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Sehnsucht Deutschland - Film

Abenteuer im Teutoburger Wald

Wo der Römer Varus vor 2.000 Jahren Legionen und Kopf verlor, herrscht heute eitel Sonnenschein. Der sagenhafte Teutoburger Wald, kurz Teuto, ist zwischen Externsteinen und Hermannsdenkmal das bestgehütete Geheimnis im Land. Die Schlacht ein Mythos.

Text: Karen Amme

Fotos: Falko Sieker

Abenteuer im Mittelgebirge

Früh morgens im Teuto. Eine herrliche Stimmung, die man erlebt haben muss.

Früh morgens im Teuto. Eine herrliche Stimmung, die man erlebt haben muss.

Durch Buchenwälder streifen, schmucke Städtchenbesuchen und Wahrzeichen aus Natur und Kulturbesichtigen. Klingt eigentlich gut, wären da nicht diese pubertären Erinnerungen … Der Teutoburger Wald und ich haben eine Vergangenheit, allerdings keine rosige. Ich war zwölf/dreizehn Jahre alt und wohnte in einer niedersächsischen Kleinstadt, von der aus es nicht weit war bis in den Teutoburger Wald. Daher schleppte man uns an Wandertagen ständig dorthin, einmal zu den Externsteinen, einmal zum Hermannsdenkmal und zurück. Niemand, wirklich niemand interessierte sich damals für die Steine, die grau in den Himmel ragen, und schon gar nicht für das gewaltige Denkmal.

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In meiner Erinnerung war ich ein halbes Dutzend Mal da, in Wirklichkeit waren es wahrscheinlich nur zwei oder drei Mal, höchstens. Doch ich fühlte mich nicht verbunden mit dem „Teuto“, wie das Mittelgebirge gern genannt wird, das hauptsächlich zu Nordrhein-Westfalen gehört und ein bisschen zu Niedersachsen. Eher im Gegenteil. Bis vor Kurzem habe ich einen Bogen um ihn gemacht (was zugegebenermaßen keine Kunst ist, weil der Teutoburger Wald selten auf dem Weg irgendwohin liegt).

Dann aber bot sich die Gelegenheit zur Aufarbeitung meines Wandertagstraumas, diese Geschichteüber den Teutoburger Wald, eine Art Konfrontationstherapie. Also los, dachte ich, ab in den Teutoburger Wald. Hermannsdenkmal, Externsteine, das ganze Programm, und schwupps, könnte ich fortan vielleicht fröhlich in die Runde schauen, wenn meine Kinder von nahenden Wandertagen berichten.

Um eine Antwort zu finden, schrieb ich eine kleine Liste mit Programmpunkten, dann fuhr ich los. Zwei Tage wollte ich bleiben, höchstens, ich fuhr von Hamburg aus gen Süden, bis ich gute drei Stunden später mitten im Teutoburger Wald landete. Rechts und links Wiesen und Felder, dazwischen Buchenmischwälder, dann ein Schild, auf dem steht: Land des Hermann. Bums! Nun rolle ich auf den Parkplatz meines ersten Programmpunktes, den es erst seit Kurzem gibt. Es duftet nach feuchtem Moos, Nebel hängt tiefzwischen Buchenzweigen, doch im Dunst lässt sich eine graue Asphaltschlange ausmachen, die sich durch das dichte Grün schlängelt.

„Das ist der Bilster Berg“, raunt Matthias Staiger, und ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme. Dann plaudert der Mann, der hier für die Kommunikation zuständig ist, los – über die Rennbahn, die eine echte Naturrennstrecke ist, „übrigens die einzige hierzulande!“ Er zeichnet mit seiner rechten Hand Kurven in die Luft, rechts rum, links rum, da gibt’s einen Anstieg, da ein Gefälle. Er sagt, dass Firmen hier ihre neuen Modelle testen und vorstellen, und spricht über die privaten Investoren: „Die haben allesamt Benzin in den Adern.“ Heute ist Gesellschaftertag, „und an dem drehen hier eben jene Investoren ihre Runden“, so Staiger.

Ein Mercedes SLS schießt vorbei, dann ein Bugatti mit 1001 PS, später eine kleine Flotte aus dem Hause Porsche und noch einige Modelle, die ich nicht auf Anhieb erkenne. Benzinwolken steigen auf und wehen über den Teutoburger Wald, das Röhrender Motoren verliert sich hinter der letzten sichtbaren Kurve. Zeit für den nächsten Boxenstopp.
Bis Detmold ist es von hier aus nur ein Katzensprung, 20 Minuten durch den „Teuto“, dann ist man in der größten Stadt weit und breit. Fast 75.000 Einwohnerleben in der Fachwerkstadt, dazu noch fast 7.000 Studenten. Was man hier machen kann, möchte ich von Dr. Joachim Thalmann, 61, wissen. Der Musiker und Musikprofessor an der Detmolder Hochschule für Musik guckt mich an, als sei allein meine Frage eine Beleidigung. Dann zückt er sein Smartphone und antwortet kurz und knapp: „Man könnte zum Beispiel dem neuen Hörparcours folgen!“
Den hat sich der Musikprofessor zusammen mit dem Kreis Lippe und ein paar Kreativen ausgedacht, an neunverschiedenen Stationen sind Informationen zuhören, Spannendes über Detmold und Nützliches zum Thema Gesundheit. Der Professor schwärmt noch ein wenig vom Hörparcours, sagt: „Dazu gehört übrigens noch eine kostenlose App mit einem ziemlich lustigen Quiz.“ Dann schweift er ab – zu Detmold, das seiner Meinung nach eine wirklich beachtliche Stadt sei. „Jung und dynamisch, das liegt daran, dass die Studenten hier Kreative sind, Musiker, Architekten, Bauingenieure!“ Wir hauen gemeinsam auf die Mittelohrpauke, die vor dem Detmolder Landesmuseum steht und mit der der Rundkursbeginnt, lauschen spannenden Erklärungen zur Schallübertragung im menschlichen Ohr und zur Stadt.

