Lokalheld/12: John Langley - Gärtner zum Knutschen

Es sind der Kaufmann an der Ecke, der Bauer im Nachbardorf oder die Wirtin in unserer Stammkneipe, die unsere Heimat liebenswert machen. In unserer Rubrik „Lokalhelden“ stellen wir starke Frauenzimmer und echte Pfundskerle vor. Sie alle sorgen dafür, dass es zu Hause am schönsten ist. Teil 12: John Langley/Gartenexperte

John Langley ist als igs-Botschafter in seinem Element


Der grüne Daumen des Nordens

Chefredakteur David Pohle traf John Langley auf der igs

Der grüne Daumen hat keinen Hut auf. Offenbar hat der berühmteste Gärtner Norddeutschlands von Meteorologie wenig Ahnung, denn sonst hätte er heute einen auf. Er mag die Sonne nämlich gar nicht und heute ist der Tag – hoffentlich nicht der einzige –, wo der Sommer in Hamburg vorerst auf einen Dienstag fällt. Das ist für alle überraschend. Auch für John Langley, dessen bekanntestes Markenzeichen neben seinem langen weißen Bart eben ein Sonnenhut ist.

Vielleicht ist er auch einfach nur vergesslich. In jedem Fall ist er das Gesicht der internationalen gartenschau (Anm. d. Red.: Eigenname, der absichtlich der Kleinschreibung unterliegt) von Hamburg, deren Kürzel igs bei Internetrecherchen bis vor Kurzem noch auf die Seiten diverser Integrierter Gesamtschulen führte. Mit dem Thema „In 80 Gärten um die Welt“ vermarktet die igs ein städtebauliches Megaprojekt, das die Elbinsel Wilhelmsburg mit dem sogenannten Sprung über die Elbe doch noch zu einem Mitglied der ehrbaren Hamburger Stadtteile machen soll.

Langley ist ein Unikum, jedenfalls kein Engländer, walisische Vorfahren lassen sich nachweisen. Sein Vater war Friedhofsgärtner in Hamburg, John ein waschechter Hamburger Jung, ein Barmbeker, um genau zu sein. Wie sich sein Daumen langsam grün verfärbte? „Loki Schmidt, damals schon Frau des Hamburger Innensenators Helmut Schmidt, später Kanzlergattin, immer Naturfreundin und geliebte junge Grundschullehrerin, hat mich nach draußen geschickt; ich sollte mal gucken, was die Natur so bietet. Ich sah nichts, kam zu früh wieder rein, Loki schickte mich wieder raus.“

Später lernt er Dekorateur, macht eine Gärtnerlehre und einen Meister in Floristik. Mit Ende 20 ist er Fachlehrer für Agrarwirtschaft. Beamter ist er nur auf dem Papier; im Herzen will er Abwechslung, mit Menschen, Natur und Kultur zu tun haben. Unterrichtsfreie Zeit, wie die Ferien im Schulsprech heißen, ist ihm nicht wichtig. 1977 entdeckt ihn der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Sein Mundwerk hat so gar nichts mit der vermuteten Spießigkeit des Gärtners zu tun, das kommt an. Inzwischen ist Langley seit über 30 Jahren der TV-Gärtner. So ist der Stand, als das Telefon vor rund fünf Jahren klingelt. Heiner Baumgarten, Chef der igs, ruft an und fragt, ob Langley nicht Botschafter für die igs werden wolle. Ahnt er die Dimension? „Dimensionen sind immer so groß, wie man sie zulässt“, meint Langley. Diese habe er nicht abschätzen können, aber er habe dennoch sofort zugesagt, da er nach eigenem Bekunden kurz davor war, sich wegen der Eintönigkeit seines schulischen Alltags „aus dem Kellerfenster zu stürzen“. Sagt er und grinst.

„Du bist ja nicht so gut zu Fuß, mein Junge“, sagt Langley (64), meint mich (44) leiht sich kurzerhand ein Golfcart und versucht loszufahren. Wir schaffen 50 Meter in 10 Minuten, weil John Langley seine Botschafteraufgabe mehr als erfüllt. Er hält überall, wird allerdings auch von jedem erkannt. Ältere Damen fragt er gern, wo sie – er duzt sie natürlich – herkommen, bedankt sich charmant dafür, dass sie die Sonne mitgebracht haben, und wünscht einen guten Tag. Die Damen erröten leicht. Natürlich steht er jederzeit auch für Fotowünsche parat, posiert dann gern und fragt: „Wollt ihr ein schönes Foto?“ Wenn das bejaht wird, bietet er an, aus dem Bild zu gehen, und erntet Lacher. Wo Langley ist, ist die Stimmung gut. Er lebt seine Aufgabe, hat ein gutes Wort für jeden Gärtner, die Eisverkäufer, die vielen Ehrenamtlichen und auch die Polizisten, die tiefenentspannt in der Sonne sitzen und sich beschäftigungslos über ihren Tag im gigantischen Blumen- beziehungsweise Pflanzenmeer freuen.

Muss man Pflanzen eigentlich lieben, John? „Nein, nein, das ist genau andersrum: Pflanzen müssen sehr tolerant sein. Die meisten werden ihr ganzes Leben lang schlecht behandelt, zu viel oder wenig gegossen, falsch gedüngt oder beschnitten. Es sind die Pflanzen, die leiden und trotzdem lieben, weil sie trotz allem fast immer wiederkommen“, sagt John und schüttelt sich vor Lachen.

Als wir dann doch noch weiterfahren, zeigt Langley mir seine liebsten heimlichen Ecken auf dem 72 Hektar großen Gelände. Wirklich ins Schwärmen gerät er bei den versteckten Auenwäldern mit Wiesenschaumkraut oder den wilden Streublumenwiesen, die so ungeplant und natürlich wirken. Der Loki-Schmidt-Garten ist auch so ein Platz „Anschauen immer, abpflücken nie“, steht da, ein Zitat von Langleys Grundschullehrerin. Früher hätte Langley selbst nichts entdeckt, jetzt schickt er Besucher, die das Gleiche beanstanden, wieder zurück. Ganz wie einst Loki ihn. Er lächelt. Das vergisst er nie; offenbar hat er von Meteorologie doch keine Ahnung. Sage ich und grinse diesmal ihn an.

John im Paradies
„In 80 Gärten um die Welt“ war das Motto der igs 2013, die bis zum 13. Oktober stattfand, und auch für alle, die ihre Daumen mal richtig grün einfärben möchten. Flächenmäßig ist Wilhelmsburg Hamburgs größter Stadtteil. Die igs und die IBA (Internationale Bauausstellung) sollten die paradiesische Elbinsel im Süden der Stadt nachhaltig fit für die Zukunft machen. Dienstags gibt der TV-Gärtner John Langley ab 16.10 Uhr live im NDR Gartentipps für Hobbygärtner. Gäste sind willkommen.

Langleys Tipps:
(1| Besuch mich auf der igs in Hamburg und erleb die Welt in 80 Gärten)
2| Wenn du Pflanzen liebst, stell sie nicht in die pralle Sonne
3| Gärtnere mit Geduld und lass dir Zeit, dann wirst du reich belohnt
4| Pflanzzeit ist das ganze Jahr über, sofern du mit Kübeln arbeitest
5| Daumen kann man anmalen, grün werden sie von ganz alleine

Quelle: www.sehnsuchtdeutschland.com (20.11.2017)