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Sehnsucht Deutschland - Film
Iris Berben auf einem Bild ihres Buches Frauen bewegen die Welt, Droemer Knaur Verlag

Nachgefragt - Interview mit Iris Berben

Punkt 11 Uhr. Eingekesselt zwischen Telefon, Aufnahmegerät, Laptop und Fragen. Nervös. Starre auf das Telefon. Schon 3 nach 11. Ich checke meine Mails, keine Absage. Nein. Nichts. Klingeln, plötzlich, fast unerwartet, ich zucke zusammen, nehme ab, sage fragend „Hallo?“. „Hallo, hier ist Iris Berben.“ „Schön, dass Sie anrufen, wie geht es Ihnen, Frau Berben?“ „Gut, danke, und Ihnen?“ „Danke, auch 
gut, aber fangen wir an.“ Ein guter Einstieg sei wichtig, sagte mein Chef, ich solle das Eis brechen, vielleicht mit etwas Unerwartetem. Die erste Frage muss sitzen.

Text: Hanna Andresen

Fotos: ZDF, Arte, Droemer Knaur Verlag

Nicht zu verlieren ...

Iris Berben in

Iris Berben spielt in der Komödie eine Frau, die mit 65 Mutter werden will

Gibt es noch Rollen, die Sie gerne spielen wollen?

Ewig wiederkehrende Frage. (Oh, Treffer versenkt.) Nein, gibt es nicht. Was mich fordert, darauf habe ich auch Lust, aber nicht auf eine spezielle Rolle.

Sie sind eine selbstbewusste Frau!

Andere nehmen das wohl so wahr. Und es ist wichtig für die Dinge, die ich so mache. Aber manchmal tue ich natürlich auch nur so. Ich bin ja Schauspielerin ...

Ihr normaler Tagesablauf?

Ohne Film? Ein kleines Frühstück, Texte lernen, Bücher lesen, Skripte schreiben, einkaufen, sehr gerne kochen, abendessen – egal wo – ist ein Ritual. Gerne lade ich Freunde ein, wir tauschen
 uns aus, das ist sehr wichtig. Und ich gehe gerne spät ins Bett. Ein Glas Rotwein gehört meist dazu.


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Warum haben Sie eigentlich keine E-Mail-Adresse?

Freiheit. Ich habe das Privileg, dass sich mein Büro kümmert. Die vielen Möglichkeiten, die wir 
online haben, sind toll. Doch mir sind 24 Stunden am Tag eigentlich schon zu wenig. Ich schreibe 
dann lieber Briefe.

In Traumfrauen spielen Sie die internetferne Margoux. Auch ein bisschen sich selbst?

Ja (lacht), ich fürchte, da haben ein paar Leute aus dem Nähkästchen geplaudert.

Wer ist für Sie eine echte Traumfrau?

Eine Frau, die ihr eigenes Leben lebt, die Kraft hat und mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Auf keinen Fall definiert sie sich über ihre Maße.

Drei Gründe für Ihr Leben in Berlin?

Die Stadt ist anstrengend und ich strenge mich gerne an. Ich mag das Grundrauschen, die Vielfalt der Menschen. Ich lebe in Schöneberg, der spannendste Kiez für mich. Du kannst alles machen: dich zurückziehen, mitmachen und immer neue Orte entdecken.

Kurztrip im Land – wohin? Wer oder was muss mit?

Mein Hund Paul (lacht). Ohne den mache ich wenig. Bayern gefällt uns gut. Vor allem mag ich die Seen, Tegernsee, Kochelsee und Chiemsee sind meine Favoriten.

Ausländischen Gästen empfehlen Sie was?

In Hamburg den Hafen. Und die alte Speicherstadt. In Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden mitten in der Stadt. Und in München bin ich ein 
großer Freund der Pinakotheken.

Und was auf keinen Fall probieren?

Ich würde sagen, was ich auch bis heute selbst lebe: „Mach alles, habe deine eigenen Erfahrungen.“

Was ist Ihr typisch deutsches Leibgericht?

Bratkartoffeln. Mit Spinat und Eiern oder mit Roastbeef. Und Königsberger Klopse.

