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Sehnsucht Deutschland - Film

Liebe dieses Regensburg - eine Reisereportage

Direkt an der Donau und trotzdem nicht immer auf dem Weg. Aber Umwege zahlen sich aus, Regensburg ist auch ohne Partner zum Verlieben schön mit der Donau, seiner Altstadt, den Biergärten und dem Wurstkuchl.

Text: Fritz Vossiek

Fotos: Regensburg Tourismus GmbH

Vom Hutmacher und den sechs mit Kraut

Das Ende der Steinernen Brücke ist der Eingang in die Altstadt. Foto: Regensburg Tourismus GmbH

Das Ende der Steinernen Brücke ist der Eingang in die Altstadt. Foto: Regensburg Tourismus GmbH

Wenn man David heißt und ziemlich groß ist, kennt man die Geschichte mit Goliath gut. Nun ich heiße David und wohne im Goliath, einem schönen Hotel in der Regensburger Altstadt. Kein schlechter Anfang, finde ich.

Das ist kein Zufall, sondern eine nette Geste der freundlichen Dame von der Regensburger Zimmervermittlung, denn das Goliath am Dom ist eines der schönsten Hotels und liegt mitten in der Altstadt. In der Altstadt wiederum liegt nahezu alles, was Regensburger dem Besucher als Regensburg präsentieren. Kein Wunder, ist die Stadt, deren Ursprünge vor knapp 2.000 Jahren von den Römern als Castra Regina am Regen angelegt wurden, die vor allem aber an der weitaus größeren Donau liegt, doch von den Bombenhageln der großen Kriege nahezu komplett verschont worden.

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Es hat etwas gedauert, bis es Regensburg gelungen ist, sich aus einem länger andauernden Dornrösschenschlaf zu befreien. Doch heute steht die Stadt stärker und schöner da denn je und trumpft mächtig auf. Die mittelalterliche Altstadt gilt als die älteste komplett erhaltene nördlich der Alpen und ist 2007 zusammen mit der auf der anderen Donauseite liegenden Stadtamhof in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen worden. Seitdem strömen die Touristen aus dem In- und vor allem Ausland – viele davon auf den beliebten Donau-Flusskreuzfahrten - nach Regensburg, um diese uralte doch so lebendige Stadt zu besuchen. So auch ich.

Die Wege in Regensburg sind kurz und immer gehenswert. Regensburg war das Zentrum mittelalterlicher Baukultur und fast jedes Haus erzählt eine andere Geschichte. Viele handeln von dem Reichtum vergangener Tage als Regensburg florierende Metropole war, der sich dank der Schiffbarkeit der Donau Fernhandelswege bis an den Bosporus eröffneten. Konstantinopel, das heutige Istanbul, war Endpunkt der wichtigsten Fernhandelswege wie der Seiden- und der Gewürzstraße, Regensburg damit angeschlossen an das Welthandelssystem jener Tage.

Die erfolgreichen Kaufleute ließen ihre Häuser kunstvoll bemalen oder übertrafen sich im Bau bewohnter Geschlechtertürme. Da eine Ausbreitung in der Fläche durch die Stadtmauern begrenzt war, wurden diese Türme nach dem Motto je höher desto reicher gebaut. Die Geschlechtertürme als Vorgänger der Wolkenkratzer der Neuen Welt? Wer weiß, der bestens erhaltene und heute noch als Studentenwohnheim genutzte Goldene Turm hat jedenfalls neun Stockwerke und eine Höhe von rund 50m. Damit ist er fast halb so groß wie der beeindruckende Dom St. Peter, der als Wahrzeichen der Silhouette von Regensburg alles andere bei weitem überragt.

Auch Don Juan d'Austria liebte diese Stadt - und ihre Damen

Jeden Sonntag zwitschern die Regensburger Domspatzen unter dem enormen Schiff . Kaum zu glauben, aber dem für seine reinen Knabenstimmen weltberühmten Chor gehörte der heute alles andere als sanft formulierende BILD-Kolumnist Franz-Josef Wagner an.

Egal, es ist dunkel, das nasse Kopfsteinpflaster der kleinen Gassen schimmert, ich lasse mich treiben, der Tag war lang. Das Licht ist diffus, der feuchte Donaunebel zieht vom nahen Fluss kühl in die Stadt. Mich zieht es weiter. Es ist ein Donnerstag im Januar, in vielen Städten wären die Bürgersteige jetzt schon akkurat nach oben geklappt worden. Nicht hier. 20.000 Studenten sind wie ein Jungbrunnen für die alte Schönheit, studieren tagsüber in den Hörsälen der drei Hochschulen Jura, Wirtschaftswissenschaften oder Medizin und abends das Leben in den vielen Kneipen der Altstadt. Zum Beispiel beim Kneitinger am Arnulfplatz, dem Inbegriff für ein urgemütliches bayerisches Wirtshaus. Ab 9h morgens ist die Wurstküche des „Knei“ geöffnet, es gibt dass Brauerei eigene Bier, Modebiere werden ignoriert. Das gefällt. So sitzen vom Bürgermeister, Touristen, Straßenkehrer und Autoren alle fröhlich beieinander.

