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Sehnsucht Deutschland - Film
Strahlendes Lächeln, strahlende Farben - bei Siggi Spiegelburg ist alles farbenfröhlich

Nachgefragt - Interview mit Modedesignerin Siggi Spiegelburg

Ihre Phantasie scheint grenzenlos, auch tabulos, alles geht, nichts muss. Und das im katholischen Münster. Zum Glück geht es nur um Mode. Warum es in ihrer Heimat sowieso am schönsten ist, erzählt sie uns in bunter Bestlaune.

Text: Simone Rickert

Fotos: Erol Taskoparan

Sie macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Und das ist auch gut so!

Sie macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Und das ist auch gut so!

Ihr Atelier in einem wunderschönen alten Kornspeicher am hippen Hafen von Münster hat sie sich ganz nach kunterbunten Traumvorstellungen eingerichtet. Höchst attraktiv, alterslos und irgendwie unkonventionell, macht die gefragte Designerin sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Und die gefällt vielen Frauen. Sogar Männern. Nebenbei sind Prinzessin Lillifee und Felix der Hase entstanden. Kinderträume, die finanziell unabhängig machen. Wie schön, dass der Verlag Ihres Mannes gleich nebenan ist.

Drei Gründe für Ihr Leben in Münster?
Erstens ist mein Mann ein echter Westfale, zweitens ist es perfekt, hier Kinder großzuziehen, weil Stadtund Landleben mit Natur, Konzerten, Museen und dem Grün so nah beieinander liegen. Und letztlich erdet mich diese Bodenständigkeit.

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Was inspiriert Sie?
Alles, was ich so noch nie gesehen habe. Neulich ein Sonnenuntergang mit diesen ganz kräftig rosafarbenen Wolken vor hellblauem Himmel. Modisch die Farben der Saison und ich sehe so ein Naturspektakel als Designerin dann wohl nochmal mit ganz anderen Augen.

Was ist Glück für Sie?
Nach Hause kommen, das Tor geht auf und Hunde und Pferde kommen zur Begrüßung angetrabt.

Vier Tage frei! Ideen für einen Kurztrip im Lande, wer und was muss mit?
Mein Mann und unser Dackel Lotti. Wir nehmen uns gern spontane Auszeiten, am liebsten am Meer, eher im Norden als im Süden. Ich mag die Weitsicht. Zum Beispiel von Berlin bis hoch an die Ostsee, wunderschöne Landschaft. Und dann quartieren wir uns irgendwo spontan ein.

Wenn nicht Deutschland, sondern in die weite Welt, wohin geht’s als nächstes?
Weit weg nach Indien oder Asien, die Farben inspirieren mich. Aber ich finde, Deutschland hat so unglaublich viele schöne Ecken. Wenn Sie bei uns in den Wald gehen, kann ihnen auch so vieles begegnen. Und die Sterne und der Mond, die sind bei uns auch wahnsinnig schön!

Was sollte ein ausländischer Gast im Lande sehen?
Unser Leben auf dem Land, ein Abendessen bei uns am Herdfeuer. Und unsere Hauptstadt Berlin, da verbringe ich sehr gerne Zeit.

Und was auf keinen Fall probieren?
Da fällt mir nichts ein.

Was ist denn Ihr typisch deutsches Leibgericht?
Himmel und Erde mit Wurstbrot und Rübenkraut.

Fangfrage: Haben Sie eine Lieblingsfarbe?
Auf jeden Fall bunt: Lila und Pink.

Kein „Kleines Schwarzes“ im Kleiderschrank?
Selbstverständlich, aber nur für ganz offiziell.

Ihre Mutter ist aus der Familie Brenninkmeijer, der das Bekleidungsunternehmen C&A gehört, Ihr Vater war dort Geschäftsführer. Was hat Ihre Familie Ihnen fürs Modebusiness mitgegeben?
Authentizität. Bodenständigkeit. Bescheidenheit.

Aus der C&A-Familie ins Haute-Couture-Design, wie war das zu Anfang?
Da ich als Tochter völlig frei war, habe ich das gar nicht so wahrgenommen, wie es beobachtet wurde.

Ganz ehrlich, hat es am Anfang ein bisschen geholfen, die „Tochter von“ zu sein?
Das wusste kaum einer …

Ihre beiden Töchter sind ja heute erwachsen. Werden sie in eines Ihrer beiden Familienunternehmen einsteigen?
Ja, das können wir uns sehr gut vorstellen. Sie orientieren sich gerade und eine Tochter ist auf dem Weg.

Sie sammeln viel – Stoffe, Deko, Möbel – zur Inspiration, wie behalten Sie den Überblick?
Ich habe mein System von Ordnung, für andere ist es chaotisch: Meistens sortiere ich nach Farben. Das gibt ein einheitliches Bild, und man findet alles schneller. Meine Lieblingsbeschäftigung, die auch einen meditativen Aspekt hat, ist es, Dinge neu zu arrangieren.

Was löst der Anblick einer weißen Wand in Ihnen aus?
Da muss man unbedingt was draus machen!

Verspüren Sie manchmal Sehnsucht? Wonach?
Zeit und Ruhe.

Und was bringt Sie zur Ruhe?
Gutes Essen, Musik, Reisen … Gute Gespräche, die verschiedensten Themen, mit Freunden oder in einem fremden Umfeld einfach mal Gedanken aussprechen, daraus neue Inspiration bekommen, – man sollte offen für
alles sein.

Über wen und wann lachen Sie am liebsten?
Von meinen acht Geschwistern über den jüngsten Bruder. Der hat mich schon als Kind zum Lachen gebracht.

Wen oder was mögen Sie gar nicht?
Falsche Freunde!

Wer sind Ihre Lieblingshelden oder Vorbilder der Geschichte und Gegenwart?
Meine Mutter. Ihre Organisation und Entspanntheit mit neun Kindern war einfach toll. Ich habe ja nur zwei Töchter, aber alleine die Logistik: Wäsche sortieren, in Urlaub fahren, Koffer packen … Und interessante Frauen wie Peggy Guggenheim oder Coco Chanel.

Warum? Wegen ihres Lebensstils oder ist es der extravagante Kleidungsstil, den die beiden hatten?
Beides. Diese selbstverständliche Sicherheit, sich anders zu kleiden als die Masse. Trends zu setzen, das Selbstbewusstsein zu haben, aus der Rolle zu fallen, mutig zu sein.

Vervollständigen Sie bitte: „Sehnsucht Deutschland“ ist für mich …
Wenn ich von einer Reise zurückkomme, fällt mir besonders auf, wie grün und wie schön es hier ist. Wir müssen uns alle bewusst machen, dass wir im schönsten und in einem gut organisierten Land leben.

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