Können Sie über sich selbst lachen?

Ja, diese Souveränität muss man haben. Ich mag Menschen, die sich nicht schämen, peinlich oder komisch zu sein. Das ist eher liebenswert.

Im August wurden Sie 65. Glücklich, retrospektiv?

JA! Ich bin sehr, sehr zufrieden mit meinem Leben und froh, dass ich auch heute noch meinen Beruf in solch einer Vielfalt ausüben kann.

Bereuen Sie eigentlich irgendetwas?

Nicht einen Fehler, nicht eine Entscheidung, tatsächlich nichts. Auch die falschen Entscheidungen 
waren schließlich richtig.

Gibt es Gerüchte über Sie?

Sicher. Interviews, die ich nie gab, sind mir egal. Gegen Niedertracht wehre ich mich natürlich.

Schule. Rebellisch oder einfach nur schlecht ?

Ich war anstrengend und es fiel mir schwer, mich in eine Gemeinschaft einzufinden. Hat man mir 
jedenfalls gesagt. Immerhin bin ich von drei Schulen geflogen. Ich hatte wohl diesen Freigeist, den mir meine Großmutter vorgelebt hat.

Fächer, die Sie gar nicht mochten?

Oh Gott. Ja, Mathe und Latein.

Schauspielerei stand aber nicht auf Ihrem Plan.

Nein, das ist so passiert. Eigentlich wollte ich Jura studieren, bin dann aber in die Schauspielerei 
hineingewachsen. Ich habe nie etwas geplant oder bin strategisch vorgegangen.

War das Filmgeschäft früher wilder?

Wilder war es mit Sicherheit. Die Schauspielerei in den 60ern und 70ern war anders, die Spielwiese 
war so viel größer. Heute ist der mediale Druck stärker und junge Filmemacher dürfen nicht mehr 
scheitern. Das muss man aber, um einen Charakter zu entwickeln.

Wie begehen Sie eine gelungene Filmpremiere?

Ist der Film gut, feiere ich mit den Kollegen. Da kann es auch laut, wild und ziemlich
rauschend werden.

Und privat? Gehen Sie noch richtig aus?

Nein, nicht mehr. Da bin ich immer so unter Beobachtung. Im Ausland, wo mich keiner kennt, kann es aber vorkommen, dass die alte Rock ’n’ Rollerin in mir hervorkommt.

Schwärmen Sie mal fürs Kino?

Geht in die Kinos, tolle Regisseure und Schauspieler, gute Stories, leider kein großes Publikum mehr. Wunderbar, dass wir einen Typen wie Til Schweiger haben, der sich vieles traut und einfach macht.

Ihr Sohn ist ein erfolgreicher Filmproduzent.

Es freut mich unendlich, weil er sich seinen eigenen Weg erarbeitet hat. Ich maße mir an, dass er die Leidenschaft wohl von mir übernommen hat. Und er hat sich von mir gut emanzipiert und sich selbst etwas erschaffen. Es tut gut, das zu beobachten.

Im Herbst erscheint Ihr Buch Jerusalem. Sie haben in Israel gelebt. Was fasziniert Sie an dem Land?

Jerusalem ist eine so merkwürdige, nicht fassbare Stadt. So sehr geprägt durch die drei Weltreligionen, die auf kleinstem Grund so eng zusammen sind. Als ich 1968 das erste Mal dort war, war es wie Geschichtsunterricht. In der Zeit der 50er und 60er hat man nicht über das 3. Reich gesprochen. Bei mir wurde dann ein Gefühl von Verantwortung geweckt, in Form von Wissen über die Geschichte.

Sehnsucht Deutschland ist für Sie ... ?

Die deutsche Sprache. Sie ist vielfältig, kann romantisch sein und kühl, genau und wehmütig, sie ist auch Heimat für mich.


57 Minuten später. Ich schaue auf mein Handy: 11.57 Uhr. Also doch pünktlich. Auf die Frau ist Verlass. Ich stelle meine Armbanduhr und mache mich auf den Weg in die Redaktion.

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