Vielleicht hat die Geschichte um Don Juan d'Austria ja auch nach einem solchen Wirtshausabend begonnen. Zu Zeiten als in Regensburg wieder einmal ein Reichstag abgehalten wurde, wir notieren die Mitte des 16. Jahrhunderts, vereinigte sich Kaiser Karl V. mit der hübschen Gürtlertochter Barbara Blomberg, ein Sohn wurde geboren, nicht standesgemäß und deshalb der Mutter entzogen, um in Spanien aufzuwachsen.

1571 bezwang er die Osmanen in der Seeschlacht von Lepanto, rettete die Heilige Liga und war ein Kriegsheld. An Mutter und Sohn erinnert Deutschlands ältestes Kaffeehaus von 1686, das Cafe Prinzess mit erlesenen Pralinen, die Don Juan Kanonenkugeln und Barbara-Küsse heißen. Eine andere Köstlichkeit heißt Kesse Gloria und ist der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis gewidmet, deren Schloss St. Emmeram in einem grünen Alleengürtel liegt, der die gesamte Altstadt umschließt. Das der Öffentlichkeit zugängliche Schloss, das mehr Zimmer haben soll als der Buckingham Palast in London, verleiht der Stadt den aristokratischen Glanz, der zu den Zeiten von Königen und Kaisern hier allgegenwärtig war.

Unvergesslich köstlich - sechs auf Kraut am Donauufer

„Gehen sie geradeaus und lassen den Hutmacher links liegen“, rät der ältere Herr als ich nach dem Weg zum Wurstkuchl frage.

Links liegen lassen kann man diesen Hutmacher am Dom dann aber nicht, denn es handelt sich um den Hutkönig, den einzigen Hutmacher Europas, der auch Modistenmeister ist, d.h. Hüte für Frauen herstellt. 12.000 Hüte sind dauernd vorrätig, die Träger kommen aus der ganzen Welt, um dem Hutkönig ihre Ehre zu erweisen. Einen trägt z.B. Papst Benedikt XVI., der hier acht Jahre lang lehrte und noch heute als Ehrenbürger der Stadt eine Honorarprofessur für Dogmatik innehält und dessen Dankschreiben im Schaufenster steht. Ein paar Schritte weiter ist das Wurstkuchl, die ältestes Bratwurstbude der Welt, wo „Sechs auf Kraut“ nichts Unanständiges ist, sondern die klassische Bestellung.
Auf hochdeutsch heißt das, man möchte sechs – man kann auch 8, 10 oder 12 – fingerlange Würstchen mit Sauerkraut und süßem Senf bestellen.

Alles ist historisch, in der sagenhaft gemütlichen Stube erinnern Schilder an erlebte Hochwasser, die Donau und ihr Strudel sind nur ein paar Würstchenlängen entfernt. Aber das Wurstkuchl hat noch jede Flut überlebt und solange das Wasser nicht über die Schwelle schwappt, werden die Würste auf dem offenen Holzkohlengrill gedreht.

Der Steinernen Brücke hat in rund 860 Jahren noch keine Flut etwas anhaben können und das ist gut so, denn sie ist nicht nur ein Geniestreich deutscher Ingenieurskunst, sondern zugleich auch die schönste Möglichkeit nach Stadtamhof zu kommen. Dort wo im Sommer das Leben auf den Donauwiesen tobt und der preußische Biergartentraum unter fetten Kastanien mit dem schönsten Postkartenblick auf die Stadt wahr wird.

Vielleicht saß Lord Norman Foster hier im Spitalgarten bei einem Spitalbräu als er feststellte „Regensburg ist eine der schönsten Städte der Welt“, und damit aussprach, was die Regensburger schon lange wussten. Regensburg ist eine alte Liebe, aber kein Denkmal, eher ein Gebrauchsgegenstand, dem die Regensburger mit respektvoller Zuneigung und einer guten Portion stolzer Lässigkeit begegnen. Deshalb ist die Stadt auch kein Museum, sondern eine immer mehr an Fahrt gewinnende Perle, deren Bürger ihre Lebensfreude nach den ersten Sonnenstrahlen auf die historischen Plätze und Gassen verlagern. Mein Haus ist dein Haus, herzlich willkommen, könnte der Einstellung der selbstbewussten Regensburger zu ihren Besuchern nahe kommen.

Bei nächster Gelegenheit werde ich auch im Spitalgarten sitzen und ich fange schon heute an mich darauf vorzufreuen, denn wie schön muss es hier erst sein, wenn die Sonne scheint?

Weitere Infos

Altes Rathaus
Rathausplatz 4
93047 Regensburg

Tel.: +49 941 507-4410
www.regensburg.de/tourismus

Foto: Regensburg Tourismus GmbH Foto: Regensburg Tourismus GmbH Foto: Regensburg Tourismus GmbH Foto: Regensburg Tourismus GmbH

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