Schweriner Schloss - 635 Räume und ein Schlossgeist

Auf einer Insel im Schweriner See der Innenstadt vorgelagert, fasziniert das Schweriner Schloss durch seine pittoreske Lage. Die ehemalige Residenz ist eines der bedeutendsten Bauten des Historismus in Deutschland.

Schloss Schwerin. Foto: Staatliche Museen Schwerin, Lothar Steiner


Das Petermännchen hat schon Wallenstein erschreckt

Schloss Schwerin, Blumenzimmer. Foto: Staatliche Museen Schwerin, Lothar Steiner

Auf einer Schranktür m Säulenzimmer ist er zu sehen - ein Zwerg gekleidet nach der Mode der ersten Hälfte des 17. Jhd. mit einem hohen federgeschmückten Hut, einer breiten Mühlsteinkrause aus fein gefälteltem Stoff und Stulpenstiefeln: Das berühmte Petermännchen verteidigte das Schloss gegen unerwünschte Gäste. Seine Bekanntschaft soll auch der Felsherr Wallenstein gemacht haben, der das Schloss auf einem Kriegszug "besuchte". Es gefiel ihm und er wollte sich eigentlich häuslich einrichten; doch schon in der ersten nacht kam das Petermännchen und zug dem Schläfer die Decken weg.
In der folgenden nacht zog der sehr abergläubische Feldherr in einen anderen Flügel um. Hier erging es ihm jedoch nicht besser: Plötzlich sah er, wie das Petermännchen mit gezücktem Schwert näher kam. Im selben Augenblick löste sich das Bild des rechtmäßigen Herzogs, das über dem Bett an der Wand hing, vom Nagel und begrub den Feldherrn unter sich. A nächsten Tag verließ Wallenstein Schwerin und betrat Petermännchens Revier nie wieder.

Bereits im 10 Jhd. wurde eine slawische Burg auf der Insel erwähnt. Ihr folgte im 12. Jhd. ein Neubau, den die Herzöge von Mecklenburg ab dem späten 14. Jhd. als Residenz nutzten.

Umfassende Um- und Neubauten erlebte die Inselburg zur Zeit der Renaissance, im 16. Jhd. Aus dieser Phase wurden beim Bau des historischen Schlosses im 19. Jhd. einige Gebäudeteile auf der Seeseite integriert, wie es an den alten Renaissance-Giebeln abzulesen ist.

Eine weitere Umgestaltung des Schlosses wurde aufgrund des schlechten Zustands der Bausubstanz Mitte des 19. Jhd. notwendig und erfolgte nach den Plänen
der Baumeister Georg Adolph Demmler und Friedrich August Stüler im Stile der Neorenaissance. Starken Einfluss auf den Entwurf übten dabei die französischen Renaissanceschlösser aus, insbesondere das Schloss Chambord an der Loire. Ein Großbrand im Dezember 1913 zerstörte ein Drittel des Schlosses. Der ugseeflügel brannte bis auf die Grundmauern ab und der Schlossgartenflügel in den Obergeschossen aus. Nach der Abdankung des Großherzogs ging das Schloss in Besitz des Staates über, der das Äußere wiederherstellen ließ. Schon drei jahre später wurden die erten äumlichkeiten als Schlossmuseum eröffnet.

Neben der Funktion als kulturelle Begegnungsstätte ist das Schloss auch Sitz des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern.

Der Schlosspark: Romantischer Rahmen für schöne Spaziergänge

Sehenswert sind die großherzöglichen Repräsentationsräume in der Festetage wie z.B. Thronsaal und Ahnengalerie, sowie in der Beletage Wohn- und Gesellschaftsräume wie Speise-, Tee-, Blumenzimmer und Sylvestergalerie. In den ehemaligen Kinderzimmern sind kostbare Porzellane aus Meissen, Berlin und aus anderen europäischen Manufakturen sowie höfische und mecklenburgische Malerei aus dem 18. und 20. Jahrhundert zu sehen. Einen Besuch sind auch der Burggarten und die Orangerie wert.

Bei einem so großen Schloss - 635 Räume und 23.000 Quadratmeter - fallen auch de Grünflächen etwas umfangreicher aus. Um das Schloss zieht sich, die Insel ganz ausfüllend, der so genannte Burggarten. Mit seiner Gestalung verknüpfte Hofgärtnermeister Theoor Klett die Traditionen der römischen Villen- und Terrassengärten mit Elementen des englischen Landschaftsgartens. Mittelpunkt der Anlage ist die Orangerie mit ihren drei großen Sälen.
Über eine Treppe gelangt man auf das Dach der Orangerie. Hier kann man einen herrlichen Panoramablick über die Gartenanlage, sowie den See genießen.

Eine Drehbücke aus dem 19. Jhd. führt von der Insel in den Schlossgarten, der zu den bedeutendsten Parks im Norden Deutschlands zählt. Aus einem herzöglichen Obstgarten entwickelte sich im 18. Jhd. ein barocker Garten mit dem Kreuzkanal und 14 Skulpturen.

Das Schloss erleben

Das Schlossmuseum mit den fürstlichen Wohn- und Prunkräumen lässt sich individuell erkunden. Es werden jedoch ach einstündige Führungen zu unterschiedlichen Themen angeboten. Ein Vergnügen für Eltern und Kinder (5-11 Jahre) ist der Familienbrunch an jedem 1. Sonntag des Monats von 10.00 bis 14.00 Uhr m Schlosscafé (Sommer) bzw. im Schlossrestaurant (Winter). Während die Großen frühstücken gehen die Kleinen um 11.30 hr unter fachkundiger Leitung af die Suche nach dem Petermännchen.

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (22.11.2012)