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Sehnsucht Deutschland - Film

Kulinarisches Mecklenburg-Vorpommern

Wer gerne hochwertig und kreativ speist, der schaue mal unweit seiner Haustür. Das Gute liegt ja oft näher, als man denkt – oder an der Ostsee. Ein Road-Trip durch Mecklenburg-Vorpommern.

Text: Ariane Bille

Fotos: Ralf Bille

Lecker Meck-Pomm

Bismarckhering bunt verziert - Mecklenburg-Vorpommern schmeckt Ariane Bille schmeckt gut.

Bismarckhering bunt verziert - Mecklenburg-Vorpommern schmeckt Ariane Bille schmeckt gut.

Ich reise viel und verlasse dafür meist den Kontinent, die Distanz zwischen mir und meiner Heimat in Berlin kann gar nicht groß genug sein. Wenn dann jemand – in diesem Falle David Pohle, Chefredakteur von SEHNSUCHT DEUTSCHLAND – anruft und glaubhaft versichert, dass das Gute direkt vor der Haustür liegt, wundert man sich kurz. Und probiert es dann aus, schon alleine, weil das Leben kein Ponyhof ist. Der Auftrag klingt immerhin spannend: die Frage zu ergründen, wie eigentlich Mecklenburg-Vorpommern schmeckt.

LECKER UNTERWEGS, DIE ERSTE: Alte Schule (Fürstenhagen)

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Die Luft duftet nach Herbst und Lagerfeuer. Autofahren macht hungrig. Selten bin ich zu einem so entlegenen Ort nur wegen des Essens gefahren.

Idyllisch neben einer kleinen Kirche gelegen, erstreckt sich das Backsteinhaus der Alten Schule. Hier empfängt mich Nicole Schmidthaler, strahlt Ruhe und Gastfreundschaft aus. Ihr Mann Daniel lässt sich in seinen Kreationen vom Umland inspirieren, kocht mit regionalen und saisonalen Zutaten und lässt dabei seine oberösterreichischen Wurzeln mit einfließen. Auf dem Tisch sieht das Menü dann so aus: Pilze/Topfenknödel/Paprika, gefolgt von Hecht glasiert/Wiener Garnitur/Neuseelandspinat und abgeschlossen durch Dickmilch/Beeren/Fenchelgrün. Und überall dem schwebt seit 2011 ein Michelin-Stern.

LECKER UNTERWEGS, DIE ZWEITE: Gutshaus Ludorf (Müritz)
Ich ziehe weiter Richtung Müritz. Wälder, weite Felder, Wiesen, tausend Seen. Es dämmert, am Horizont tanzen die Kraniche, die eben noch flogen, auf der Ludorfer Halbinsel „Großer Schwerin“. Hier ist Nationalpark-Müritz-Land. Nahe des größten deutschen Binnensees liegt das Gutshaus Ludorf, das Manfred Achtenhagen mit seiner Frau Keril 1998 liebevoll zu einem Romantikhotel saniert hat. Im Morizaner, dem hauseigenen Restaurant, steht selbstbewusst Küchenchef Köpke und reicht frisches warmes Brot. Selbstgebacken natürlich. Und herrlich nach Gewürzen duftend.

„Regionale Küche beginnt mit regionalen Zutaten“, so einfach ist die Küchenphilosophie hier. Und damit die Gäste auch erfahren, wer deren Erzeuger sind, findet jedes Jahr im Herbst die Slowfood-Tafelrunde Ma(h)l Regional www.gutshaus-ludorf.de statt , bei der traditionelle Mecklenburger Gericht ein moderner Form aufgetischt werden. Achtenhagen und Köpke haben es verstanden: Sie machen die Bedeutung von regionaler Esskultur erlebbar und schaffen dabei ein Bewusstsein für nachhaltige Ernährung. Das schmeckt mir! „Hier ist eine unprätentiöse, aber feine Landküche entstanden, die auch ohne ständig auf ‚Bio‘ hinzuweisen schon durch ihre Regionalität bestens in unsere Zeit passt“, findet Manfred Achtenhagen.

