Wasserlage: UNESCO Weltkulturerbe Klosterinsel Reichenau

Reichenau im Bodensee veranschaulicht die religiöse, wissenschaftliche und kulturelle Rolle eines großen Benediktinerklosters, das im Frühmittelalter eines der geistigen und kulturellen Zentren des Heiligen Römischen Reiches war. Weltkulturerbe seit dem Jahre 2000.

Die Insel Reichenau aus der Luft. Foto: Reichenau Tourismus


Adresslage für die Klosterinsel Reichenau im Bodensee

St. Peter und Paul, Insel Reichenau. Foto: Reichenau Tourismus

Im Jahr 724 gründete der Wanderbischof Pirmin das Kloster "auf der reichen Au". Der Ruhm der Klosterschule und der Bibliothek gehen jedoch auf Abt Waldo (786-806) zurück, Bischof von Pavia und Regent des jungen Langobardenkönigs Pipin.

Abt Heito I. erbaute die Abteikirche im 9. Jahrhundert neu, wobei er einige Grundideen byzantinischen Kirchenbaus übernahm, die er von seinen Reisen im Auftrag Kaiser Karls des Großen mitbrachte. Die drei romanischen Kirchen der Insel aus dem 9. und 11. Jahrhundert veranschaulichen die frühmittelalterliche Architektur und gelten als geistige Vorreiter des Abendlandes zur Zeit der Karolinger und Ottonen.

Das Marienmünster, ehemals die Klosterkirche, ist heute katholische Pfarrkirche. Ihr ältester Bauteil wurde 816 geweiht. Besonders markant in der dreischiffigen Basilika sind der gewaltige Dachstuhl und die reiche Schatzkammer. St. Georg in Oberzell ist berühmt für die monumentalen ottonischen Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert. St. Peter und Paul in Niederzell wurde 799 vom alemannischen Bauherrn und Stifter Egino von Verona geweiht. Sehenswert sind die prächtige Orgel und die romanischen Apsismalereien.

Zu den kunstgeschichtlichen Zeugnissen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert gehören auch die einzigartigen Handschriften der Reichenau, die in ganzen Bilderzyklen das Neue Testament, das Leben Jesu und die Evangelien illustrieren. Um die 40 Codices umfasst der erhaltene Bestand der "Reichenauer Malerschule".

Die Reichenau als politisches und intellektuelles Zentrum

Unter Abt Hatto III. (888-913) erlangte die Reichenau auch politische Macht. Als Erzkanzler des Reiches war Hatto III. Vormund Ludwigs des Kindes, des letzten deutschen Karolingerkönigs. Wissenschaften und Musik erblühten unter dem Mönch Hermann der Lahme (1013-1054). Er verfasste eine Weltchronik, auch die noch heute gesungenen marianischen Antiphonen "Alma redemtoris mater" und "Salve Regina" gehen auf ihn zurück.

Lehrer von Rang unterrichteten an der berühmten Klosterschule, aus der hervorragende Theologen, Politiker, Wissenschaftler, Dichter und Musiker hervorgingen. Zu den berühmten Lehrern und Erziehern der Schule gehört Walahfrid Strabo, der mit seiner "Visio Wettini" das christliche Weltbild darlegte und Dantes "Göttliche Komödie" erklärte. Berühmt waren die Klosterbibliothek, die "Reichenauer Malerschule" und die Goldschmiedekunst.

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Fotos: Reichenau Tourismus

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (08.04.2013)