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Sehnsucht Deutschland - Film
Schon elf Alben hat der Musiker produziert. Vielleicht ja auch bald mit Helene Fischer?!

Nachgefragt – Interview mit Stefan Gwildis

Könnte nicht hamburgischer sein, wenn er es versuchen würde: Soulsänger Stefan Gwildis. Für den Job brauche man Hummeln im Hintern, sagt er und „schnackt“ in norddeutscher Gelassenheit bei uns im Interview.

Text: Svenja Hirsch

Fotos: René Supper

Ein Hamburger Jung ...

Auf der Brücke 10 am Hamburger Hafen fühl Stefan Gwildis sich wohl.

Auf der Brücke 10 am Hamburger Hafen fühl Stefan Gwildis sich wohl.

Stefan Gwildis kommt von der Straße. So hat er mal angefangen und so spielt er am liebsten seine Musik: im kleinen Kreise, mit einem Publikum, das er sehen und hören kann. Rauchige Stimme, deutsche Texte. Heute ähnlich: ein überschaubarer Treffpunkt, das Bistro Brücke 10, direkt am Hamburger Hafen. Gwildis mit typischer Jacke, dem dunkelblauen Stutzer, kommt direkt aus dem Studio.

Warum Brücke 10?
Ich bin eben Hamburger. Meine Großeltern ham hier gearbeitet, meine Oma hatte 'ne Kneipe hinterm Hafen, in der Rambachstraße. Da hat sie den Hamburger Schauerleuten morgens immer die kleinen Flachmänner aufgefüllt. Standardbestellung: „Eine Büchse Bier und 'n kaltes Kotelett !“

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Was ist typisch Norddeutsch?
Der Schmodder. Dieses Leben, es ist viel improvisiert. Viele Leute aus meinem Umfeld haben aus den unmöglichsten Situationen noch etwas gemacht.

Zwischendurch mal woanders gelebt?
Ja, in San Francisco. Nach ein paar Jahren merkte ich, dass ich da nicht hingehöre. Denn die Heimat, die hat viel mit der Sprache zu tun. Mir hat der Schmodder gefehlt.

Bei Ihnen also besser „dreckig“ sprechen ...
Ich habe mich immer für einen toleranten Menschen gehalten, bis ich mal zwei Wochen in Stuttgart gearbeitet hab. (lacht) Das ging mir so auf den Zeiger. Ich war so glücklich, als ich auf dem Rückweg aus dem Flugzeug stieg und jemand rief: „Hey Pedda, wirf doch mal die Tasche rüber!“

Drei Gründe für Ihr Leben in Hamburg?
Die Leute und Traditionen wie das Die ist dreiteilig: Pollerhocken, Schiffe gucken, Schnauze halten. Ne feine Sache, das erfrischt, ist kreislaufanregend und verdauungsfördernd!

Was ist Glück für Sie?
Genau das. Hat mein Vadda auch immer mit mir gemacht, Fischbrötchen gemuffelt und mal ordentlich die Schnauze gehalten.

Sie haben vier Tage frei! Ideen für einen Kurztrip, wer oder was muss mit?
Ja, natürlich meine Süße und mein Sohn. Ich mag den Norden sehr gerne, die Inseln, die Halligen. Föhr, Amrum, Sylt − wenn man dieses ganze Kampengequatsche beiseitelässt.

Was sollte ein ausländischer Gast sehen?
Um einen schönen Eindruck von der Stadt zu kriegen, ist so eine Kanufahrt auf der Alster gut, am besten bei Vollmond. Wenn der dann auf die Alster scheint, ist alles so silber, das ist großartig.

Und was auf keinen Fall probieren?
Also ich bin überhaupt kein Kneipengänger.

Sondern?
Ich sitze lieber im Garten und trink da mein Bier.

Und engagieren sich für Kinder …
Ja, für den Weißen Ring und eine Gesamtschule. Ich finde es dort interessant, wo man zusieht, dass das mündige Kerle und Mädchen werden, die mit den Dingen umgehen können, die selbstbewusst und kritisch sind.

Haben Sie Vorbilder?
Oh ja! Mein Vadda war Reifenhändler und hat jedes Jahr von einer Firma als Goodie Schallplatt en bekommen von so Künstlern wie Sammy Davis. Meine Mutter hat sowas gehört wie Knuth Kiesewett er und Hildegard Knef, von der ich auch ein Riesenfan bin.

Angefangen hat alles mit einer Stunt- und Fechtausbildung am Hamburger Thalia Theater: Mit Anfang 20 stellte sich Gwildis, damals lange Haare und Bart, am Bühneneingang spontan dem Pförtner vor: „Was muss man tun, um mitzumachen?“ Antwort: „Joa, komm mal am Dienstag vorbei, da ist hier Casting für die Drei Musketiere.“

Sind Sie noch Conférencier am Hansa Theater?
Einmal im Jahr muss ich (lacht). Nachmittags gibt es da ein Phänomen: Wenn alle durch den
Mürbeteigboden ihrer Torte mit der Kuchengabel stoßen, klingt's da wie im Zwergenbergwerk. Abends der Hansateller mit Brezel und einer gekreuzten Salzlette. Diese Kleinigkeiten liebe ich einfach an dem Theater.

Heute sind oft gecastete Künstler in den Charts …
Das hat leider mit der Entdemokratisierung der öffentlichen Radiolandschaft zu tun. Es gibt zu wenig verantwortungsvolle Redakteure, die das senden, worauf sie Bock haben.

Was halten Sie von Helene Fischer?
Eine großartige Kollegin. Ich würde gerne mal ein Duett mit ihr singen. Ich arbeite gerade an einem.

Haben Sie ihr das mal angeboten?
(lacht) Ich habe mich nicht getraut.

Sie arbeiten an einem neuen Album, im Team oder alleine?
Alleine, das finde ich einfach nicht interessant. Generell ist für mich Musizieren eine Art Dialog, auch das Komponieren, das Ausstaffieren. Und das ist immer mit anderen Menschen verbunden. Auch wenn ich runterschaue von der Bühne auf die Menschen, die zuhören. Das ist für mich wichtig.

Mal mit Band, als Duo oder Trio mit den Söhnen Hamburgs ...
Diese Mischung macht Spaß. Am 9. November haben wir das Konzert für die Veröffentlichung des neuen Albums auf Kampnagel. Nächstes Jahr dann die Tour. Mit den Söhnen Hamburgs sind wir bald auf Sylt, arbeiten auch an einem neuen Programm fürs kommende Jahr.

Sie wurden mal als Best-Ager-Boygroup bezeichnet. Ärgert Sie so etwas?
Das ist ja Tatsache, Männer in den besten Jahren – das ist auch ein Song von uns.

Vervollständigen Sie bitte: „Sehnsucht Deutschland“ ist für Sie ...
Na, meine Heimatstadt und der Schmodder.

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