Ehren des Heiligen Simeon, die Porta Nigra in zwei übereinander liegende Kirchen um. Paulinus-und Matthiaskirche wurden neu errichtet und durch Papst Eugen III., der 1148 in Trier ein Konzil abhielt, feierlich eingeweiht. Ca. 100 Jahre später entstand auch die Liebfrauenkirche, eine Perle der frühgotischen Baukunst.

Die Zeit des kulturellen Aufschwungs der Stadt Trier war auch die Zeit der Erstarkung des Bürgertums. Um das Jahr 1300 erkämpften sich die in Zünften zusammengeschlossenen Handwerker das Recht, an der Verwaltung der Stadt mitzuwirken. Mit ihren neun Vertretern, den Schöffen und zwei Bürgermeistern bildeten sie den Rat der Bürgerschaft. Kunst und Wissenschaft wurden später auch von der Bürgerschaft gepflegt und so erfolgte 1473 die Gründung der Universität in der Stadt.

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Fotos: TIT / Rudek

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (17.11.2012)