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Sehnsucht Deutschland - Film
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Kinder können im Zusammenspiel ihre Kreativität ausleben und ihre Sozialkompetenz entwickeln

Jugend jazzt – Ein renommierter Klangkörper und sein Botschafter setzen Maßstäbe

Jazz ist ebenso kreativ wie komplex. Trotzdem – oder besser: genau deswegen bemühen sich Institutionen wie das Bundesjazzorchester, schon junge Musiker an die Spielarten des Jazz heranzuführen.

Text: SD Redaktion

Fotos: fotolia©highwaystarz (#81391057), fotolia©tunedin (CCO 1.0), pixabay©musikschule (CCO 1.0)

pixabay©musikschule (CCO 1.0)

Klassenbands stellen sich und das Erlernte beim Festivalkonzert des Klasse.im.puls-Projekts vor.

Ein prominentes Erbe: Das Bundesjazzorchester und seine Sprösslinge
Till Brönner, der berühmteste deutsche Trompeter war dort. Der inzwischen leider verstorbene Jazz- und Soulsänger Roger Cicero war auch da. Und selbst der vielfach renommierte deutsche Jazzpianist Michael Wollny hat dort seine ersten musikalischen Lorbeeren geerntet: Die Rede ist vom Bundesjazzorchester (BuJazzO), das 1987 vom verstorbenen Posaunist und Bigband-Leader Peter Herbolzheimer ins Leben gerufen worden war. Als Kaderschmiede gedacht, prägte sich Herbolzheimers Idee und sein Engagement für die künstlerische Ausbildung der Jugend ins musikpädagogische Herz Deutschlands dauerhaft ein und setzt bis heute Maßstäbe, die posthum längst national und international Anerkennung gefunden hat und Folgeprojekte befeuert hat. Dabei hat das Projekt im Großen umgesetzt, was seit Jahren im Kleinen erdacht, konzipiert und geplant wird: Jazz bereits in die musikalische Früherziehung einfließen zu lassen. Wie ist es um die musikalische Früherziehung mit Schwerpunkt Jazz im Land bestellt?

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Der Artikel stellt einige Projekte vor.

Kreative Spielwiesen, vom schulpolitischen Rasenmäher bedroht
Wolf Singer, Direktor der neurophysiologischen Abteilung des Max-Planck-Institutes für Hirnforschung in Frankfurt am Main brachte es in einem Spiegel-Artikel auf den Punkt: Gemeinsames Musizieren im frühen Alter stärkt die kommunikative Kompetenz, über die der Erwachsene später verfügen wird. Ein Mangel an musikalischer Früherziehung führe zu „kommunikativen Krüppeln“, ein Bevorzugen naturwissenschaftlicher Fächer zu Ungunsten von Kunstunterricht bedrohe die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit.
In die gleiche Kerbe schlägt auch eine Studie des Direktors des Instituts für Musikpädagogik in Frankfurt am Main, Hans Günther Bastian. Im Rahmen einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen hatten Schüler, die mehrere Jahre lang zwei Stunden Musikunterricht in der Woche genossen und in dieser Zeit ein Instrument erlernen und im Zusammenspiel einbringen konnten, einen eindeutig höheren IQ als Schüler, die gleiche Voraussetzungen nicht hatten.
Dabei gilt besonders die Jazzmusik als kreativste musikalische Kunstform, die einerseits genügend Freiräume für improvisatorische Gestaltungsräume bieten, andererseits den Schülern mit ihren bisweilen komplexen Strukturen und vielfältigen Variationsmöglichkeiten ein erhöhtes Maß an komplexem Denken und struktureller Auffassungsgabe abringen kann.
Dennoch fristen Kunstfächer seit Jahrzehnten ein Schattendasein an Realschulen und Gymnasien. Der Druck, der von den ernüchternden Resultaten der Pisa-Studien ausging, fiel oftmals zu Lasten einer Ausbildung an Kunstfertigkeiten aus. Das Fach wurde vielfach vom Lehrplan gestrichen und durch naturwissenschaftliche Fächer ersetzt.
Gegen den künstlerischen Kahlschlag hat sich dann auch der Erste Bundeskongress Musikunterricht in Weimar 2012 ausgesprochen. Musikfachleute waren sich einig, dass Musik auch Bildung sei, die nicht als quasi „Neben-Nebenfach“ vernachlässigt werden dürfe. Es gebe insgesamt zu wenig ausgebildete Schulmusiker, lediglich ein Drittel der Musiklehrer in Grundschulen beispielsweise verfüge über eine entsprechende Ausbildung. (Quelle: news4teachers.de )
Gegen den kreativitätsbedrohenden Rotstift hat auch eine Klage des Verbandes Deutscher Schulmusiker gerichtet, der einen statistischen Ausfall jeder dritten Musikstunde an Gymnasien und von bis zu 70 Prozent des Fachs an Haupt- und Realschulen moniert.
Peter Herbolzheimer hatte die Zeichen der Zeit erkannt und dieser drohenden Entwicklung bereits früh etwas entgegen zu setzen versucht, indem er die vom Deutschen Musikrat ausgeschriebene Stelle als künstlerischer Leiter des Bundesjazzorchesters zur Jazz-Förderung nur allzu gerne übernahm und als musikpädagogischer Vordenker zum einsetzenden Boom an Jugend- und Schülerbigbands maßgeblich beitrug.

