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Sehnsucht Deutschland - Film
Stuttgart. Das ist Torsten Lannerts Revier im

Nachgefragt - Interview mit Richy Müller

Im Stuttgarter Tatort ist Richy Müller als disziplinierter Kommissar Thorsten Lannert Verbrechern auf der heißen Spur. Privat lässt er es ruhiger angehen und lebt auf dem Land am Chiemsee. „Purer Luxus”, sagt er selbst. Was ihn bewegt und mit Leidenschaft erfüllt, gesteht er uns in SEHNSUCHT DEUTSCHLAND.

Text: Hanna Andresen

Fotos: SWR/Alexander Kluge/Stephanie Schweigert

Richy Müller lebt mit seiner Frau Christl am Chiemsee. Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Richy Müller lebt mit seiner Frau Christl am Chiemsee. Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Richy Müller heißt mit Vornamen Hans-Jürgen. Eigentlich. Seit seinem Durchbruch mit dem Fernsehfilm "Die große Flatter" (1979) kennen ihn alle als Richy. Seitdem sein Künstlername. Das findet der 1,71 Meterlange Kerl mit der großen, hübschen Nase nicht weiter schlimm. Und wenn doch, hätte er schon längst was gesagt. Denn: Mit dem Herzen auf der Zunge spricht der gebürtige Mannheimer aus,was er denkt. Und zwar kurz, knapp und ziemlich gerade heraus.

Gute Gründe für Ihr Leben am Chiemsee?
Da zu leben, wo andere Urlaub machen, purer Luxus.Ich spare mir den Arzt, der Chiemgau ist wie Medizin! Die Freizeitgestaltung ist höchst effizient.

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Wieso? Hat Ihnen Berlin denn nach knapp 30 Jahren nicht mehr gefallen?
Da ich vom Land komme, hat es mich naturgemäß zurückverlangt.

Was ist Glück für Sie?
Unter anderem, weitestgehend nicht fremdbestimmt zu sein und natürlich, hier wohnen zu können.

Vier Tage frei! Haben Sie Ideen für einen Kurztrip im Lande, wer und was muss mit?
Die Republik ist groß und mein Motto, „warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, passt. Mein Auto und natürlich meine Frau, die Christl.

In seiner Jugend ist Richy Müller mehrere Jahrelang Leistungsturner. Sein Ziel, die Olympischen Spiele in Montreal (1976), erreicht er nicht.Fit bleibt der 59-Jährige trotzdem. Rennen haben es ihm angetan, nicht mit den Beinen, sondern in seinem Porsche 911 Carrera. Der leidenschaftliche PS-Freak besitzt eine C-Lizenz, mit der er an echten Autorennen teilnemen darf.

Was ist Ihr typisch deutsches Leibgericht?
Zur Weihnachtszeit die Ente mit Blaukraut und Knödl, ansonsten darf es auch mal der Sauerbraten oder eine leckere Hühnersuppe sein.

Über wen und wann lachen Sie am liebsten?
Über mich selbst und mit meiner Frau!

Wen oder was mögen Sie eigentlich gar nicht?
Horrorfilme und Menschen, die nicht lachen.

Lieblingshelden oder Vorbilder?
Da bin ich eher unbeleckt. Ich mag Menschen, die nicht alles an die große Glocke hängen.

Im Tatort fahren Sie Porsche. Auch privat?
Mit Leidenschaft. Da ich fast alles mit dem Auto erledige, bin ich mit meinem Porsche Carrera wie in Abrahams Schoß.

Die Frau an Richy Müllers Seite, Christl, arbeitet als Bäckerin. Die Bunte wundert sich, doch der Job ist aller Ehren wert, findet der Schauspieler. Ein wenig überrascht es – im positiven Sinne – dann aber doch,dass der kernige Kerl mit Vorliebe für schnelle Autos gelegentlich mal im Café aushilft, Teller abwäscht und mit einer braunen Schürze die Essensreste wegbringt. Da kommt es schon mal vor, dass der Schauspieler Richy Müller nicht erkannt, jedoch für ein festes Mitglied der Bäckerei-Besatzung gehalten wird.

Als Leistungsturner in Ihrer Jugend wollten Sie zu den Olympischen Spielen nach Montreal. Sind Sie immer noch gut in Form?
Mein sportliches Ziel ist, beweglich zu bleiben. Und somit fit.

Ihre Heimat ist Seckenheim bei Mannheim. Sprechen Sie ab und zu auch noch mannemerisch?
Natürlich vergisst man seine Muttersprache niemals, doch musste ich sie irgendwann austauschen. Nach Mannheim komme ich nicht mehr, seitdem mein Vater gestorben ist.

Zwei, die sich richtig gut verstehen: Richy Müller und Jürgen Vogel. Müller nahm den damals 17-Jährigen bei sich in seiner Berliner Wohnung auf, erzählte ihm vom Leben als Schauspieler und auch wie man putzt.Als das nervte, wurde Vogel lieber flügge ...

Sie sind gelernter Werkzeugmacher und heute Schauspieler. Wie kam es denn dazu?
Durch Gottes Fügung!? Ich hatte das Glück herauszufinden, was ich am besten kann, und auf
Schauspielerei kommt man nicht gerade mal so.

Nach Die große Flatter (1979) nannten Sie alle Richy. Hat Sie das geärgert?
Nicht wirklich, da ich dadurch erkannte, dass man mich wahrnahm, ohne dass ich etwas Spezielles getan hatte. Damit war klar, ich bin angekommen.

Die große Flatter bringt dem damals 24-Jährigen den Durchbruch. Regisseure werden aufmerksam auf Müller und wollen ihn als jungen Rebellen besetzen.Dieser lehnt jedoch sämtliche Angebote ab und geht lieber zum Theater. In den 90er-Jahren gelangt Richy Müller zurück in die Filmwelt. In Komödien wie Das Superweib und Irren ist männlich (beide 1996)oder dem Boxerdrama Liebe und Verrat (2002) zeigt der Schauspieler, wie wandlungsfähig er sein kann.Für seinen Auftritt in dem Drama Poll (2010)bekommt er nach langer Zeit seine erste Auszeichnung,den Deutschen Filmpreis.

Trotz Schulden haben Sie zu Beginn Ihrer Karriere viele Rollen abgelehnt. Warum?
Ich hatte lieber Miese auf dem Konto als Miese auf meiner Seele.

Sie scheinen ein sehr selbstbewusster Typ zu sein. War das immer schon so?
Mein Herz trage ich auf der Zunge, immer schon. Wenn das selbstbewusst wirkt, ist das wohl auch so.

Haben Sie was mit dem Tatort-Kommissar Thorsten Lannert gemeinsam?
Das Herz, das in seiner Brust schlägt, natürlich. Und dass ich ihn darstelle.
Und dass ich ihn darstelle.

Ihr Tatort-Kollege Felix Klare wäre auch für ein schwules Ermittlerteam zu haben. Sie nicht?
Ich glaube, er hatte ein Mon Chêri zu viel.

Im September werden Sie 60. Lassen Sie es richtig krachen oder gehen Sie es ruhig an?
Ich lasse es ruhig krachen!

Vervollständigen Sie bitte: Sehnsucht Deutschland ist ...
... mich zu Hause zu fühlen.

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