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Frischer Rhabarber. Hobbykoch Chef Hansen kocht gerne mit regionalen und saisonalen Zutaten.

Kulinarischer Blog – Chef Hansen

Alexander Hansen hat ein Herz für kleine Hofläden, liebt Riesling, ist kochleidenschaftlich und hält einen hervorragenden Grundsatz in seiner Blogbiografie bereit: „Regional. Saisonal. Selbstgemacht“.

Text: Ariane Bille

Fotos: Ariane Bille

Mit Burger und Fritten hat Alexander Hansen Schluss gemacht. Heute liebt er regionale Küche.

Mit Burger und Fritten hat Alexander Hansen Schluss gemacht. Heute liebt er regionale Küche.

Vom Pizzabäcker zum Millionär übersetzt man für Chef Hansen am besten mit: Vom Burgerbrater zum Gourmet. Seit er frische Lebensmittel und gut zubereitete Speisen für sich entdeckt hat, schreibt Alexander Hansen darüber und vermittelt vor allem Eines: Spaß am Kochen und Essen.

Wie kam es zu der Gründung deines Blogs?
Als ich angefangen habe, meine Ernährung umzustellen, habe ich auch angefangen, alle Mahlzeiten des Tages selbst und frisch zuzubereiten. Dann habe ich dringend einen Ausgleich gebraucht, der das genaue Gegenteil von meinem damals sehr frustrierenden Job sein sollte, und so kam es, dass ich mir ein Hobby suchen musste, bei dem ich ganz alleine für alles verantwortlich sein wollte. Dann hatte ich ein paar Tage Zeit und Bock, viel zu kochen, habe Foodblogs entdeckt und eine Woche später ging der erste Beitrag online.

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Was hat dich zum Umdenken bewegt? War der Frittendunst mit Schuld daran?
Wenn Frittendunst nur das Schlimmste gewesen wäre. Halte mal deine Finger einfach für ein paar Minuten in einen Burger und du bekommst eine Idee davon, wie man nach einer Schicht im Fast-Food-Restaurant riecht. Beim Umdenken hat später die Entdeckung der Wochenmärkte in unserer Umgebung sicher die wichtigste Rolle gespielt. Da ist mir langsam klar geworden, dass etwas nicht stimmt, dass Lebensmittel ja von Menschen gemacht werden, und so habe ich angefangen, meine Lebensmittel bei diesen Menschen einzukaufen.

Gib's zu, manchmal träumst du noch von lauwarmen Pappburgern, stimmt's?
Mag sein, und dann freue ich mich, dass man sich für gewöhnlich nicht an seine Träume erinnert. Aber ich denke wirklich oft und viel über Essen nach: Was ich womit kombinieren kann, neue Bratwurstkreationen oder eine Menüfolge, und wen ich wozu einlade.

Lass uns über etwas Sinnliches reden. Wie wichtig ist dir eigentlich Slow Food?
Mir ist die Regionalität am wichtigsten und daraus ergibt sich meist automatisch auch Saisonalität. Es gibt in meiner Umgebung viele Hofläden von Produzenten, die keinem Bio- Verband angehören. Dafür kann ich dort meinem Essen beim (Auf-)Wachsen zuschauen. Neue Produzenten zu entdecken, macht mich oft euphorisch und feuert die Kreativität am Herd ordentlich an. Auch der Markt des guten Geschmacks (Slow-Food-Messe), der in Stuttgart einmal im Jahr stattfindet, eignet sich dafür gut.

Wo wir grade beim Thema Sinnlichkeit sind: Wie kocht man sich ins Herz einer Frau?
Zuhören. Das Koch-Ego in den Keller sperren, ein paar Kerzen, guter Wein … Ich habe das erst bei einer Frau ausprobiert und die ist gleich für immer geblieben. Mit einer liebevoll zubereiteten Mahlzeit zeigt Mann, dass er mit scharfen Sachen umgehen kann und nicht davor zurückschreckt, wenn es mal heißer zur Sache geht. Aber man(n) muss sich auch treu bleiben – Kochen als Masche wird nicht funktionieren. Man(n) muss das schon gerne machen.

Was hat es mit dem selbstbewussten Blognamen Chef Hansen auf sich?
Der stammt von meinem französischsprachigen Freund Loic und ist schon älter als sämtliche Kochambitionen. Zu der Zeit, als sich die Sache mit dem Blog anbahnte, sendete ARTE die sehenswerte Doku Die Köche und die Sterne, in der unter anderem Küchenbrigaden gezeigt werden, die jeden Befehl mit „Oui, chef “ quittieren. In diesem Moment kam mir die Idee, dass der Spitzname endlich sinnvolle Verwendung finden könnte.

Was reizt dich daran, andere Menschen in deine Töpfe blicken zu lassen?
Ich habe mich schon vor Chef Hansen an einem Blog versucht und daher war mir bewusst, dass man einen Blog wenigstens in der ersten Zeit für sich alleine schreibt. So waren die ersten Worte auch schnell geschrieben. Am Anfang hatte das Bloggen mehr so was Therapeutisches. Ich wollte etwas nur für mich alleine schaffen. Mit der Zeit hat sich aber herausgestellt, dass das, was ich da tue, nicht nur mir gefällt, und dank des lebhaften Austausches mit anderen Foodbloggern habe ich viel gelernt und will auch heute noch ständig neue Sachen ausprobieren und selbst junge Bloggerkollegen inspirieren. So haben mir zum Beispiel schon Kollegengeschrieben, dass sie sich wegen mir einen Fleischwolf mit Wurstfüllhorn zugelegt haben.