„Jeder Mensch, der heute in Deutschland Jazz macht, kommt aus dem Orchester“
Peter Herbolzheimers Ausspruch verweist nicht ohne Stolz und einer gewissen Portion Pathos auf die Bedeutsamkeit der musikpädagogischen Institution BuJazzO, die das Klangensemble noch bereits zu seinen Lebzeiten erlangt hat. Das Jugendensemble gilt mittlerweile als Sprungbrett für die große, internationale Musikerkarriere. Professionelle Rahmenbedingungen schaffen eine solide Basis, auf der sich Talente ungehindert entwickeln und entfalten können.
Dabei hat sich der „Fatman des Jazz“, wie er sich selbstironisch und augenzwinkernd betiteln ließ, erst in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten verstärkt seinem Herzenswunsch nach einer bundesdeutschen, institutionalisierten Plattform an musikalischer Nachwuchsförderung im Jazz-Bereich verschrieben. Zu Recht wies Herbolzheimer seinerzeit auf das gänzliche Fehlen einer Hochschul-Jazzausbildung hin, wie zeit.de bemerkt.

Früh übt sich, wer ein Meister (aus Frankfurt) werden will
Was Herbolzheimers Idee im Großen bewirkt hat, hat seine Wurzeln bereits im schulischen Bereich. Jazzprogramme für Schulen haben bislang Seltenheitswert, eine solche Ausnahme ist beispielsweise der Förderansatz kultureller Bildung und ästhetischer Erziehung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die 2005 ihre Arbeit aufnahm und ein Jazzprogramm für Schulen entwickelte.
Als Initiator des 2011 ins Leben gerufenen Programms „Jazz und Improvisierte Musik in die Schule!“ wählte der Träger die Musikschule Frankfurt aus, die seit 2014 federführend zeichnet. Innerhalb der ersten drei Jahre wurden 22 Schulprojekte für Frankfurter Schüler an 19 Schulstandorten finanziell unterstützt. Die Fördermaßnahmen umfassen die unterstützende Tätigkeit eines Musikpädagogen, Lehrerfortbildungen, Schüler-Jam-Sessions und Mitmach-Konzerte. Das Hessische Fernsehen dokumentierte 2012 erstmals im Rahmen der „Frankfurter Schulgala des Jazz“ die ersten Früchte dieser Bemühungen in Form eines Schülerkonzerts der beteiligten Schulen.

Herbolzheimers Vermächtnis – Ein Workshop in Baden-Württemberg
Peter Herbolzheimer war es auch, der einen Jazz-Workshop für Schülerinnen und Schüler aus den allgemein bildenden Schulen und Jugendlichen aus den Jugendblasorchestern an der Musikakademie Kürnbach des Blasmusikerverbandes Baden-Württemberg e.V. initiierte und leitete. Die Akademie im Landkreis Karlsruhe verfügt über ein eigenes Tonstudio samt Konzertsaal, Schulungs- und Übungsräumen, in dem der Workshop seit den späten 90er Jahren alljährlich vor Christi Himmelfahrt gehalten wird.
Der Workshop unterrichtet Schülerinnen und Schüler im Zusammenspiel in Bigband-Formationen, ein abschließendes Benefizkonzert findet jährlich statt. Das letztjährige Jazz-Konzert stand unter dem Motto „Swinging Instruments and Vocals“ und wurde in Bruchsaal gegeben (Mehr hierzu hier).
Mittlerweile gilt der Workshop als das beste Fortbildungsangebot im Bereich Bigband-Jazz, der Schuljazz habe sich mittlerweile in Baden-Württemberg dank des unermüdlichen Engagements Herbolzheimers einen Namen gemacht und hohe Wertschätzung erhalten.

Jazz vernetzt - Die bayerische LAG Jazz an Schulen
2008 wurde in Bayern aus Kreisen der Politik (Bayerisches Staatsministeriums für Unterricht und Kultus) der Ruf nach einer landesweiten Koordinationsstelle zur Schaffung eines Schul-Verbundnetzwerkes laut, das die Fortbildung des vorhandenen Lehrpersonals im Bereich Jazz in Form von Grund- und Aufbaukursen organisieren und mit bestehenden Einrichtungen wie beispielsweise dem Landes-Jugendjazzorchester Bayern koordinieren soll. Entsprechend der multi-direktionalen Projekt-Ausrichtung ist der Vorsitzende nicht nur selbst Musiker bei der Lehrer Big Band Bayern sondern leitet als Gymnasiallehrer die Jazzabteilung, bestehend aus drei regionalen Jazz-Formationen. Überdies ist er als Vorstand der „Jazzfreunde Ingolstadt“ für die Jugend- und Nachwuchsarbeit verantwortlich und organisiert im Rahmen der Ingolstädter Jazztage die “Young Jazz Players Session” für Jugendliche sowie die Konzertreihe „Jazz for kids“ für die kleinsten Jazzfans. (Quelle: jazz-an-schulen.de)

Das musizierende Klassenzimmer
Auf der Bildungsmesse didacta vom 16. bis 20. Februar 2016 - der größten ihrer Art in Europa - war für Lehrer, Kinder und interessierte Eltern eine Plattform eingerichtet worden, die Gelegenheit bot, sich interaktiv mit neuen Konzepten musikpädagogischer Lehrziele auseinander zu setzen und sie spielerisch für sich zu entdecken. Wie in einem Beitrag im Internet in Zusammenhang mit dem Event betont wird, sind die Workshop-Programme kostenfrei und stehen für jeden Interessierten offen, neue Methoden der schulischen Vermittlung von Lehrinhalten musikalischer Früherziehung interaktiv erlebbar zu machen. Auf einer Sonderfläche und dem besonderen Ausstellungsbereich „Das musizierende Klassenzimmer“ (Boulevard, nördlich der Hallen 5 und 10) demonstrierten Experten in 45-minütigen, interaktiven Kursen wie eine pädagogisch wertvolle Vermittlung von Musikinhalten in der Schule von heute und morgen aussehen kann.

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