Typisch Deutsch: Wiedergeburt des Teltower Rübchens

Zurück zu den Wurzeln: Zwischendurch fast verschollen, feiert das Teltower Rübchen seit einiger Zeit ein fulminantes Comeback.

Keine Schönheit, aber fein im Geschmack: das Teltower Rübchen; Foto: David Pohle


Die Mehr-Genusskolumne von Christian Keil

Liebt die deutsche Küche: Sehnsucht Deutschland-Autor Christian Keil

Ein Hoch auf die deutsche Küche: Sehnsucht Deutschland-Kolumnist Christian Keil hat das Teltower Rübchen mal genauer unter die Lupe genommen. Sein Fazit: einfach köstlich.

Langsam aber stetig kommen die geschmackvollen Speisen, die bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts vor allem auf den sonntäglichen Tafeln der Deutschen standen, wieder in Mode.

Wäre es in den 80er und 90er Jahren kaum denkbar gewesen, seine Liebste „zum Deutschen“ auszuführen, ohne dass einem „deutscher Dünkel“ und ein nicht vorhandenes Trendbewusstsein nachgesagt worden wäre, ist es heute ein Muss (oder wie es in den Magazinen der Reichen und Schönen genannt wird: ein Must), sich bei Tatar, Roulade, Brathering oder Eintopf mit der Angebeteten zu treffen.

Das Gute liegt schließlich wie so oft so nah: Trauen Sie sich ruhig, die Geschmackserlebnisse von gut zubereiteter, deutscher Kost zu probieren. Sie werden überrascht sein, satt und ernährungsphysiologisch perfekt versorgt.

Teltower Rübchen sind mein Gemüse

In der heutigen Kolumne widme ich mich dem Teltower Rübchen, einer besonders schmackhaften und seit Anfang des neuen Jahrtausends bereits von der großen Küche wiederentdeckten Rübenart.

Zwischendurch fast verschollen, feiert das Teltower Rübchen seit einiger Zeit ein fulminantes Comeback. Auch bei Deutschlands besten Köchen ist das blässlich-unscheinbare Feldgemüse inzwischen saisonaler Stargast.

Benannt nach dem brandenburgischen Teltow sorgt die Brassica Rapa (so der lateinische Begriff) bei den älteren Menschen, die sich in den fünfziger Jahren mit allerlei Rüben herumschlugen, für diffuse Erinnerung der Entbehrung. Ohne Rüben und Kohl wären sicher zu dieser Zeit mehr Menschen in Deutschland verhungert. Durch den „Überkonsum“ geriet das kleine Rübchen in den Siebzigern in Vergessenheit.

Doch das Gute kehrte zurück. Ende des letzten Jahrhunderts wurde sie wiederentdeckt und ist heute gerade bei den Feinschmeckern in Berlin und Brandenburg so beliebt wie zu „Kaiserzeiten“.

Ja sogar schon Goethe und Kant haben sich mit dem feinen Rübchen beliefern lassen, und auch der französische Hof schätzte ihren Geschmack.

Die kleine, weiße, leicht nussige, aber doch mit einer feinen Senfnote ausgestattete, süßliche Rübe kann sowohl roh als auch z. B. als Beilage zu diesem Gericht verwendet werden: Keule vom Müritzer Milchlamm, Sauté von Spitzmorcheln mit gestovten Strauchtomaten, lauwarmer Vinaigrette und heimischen Aromaten. Dieses Rezept, das Sie hier kostenlos downloaden können, verriet uns der angesagte Sternekoch Marco Müller aus der Weinbar Rutz in Berlin. Denn auch er weiß um das Potenzial des weißen Rübchens.

Erntezeit ist von Oktober bis in den Dezember hinein – dann sind die Rübchen saisonal und regional frisch im Handel erhältlich. Jedoch Achtung: Günstig sind die kleinen Leckerschmecker im Fachhandel nicht. Passen Sie auf, und lassen Sie es sich schmecken.

Herzlichst, Ihr Christian Keil

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (24.11.2017)