Du wurdest Finalist beim Brigitte-Foodblog-Award 2011. Liest du heimlich Frauenmagazine?
Nö, nicht heimlich. Meine Frau liest auch in meiner Men’s Health. Außerdem sind in Frauenmagazinen die besseren Rezepte. Ich habe ein Brigitte-Kochbuch für Vorspeisen und Fingerfood, aus dem regelmäßig gekocht wird.

Welche Erfahrungen konntest du während des Awards sammeln?
Was mir bei den Awards aufgefallen ist: Je „extremer“ der Standpunkt des Blogs, umso extremer wird auch für Abstimmungen von Lesern und Betreibern geworben. Ich kenne zum Beispiel keinen veganen Blogger persönlich, wären die Awards aber repräsentativ, müsste man wohl meinen, dass sich bereits ein Großteil der Bevölkerung rein pflanzlich ernährt. Ein Blog lebt sehr von der Persönlichkeit seiner Autoren, und die leidet unter dem Bestreben, es allen recht machen zu wollen. Ich habe das anfangs auch versucht. Dabei habe ich immerhin gelernt, Macarons zu backen, habe aber am Ende wieder auf den rechten Weg zurückgefunden. (lacht)

Was sagt dein Umfeld zu deinem Bloggerdasein? Musst du dich oft erklären?
Das ist wohl der schönste Aspekt am Foodbloggen. Okay, am Anfang war es sehr schwierig, da sich Freunde unter Druck gesetzt fühlten, wenn sie mich zu sich zum Essen einluden. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mir dann nicht mehr anhören musste, dass es bei ihnen jetzt nichts Besonderes zu essen gäbe. Aber tatsächlich gibt es auch Menschen, die vor einer Weile noch über ihre Nachbarn gelästert haben, die „den teuren Bio-Quatsch“ gekauft haben und mich mittlerweile sogar zum Hofladen ihres Vertrauens mitnehmen, um mir zu zeigen, welche tollen Produzenten sie aufgetan haben. Oder auch Kumpels, die mich nach Kuchenrezepten fragen, um eine Angebetete zu bebacken. Es macht wirklich Laune, wenn man erlebt, wie man einen positiven Einfluss auf sein Umfeld bekommt.

Du kennst mittlerweile viele Foodblogger. Welche Begegnung war am ungewöhnlichsten?
Meine Begegnung mit Stevan Paul (auf Seite 86 mehr zu dem Koch-Kollegen) war sehr ungewöhnlich. Wir hatten im Rahmen des Brigitte- Awards hin und wieder mal Kontakt und als ich für ein paar Tage in Hamburg war, hatte er einen Abend Zeit für mich. Wir trafen uns bei seinem Freund Michalis, dem Griechen aus Monsieur, der Hummer und ich, und hatten zwischen sagenhaften griechischen Köstlichkeiten und unglaublichem griechischen Wein einen tollen Abend, an den ich mich leider nur noch in Episoden erinnern kann.

Danke für das Interview, lieber Alexander!

Hier gehts zu Alexander Hansens Blog: www.chefhansen.de

Und wer noch mehr Kulinarische Momenaufnahmen von der Autorin Ariane Bille lesen möchte, der wird hier fündig: www.kulinarischemomentaufnahmen.de

Rezept (für vier Personen): Perlhuhn mit Rhabarberfüllung und aromatisierter Polenta

Sie benötigen:
Füllung: 500 g Rhabarber, 50 g Zucker, Petersilie, 1 Zweig Estragon.
Marinade: 3 EL Olivenöl, 2 TL Salz, jeweils 1 TL scharfer und süßer Räucherpaprika, ½ TL Zimt.
Fleisch: 1 Perlhuhn (etwa 1 ½ kg)
Polenta: 250 ml Milch, 250 ml Gemüsebrühe, 1 Knoblauchzehe, 1 Zweig Thymian, Rosmarin, 250 g Polenta, 20 g Parmesan, 1 Prise Zimt, 1 Schalotte, 1 Möhre, 1 Paprika, 3 Kirschtomaten, 1 Avocado,1 EL Butter

Zubereitung:
Rhabarber mit Zucker vermengen und 30 Minuten ziehen lassen. Aus dem Saft, Öl, Salz, Räucherpaprika und Zimt eine Marinade herstellen, Perlhuhn damit bepinseln und für 1 Stunde in den Kühlschrank stellen. Perlhuhn mit der Rhabarber-Kräuter-Mischung füllen und zubinden. Mit geschlossenem Deckel für etwa 1 ½ Stunden garen (vorgeheizt auf 180°C Umluft), dabei zwischendurch mit der Marinade übergießen. Für die Polenta Milch, Gemüsebrühe, Knoblauch und Kräuter aufkochen, dann 20 Minuten ziehen lassen. Feste Zutaten herausseihen und die Milch wieder erhitzen. Polenta hinzufügen, Temperatur reduzieren und 10 Minuten köcheln lassen. Mit Parmesan und Zimt abschmecken und 35 Minuten ziehen lassen. Schalotte, Möhre, Paprika, Tomate und Avocado anbraten. Das Perlhuhn aus dem Backofen nehmen und für 25 Minuten auf einem Rost backen. Ein Backblech mit Wasser gefüllt unter den Rost schieben. Den Bratensaft durch ein Sieb gießen, eventuell etwas Apfelsaft zugeben. Butter in einer Pfanne erhitzen, zwei Servierringe darin platzieren und die Polentamasse in die Ringe füllen. Von beiden Seiten goldbraun braten. Das Perlhuhn aus dem Backofen herausnehmen und zerlegen. Die Polentaküchlein dazugeben und mit dem Gemüse dekorieren. Das Fleisch mit Bratensauce beträufeln und sofort servieren.

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