Dann bummele ich weiter: durch Detmolds Altstadt mit ihren kleinen Fachwerkhäusern, durch die gemütliche Fußgängerzone und zum Fürstlichen Residenzschloss aus dem 16. Jahrhundert. Auch eine kleine Wanderung steht noch auf meiner Liste, daher stoppe ich am nächsten Morgen am Rande eines Waldes. Ein paar Kilometer durch duftendes Grün, an einem plätschernden Bach vorbei. Das Wasser spült über die mit Moos bewachsenen Steine, hier und da bricht sich die Sonne einen Weg durch das dichte Blätterdach.

Unendlich viele Wanderwege gibt es im Teutoburger Wald, der bekannteste: die Hermannshöhen, die zu den „TopTrails of Germany“ zählen, zu den zwölf schönsten Wanderwegen des Landes. Hier zog Varus Quinctilius, stolzer römischer Feldherr, durch. Ich schließe die Augen. Erst leise, dann lauter höre ich das Stampfen und Rasseln der erschöpften Legionen. Es soll stürmisch gewesen sein, damals vor rund 2.000 Jahren, der Wald schier undurchdringlich, der Boden tief. Und dann, aus dem Nichts, griffen die Germanen unter Arminius an, Verrat und ein furchtbares, tagelanges Gemetzel, kaumeiner der rund 20.000 Römer überlebte. Varus’ Kopfkam über Umwege nach Rom, vor die Füße von Kaiser Augustus, der entsetzt ausgerufen haben soll:„Quintili Vare, legiones redde!“ Varus, gib die Legionen zurück.

Ein Schauer läuft mir über den Körper, ich reiße die Augen auf. Gespenstische Stille. Ob die Schlacht im Teutoburger Wald tatsächlich hier stattgefunden haben kann, ist bis heute nicht klar. Der Mythos, Arminius, uns besser bekannt als Hermann, habe sich dem Expansionsdrang der Römer entgegengestellt und Deutschland so gerettet, ist ebenfalls nicht ideologiefrei. Geblieben ist das Hermannsdenkmal, dessen Bau sich Ernst von Bandel zur Lebensaufgabe machte und das 1875 eröffnet wurde. Es ist die höchste Statue Deutsch -lands und ein Publikumsmagnet, der einen herrlichen Blick über den Teuto eröffnet.

Es wird Abend im Teutoburger Wald, ich steuere Bad Driburg an, genauer: den Gräflichen Park, ein Hotel, das früher einmal eine Kurklinik war. Einfahrt und Gebäude wirken herrschaftlich. Hier, so werde ich später erfahren, sind schon Annette von Droste-Hülshoff und Friedrich Hölderlin umhergewandert, letzterer verbrachte hier zusammen mit seiner Muse Susette Gontard die sechs glücklichsten Wochen seines Lebens.
Man könnte Tage bleiben oder eine ganze Woche, aber irgendwann am nächsten Tag, während ich auf den weit geschwungenen Wegen durch den gräflichen Garten wandere, fällt mir zwischen Heckengarten, Hölderlin-Hain und Wildgehege mein fast verdrängtes Wandertagstrauma wieder ein – und kurz darauf mein nächste rProgrammpunkt: die Externsteine.

Ich marschiere durch den Wald, vorbei an Frauen in bunter Kleidung und gestrickten Socken, die im Kreis stehen und sich an den Händen halten. Warum? „Die Externsteine gelten als Ort der Kraft , und wir nehmen die besondere Energie auf, die hier herrscht!“, erklärt mir eine. Dann, rund hundert Meter weiter, schälen sich die Sandsteinfelsen in Form von mächtigen Silhouetten aus dem milchigen Dunst. Ich lasse meine Blicke an den grauen Felsen emporklettern. Bleibe an der kleinen Brücke hängen, die hoch oben eine Felssäule mit einer anderen verbindet, studiere das in Stein gehauene Kreuzabnahmerelief und ziehe mich – wie einst die Mönche – in eine Grotte zurück. Vielleicht wabert hier tatsächlich eine besondere, starke Energie um die Felsen?

Gleich werde ich noch am Hermannsdenkmal stoppen, das an die Schlacht im Teutoburger Walderinnern soll. Ich werde mir den steinernen Koloss anschauen, seinen entschlossenen Gesichtsausdruck, die großen Füße, das stolz in den grauen Himmelemporgestreckte Schwert. Und vielleicht werde ich mich im Kletterpark direkt nebenan auch noch eine klitzekleine Runde durch die Bäume hangeln. Aber dann muss ich schnell nach Hamburg zurück. Ich bin viel länger geblieben als geplant, habe zu viele Runden im Gräflichen Park gedreht, zu intensiv von Varus’ Ende taggeträumt, bin zulange durch Detmold und den duftenden Waldgewandert. Und habe über all dem glatt mein altes Wandertagstrauma vergessen.

Lesen Sie mehr. Die besten Tipps für den Teutoburger Wald: Artikel

Foto: Falko Sieker Foto: Falko Sieker Foto: Falko Sieker Foto: Falko Sieker

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