LECKER UNTERWEGS, DIE DRITTE: Hotel Namenlos (Ahrenshoop)
Auf ans Meer. Ahrenshoop, das am Übergang vom Fischland zum Darß gelegene Ostseebad, steht auf dem Reiseplan. Da soll ein selbst ernannter Lebenskünstler warten. Tut er auch, Roland Fischer heißt der. Vier Hotels führt er, empfängt mich unprätentiös im Namenlos mit einer Kleinigkeit: Rosenower Fasan an erdigem Herbstgemüse. Gezaubert hat diese Köstlichkeit sein Schwiegersohn, Chefkoch des Hotelrestaurants. Familienbetrieb eben. Jetzt auslüften und durch die Ahrenshooper Künstlerkolonie lustwandeln. Links Bodden, rechts Ostsee, Sandstrand kilometerlang, Meer tiefblau, Strandkörbe rot leuchtend und dieses ganz besondere Licht, das Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Künstler anlockte.

Was man hier so als Lebenskünstler macht, will ich wissen. „Jeden Tag im Jahr rund um die Uhr arbeiten und das Leben schön finden“, ist die Antwort Fischers. Die salzige Seeluft macht Lust auf ein lecker Fischbrötchen. Fischer scheint Gedanken lesen zu können, im kleinen Hafen Ahrenshoop-Althagen hilft er mir an Bord eines Zeesenbootes. Noch bis in die 70er Jahre hinein wurde mit diesen kiellosen Segelbooten mit einem speziellen Treibnetzverfahren in den flachen Boddengewässern Zander, Aal oder Hecht gefischt. Mit aufgezogenem Schwert ließ man sich samt Netz (der Zeese) quer vom Wind durch den Bodden treiben. Wind greift in die hohen rotbraunen Segel. Wir nehmen Fahrt auf, ich als echte Berliner Landratte komme ins Schwanken. Wellengang und von der Luft beschwipste Stimmung führen dazu, dass ich beinahe über Bord gehe. Das wäre ärgerlich, weil ich ein silbernes Fischbrötchentablett in Händen halte und dem Fisch zurück im Bodden auch nicht mehr zu helfen wäre. Ich falle dann auch nicht, war aber knapp. Jetzt beiße ich rein. Butter zart. Das freut mich wie ein kleines Kind.

Diese einfachen guten Dinge, die so glücklich machen! Und die setzt Fischer perfekt in Szene: „Durch die regionale Vielfalt können wir auf viele eigene Rezepturen zurückgreifen, die in der über hundertjährigen Geschichte unseres Hauses überliefert sind und heute unser Angebot bereichern. Dazu gehören Mecklenburger Rippenbraten, eine krosse Bauernente und nicht zu vergessen ein frisches Fischbrötchen für den kleinen Hunger zwischendurch“, erklärt Fischer seine Art der Küche. Und dann geht es auch schon weiter.

LECKER UNTERWEGS, DIE VIERTE:Strandhalle Binz (Rügen)
Ich bin ein Süßschnabel – ohne Nachtisch geht bei mir gar nichts. Deswegen mache ich mich zurück an Land direkt auf den Weg nach Osten. In Binz auf Rügen wartet Toni Münsterteicher mit einer ganz besonderen Leckerei auf mich. Erwartungsvoll stehe ich vor der Strandhalle, im Rücken die Ostsee und vor mir ein schneeweißes hundertjähriges Holzhaus im Stil der Bäderarchitektur. Innen geht es urig zu. Ich schreite durch Tonis Wohnzimmer – so fühlt es sich jedenfalls an – zwischen Antiquitäten und Trödel, alten Ledersesseln, roter Samtcouch, Kronleuchter und gold gerahmten Gemälden hindurch, die der Ostwestfale mit Walrossbart leidenschaftlich sammelt. „Feinbürgerliche Küche, groß-bürgerliche Portionen zu klein-bürgerlichen Preisen“, heißt sein Credo und das bekomme ich jetzt in Form von Badejungentörtchen zu schmecken. Der Rügener Bade-junge ist seit 1954 ein traditionsreicher Camembert, made in MV, und dieses Törtchen ist sagenhaft, besonders in Kombination mit Preiselbeeren, Erdnüssen und frittierter Petersilie. Himmlisch!

