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Sehnsucht Deutschland - Film
Die Neue Pinakothek in München. Unbedingt besuchen und große Kunst entdecken!

Deutsche Meister - Max Liebermann in München

Große deutsche Kunstwerke, von Experten erklärt und vorgestellt. Wir besuchen die Neue Pinakothek in München und verweilen in einem Biergarten.

Text: Hanna Andresen

Fotos: Bayerische Staatsgemäldesammlungen

6 Fragen an Dr. Joachim Kaak, Hauptkonservator der Neuen Pinakothek

Münchner Biergarten von Max Liebermann (1884)

Münchner Biergarten von Max Liebermann (1884)

Was macht Max Liebermann zu einem Deutschen Meister?
Max Liebermann wurde 1847 als Kind jüdischer Eltern in Berlin geboren. Sein Leben und seine Kunst begleiteten die Entwicklung der modernen Kunst in Deutschland unmittelbar und nachhaltig. Als Künstler, aber auch als Präsident der Berliner Secession, als Schriftsteller und Ausstellungsorganisator prägte er das fortschrittliche kulturelle Leben Deutschlands bis zu seinem Tod. Ohne ihn wäre die Moderne in Deutschland eine andere.

Ein Biergarten in München. Was wollte Liebermann damit ausdrücken?
„Un Café concert, à Munich“, mit diesem Titel wurde das Bild 1884 im Salon in Paris ausgestellt, ist Max Liebermanns Bekenntnis zum modernen Leben französischer Prägung. Dort sind auch die Vorbilder zu suchen, etwa bei Edouard Manet oder Pierre Auguste Renoir. Es zeigt Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft, Honoratioren ebenso wie Dienstmädchen, die das städtische Vergnügen eines Biergartens genießen. Damit ist das Bild auch das selbstbewusste Bekenntnis zu einem bürgerlich städtischen Lebensstil.

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Wo genau ist der Biergarten? Gibt es ihn heute noch?
Die Darstellung hat wohl den Augustinerkeller zum Vorbild genommen. So berichtet es zumindest Erich Hancke; der frühe Biograph Max Liebermanns betont aber zugleich die Menge der Vorarbeiten und Studien, die der Künstler im Garten seines Atelierhauses in München anfertigte.

„Städter suchen Erholung in der Natur“, fällt mir bei dem Anblick des Bildes ein. Galt dies auch für Max Liebermann selbst?
Ein Biergarten ist sicherlich ein sehr eng gefasstes Naturverständnis, das den Künstler nicht interessiert haben dürfte. Max Liebermann suchte Erholung in Holland an der See und später in seiner Villa am Wannsee, deren Garten er mit großer Sorgfalt anlegen ließ und den er vielfach gemalt hat.

Es sind so viele Menschen darauf abgebildet. Spielt dennoch eine Person eine besondere Rolle?
Im Grunde spielt jede Person eine besondere Rolle, denn jede Person trägt ihren Teil zu dem bürgerlichen Sittenbild bei. Allerdings hält sich das Anekdotische ebenso wie das Porträt bei Max Liebermann zurück. Wichtig sind die Menschen, die das gesellige Beisammensein scheinbar ohne Berührungsängste genießen.

Gibt es etwas an dem Bild, das ein Laie nicht merkt, versteckte Zeichen etwa?
Neben der Signatur hat der Künstler sein Monogramm in dem Bild versteckt. Es ist in der Innenseite des Hutes neben dem Baum im linken Vordergrund zu sehen. So entsteht der Eindruck, als habe der Künstler Hut und Stock kurz beiseite gelegt, um diese Momentaufnahme eines Biergartens festzuhalten

Ist die Kapelle eine Erfindung Max Liebermanns?
Die Kapelle ist sicherlich eine Erfindung des Künstlers, ebenso wie das ganze Bild im Atelier komponiert wurde. Der reportagehafte Eindruck ist dabei natürlich gewollt und wird durch kleine Episoden wie die spielenden Kinder im Vordergrund oder durch den Soldaten, der sich so interessiert nach der jungen Frau mit dem Sonnenschirm umdreht, geschickt inszeniert.

Was gefällt Ihnen persönlich an dem Gemälde und würden Sie es bei sich Zuhause aufhängen?
Mir gefällt die heiter gelassene Atmosphäre, die aus diesem frühen Werk Max Liebermanns spricht, und da ich es sehen kann, wann immer (fast) ich möchte, gibt es keinen Grund, es sich in den eigenen Wänden zu wünschen.

Wieweit prägten die Aufenthalte in Paris und Holland das Werk Max Liebermanns?
In Paris waren die entscheidenden Impulse für eine Kunst zu finden, die abseits der akademischen Regeln die Natur und das Leben der Menschen für sich neu entdecken wollte, wie etwa die Schule von Barbizon oder die Malerei der Impressionisten. In Paris fand Max Liebermann daher die künstlerischen Anregungen und in Amsterdam, Zandvoort, Scheveningen und anderen Orten Hollands die Motive, die er suchte.

Warum setzte sich der Maler für die Gründung der Berliner Secession ein?
Max Liebermann zählte 1898 zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Secession, nachdem er bereits 1892 die „Gruppe der Elf“ zusammen mit Walter Leistikow und Franz Skarbina ins Leben gerufen hatte. Ziel der Künstlervereinigungen war es, der fortschrittlichen Kunst in Deutschland ein öffentliches Forum zu bieten. Der Secession stand Max Liebermann bis 1910 auch als Präsident vor. In dieser Zeit war die Berliner Secession das bedeutendste Sprachrohr für die moderne Kunst aus Deutschland und, entgegen der offiziellen Kunstpolitik, auch aus Frankreich.

„Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte“, ist ein bekanntes Zitat Max Liebermanns. Worüber empörte sich der Künstler so sehr?
Der Ausspruch Liebermanns galt der paradierenden Menge, die die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 mit Fackelmärschen und großem Geschrei feierte. Für den Künstler war es der vorläufige Höhepunkt eines anhaltenden Antisemitismus in Deutschland. Den Holocaust hat Max Liebermann, der 1935 stirbt, nicht mehr erlebt. Seine Frau Martha aber nahm sich 1943 aus Angst vor der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt das Leben.

Was war Max Liebermann für ein Mensch?
Max Liebermann war Weltbürger, liberal-demokratisch im politischen Denken, revolutionär in der Kunst, dabei seinen jüdischen Wurzeln ebenso verpflichtet wie dem Glauben an eine „confraternité artistique“, an eine Gemeinschaft der Kunst, die sich unabhängig von der Nationalität des einzelnen Künstlers über jede Art von Chauvinismus erheben sollte.

Hatte der Maler bestimmte Markenzeichen, die man auch in diesem Bild erkennen kann?
Es sind wohl die Flecken und Ringe aus Licht, die schon aus der „Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus“, 1882, bekannt sind, die den dunklen Boden im „Münchner Biergarten“ aufhellen und die auch die späteren Bilder aus dem Berliner Tiergarten charakterisieren. Sie erlauben es, jedem Motiv eine heiter gelassene Stimmung zu verleihen.

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