...ist ganz einfach zu erklären: Matjes, abgeleitet von Meisje, bedeutet schlicht "junges Mädchen". Der Begriff ist nicht willkürlich gewählt, denn Matjes ist eigentlich ein Zustand - nämlich das alljährlich wiederkehrende pubertierende Stadium des Herings vor dem Beginn seiner Fruchtbarkeitsphase.
In dieser Phase ist das Fleisch reich an leichtem Eiweiß und wertvollen Vitalstoffen. Die landläufige Annahme, dass es sich beim Matjes um einen jungfräulichen Hering handelt, ist also nicht ganz korrekt. Der beste Matjes ist natürlich handverarbeitet, mäßig gesalzen und niemals in Öl eingelegt – denn fett ist er selber. Die besten Qualitäten werden als Doppelfilet verkauft, sind also am Schwanz noch zusammengewachsen.
Am zweiten Donnerstag im Juni warten Tausende seit 2013 Besucher und Journalisten gespannt darauf, dass der Bürgermeister zur Kostprobe in den neuen Matjes beißt. Mit diesem "Matjesanbiss" wird die neue Matjessaison in Glückstadt feierlich eröffnet.
Anschließend wird vier Tage lang in der ganzen Innenstadt gefeiert mit Live-Musik, Flohmarkt und Kindermeile, Kunsthandwerk, maritimer Kunst und Kultur, Open-Ship und - natürlich - Matjes in seiner ganzen Vielfalt.
Die Matjestage in Glücksstadt finden immer Mitte Juni statt.
Puristen mögen den Matjes am liebsten naturell, frisch und möglichst vom Kutter direkt mit der Hand in den Mund. Als Begleitung lassen sie nur Brot und Zwiebelringe gelten, allenfalls können sie sich noch für die konventionelle Kombination von Matjesfilets mit grünen Bohnen, neuen Kartoffeln und eventuell einer Specksauce begeistern.
Solche bodenständigen Rezepturen haben ihren Reiz. Aber es wäre töricht, sich anderen Zubereitungsarten zu verschließen. Köstlich schmeckt zum Beispiel das "Kutterbrot": Pro Person wird eine Scheibe Bauernbrot mit Rührei (von zwei Eiern) belegt. Darauf plaziert man zwei bis drei Matjesfilets nebst Krabben, Zwiebelringen und frisch gehackter Petersilie.
Dass Matjes eine Delikatesse ist, steht außer Zweifel und so schließen sich würden sich wohl die meisten Feinschmecker Otto von Bismarck, Reichskanzler und Feinschmecker, anschließen, der schon früh erkannt hatte: "Wäre der Hering so selten wie Kaviar, würde man ihn als feinsten Leckerbissen gelten lassen."
Sehnsucht Matjeswochen in Glückstadt. Wir fahren hin. Sie auch?
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