LECKER UNTERWEGS, EIN ABSCHIED:Hotel Pommernyacht (Ueckermünde)
So sind auch meine Träume im Gutshaus Kubbelkow gewesen. Totale Ruhe, doch leider beginnt schon sehr früh ein neuer Tag und wir verlassen Rügen. Ausgestattet mit der festen Absicht, bald wiederzukommen. Zwei Stunden östlich liegt die nordöstlichste Hafenstadt Deutschlands: Ueckermünde, quasi der „Arsch der Welt“, wie der stets gut gelaunte Martin Wünscher jovial bemerkt, „dafür aber ein ganz besonders schöner“. Der junge Koch hat 2005 das Hotel Pommernyacht seiner Eltern übernommen. Mutig ist das. Aber erstrahlt über beide Ohren, als ich ihn in der Küche seines Restaurants Roter Butt besuche. In seinem Kochtopf treffen Innovation und Tradition aufeinander. Mit fangfrischem Haff-Fisch, pommerschen Weiderindern, Wild aus den umliegenden Wäldern und längst vergessenen Gemüsesorten der Region kreiert er mit viel Liebe und neugierigem Blick über den kulinarischen Tellerrand Gerichte mit asiatischen und mediterranen Einflüssen. Einfach und raffiniert. Und für die Pommernfreunde hat Wünscher natürlich auch eine „Pommernkarte“ parat, auf der zum Beispiel Pommerscher Heringsalat aus Salzhering, Rinderbraten und gewürfelter roter Bete zur Sünde auffordert.

Das ist frische, authentische, ja überraschende Küche, wie ich sie mag. Was ist jetzt also die Antwort auf die Frage, wie MV schmeckt? Jedenfalls nicht nur nach Kartoffeln, grünem Hering, Dörrobst oder deftiger Bauernküche. Viel mehr gibt es hier, nicht immer leicht zu finden, aber mit einer SEHNSUCHT DEUTSCHLAND unterm Arm sind die Chancen ungleich höher. Und dann entdeckt man kulinarische Perlen, die die fast vergessene, dem kleinen Teufel Zeitgeist widerstrebende pommersche Küche überraschend modern, gleichermaßen authentisch und – sagen wir es publikumswirksam einfach, wie es ist – köstlich neu interpretieren. Und so schmeckt MV.


Tipps für Mecklenburg-Vorpommern

KÖNIGLICH WANDERN - Buchen musst Du suchen
Einer der wertvollsten und ältesten Buchenwälder liegt in ... Na? Nein, nicht etwa in Thüringen, sondern in der Nähe von Sassnitz auf Rügen. Der Nationalpark Jasmund beherbergt etwa 500 Hektar Buchenwald und wurde 2011 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt. Hier kann der Ostseeinsel-Besucher seiner herzallerliebsten Leidenschaft nachgehen: dem Wandern! Auch Radwege führen Naturburschen und -weibsen von der Piratenschlucht bis ganz nach oben zum Königsstuhl. Und wer auf dem Weg über die Kreidefelsen noch ein bisschen was erfahren will, bucht die Wandertour mit Ranger.
www.nationalpark-jasmund.de

AB AUFS KAP - Rügens steile Geschichten
Ob das Kap Arkona der sonnenreichste Ort Deutschlands in 2013 und 2014 war, darüber ließe sich freilich debattieren. Fakt ist, dass das kleine Plätzchen schönster Erde 45 Meter über dem Wasser liegt und man auf der Jarmarsburg selbst nach Überbleibseln der Ureinwohner Rügens graben darf. Wem das nicht genug Reise in längst vergangene Zeiten ist, der besucht die Störtebeker Festspiele in Ralswiek. Dort wird auf der Naturbühne bis zum 20. September die Geschichte des legendärsten aller Seeräuber erzählt.
www.stoertebeker.de

DIE KÜSTE ENTLANG - Zu Fischers Fritze(n)
Auf dem Weg am Rande Meck-Pomms entlang kann man zuweilen das ein oder andere Fischerdorf entdecken. Zum Beispiel das Dorf Kamminke auf Usedom oder Altwarp, direkt am Stettiner Haff gelegen. Eines der hübschesten ist das Fischerdorf Wieck in Greifswald, das Besucher über eine hölzerne Zugbrücke einlässt. Hier findet schon seit 1909 alljährlich das traditionelle Fischerfest statt, bei dem frischer und geräucherter Fang feilgeboten wird, Kuttersegler ihr seemännisches Können zur Schau stellen und über 50 Traditionsschiffe zum Teil sogar Gäste mit an Bord auf die Ostsee nehmen. Rund 50.000 Besucher strömen dann über die kleine Brücke ins Dorf. Fischerfest Gaffelrigg, 17. bis 19. Juli, Eintritt: 3 Euro, Greifswald-Wieck (MV)
www.greifswald.de

Foto: Ralf Bille Foto: Ralf Bille Foto: Ralf Bille Foto: Ralf Bille

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