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Kulinarischer Blog - Heike von Au

„Frische Zutaten, etwas Wissen, ein wenig Übung.“ So kurz und knapp kann ein Erfolgsrezept sein, in diesem Fall das für gutes Essen von Heike von Au

Text: Ariane Bille

Fotos: Ariane Bille

Wenn Heike von Au kocht, geben wir gerne den Löffel ab.

Wenn Heike von Au kocht, geben wir gerne den Löffel ab.

Auf Heikes Blog – zweifelsfrei eine feste Größe in der deutschen Foodbloglandschaft – wird der Rezeptjunkie fündig: schnell und alltagstauglich, saisonal und sorgfältig ausgewählt, sehr schön komponiert und leidenschaftlich zubereitet. Was entfachte deine kulinarische Leidenschaft? Ausschlaggebend war sicher, dass in meiner Familie gutes Essen und Freude an Zutaten eine große Rolle gespielt haben. Ob Gemüse aus dem Schrebergarten der Großeltern oder der besondere Käse vom Milchlädchen, immer schon wurde dem Genuss sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Früh ausgezogen von zu Hause, hatte ich dann schnell den Drang, dieses Stück Heimat für mich zu erhalten.

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Du bist Architektin. Wo siehst du Parallelen zwischen Kulinarik und Architektur?
Ich glaube in der Tat, dass Architektur und Kulinarik eine breite gemeinsame Basis haben: Lebensart! Und natürlich sind die Vorgänge Planen, Entwerfen und Gestalten ganz typisch
für meinen Beruf, darin bin ich ausgebildet. Neben dem Vorteil, den ich dadurch bei der
Gestaltung habe, hilft mir am Herd auch die Übung im strukturierten Vorgehen. Du findest Kochblogs eigentlich schrecklich.

Was reizte dich, trotzdem einen zu starten?
Hach ... Als mir die ersten Blogs über den Weg liefen, konnte ich einfach nicht verstehen, wer denn all diese Dinge lesen will. Gedanken, Kochtagebücher, ellenlange und meist langweilige Selbstdarstellungen von irgendwelchen unbekannten und uninteressanten Menschen, was sollte das? Ende 2010 wurde mir dann als Notlösung für meine bis dahin statische Webseite der Blog eingerichtet, damit ich den Zuhausegebliebenen von einer kulinarischen Reise berichten konnte. Erstaunlich schnell hatte ich gute Leserzahlen, bekam positiven Zuspruch und ... wurde zur Bloggerin. Viel verändert hat sich an meinen Ansichten zum Bloggen in der Masse auch nicht, aber ich habe erkannt, dass es durchaus sehr viel lesenswerte Blogs gibt.

Heikes Blog entwickelte sich sehr schnell. Warum lesen die Leute dich so gerne?
Ja, das ist wirklich erstaunlich, auch für mich. Ein möglicher Grund ist, dass ich präsent bin. Ich bin nicht anonym, man kennt meinen Namen und mein Gesicht und weiß auch sonst einiges über mich. Man kann mich jederzeit ansprechen, ich antworte gerne und schnell. Dazu kommen die Inhalte, die sich von reinen Rezepteblogs ein wenig unterscheiden. Viele der Leser bemerken meinen Spaß, mit Worten zu spielen, das freut mich ungemein.

Warum kochst du gerne in der Öffentlichkeit, was spornt dich an?
Ehrgeiz, Eitelkeit und ein Stück weit auch Exhibitionismus ... Tief im Innern bin ich wohl ein unglaublicher Angeber. Zum Schritt ins Fernsehen musste ich jedoch von meinem besten Esser gedrängt werden und landete dann beim ZDF in der Küchenschlacht.

Du hast den größten deutschen Hobbykochwettbewerb Cooking Cup gewonnen. Welche Erfahrungen hast du mitgenommen?
Die wichtigste Erfahrung für mich war, dass ich überraschend gut mit starkem Druck zurechtkomme, einen gewissen Tunnelblick nutzen kann und dabei trotzdem organisiert und strukturiert vorgehe. Bis dahin hatte ich mich als unstrukturierte Chaotin gesehen – so kann man sich in sich selbst täuschen. Diese Erfahrung lässt mich nun zum Beispiel auch größere Menüs mit absoluter Gelassenheit angehen. Ich habe außerdem mit einer Partnerin gekocht und musste mich dabei blind verlassen. Das ist für mich als tendenzieller Einzelgänger eine ungeheure Erfahrung gewesen, die mich dazu führte, auch mal die Zügel abzugeben.

Wer ist dein Lieblingsfernsehkoch?
Ehrlich gesagt schaue ich kaum Kochsendungen, aber durch die ZDF-Wettbewerbe und den damit verbundenen VIP-Besuch bei Lanz kocht! sowie verschiedene andere Events konnte ich doch mittlerweile einige der TV-Köche persönlich kennenlernen und war von Lafer über Herrmann und Kotaska bis hin zu Rosin und Henssler durchweg positiv überrascht. Alles ganz normale Menschen mit Interesse an den Hobbyköchen, ohne Starallüren und gern bereit für ein Bierchen und ein paar Worte. Ein Tag im Dezember mit Nelson Müller war ebenfalls ein Highlight.

Das Kochen scheint eine Art Leitkultur geworden zu sein. Qualität steht jedoch nicht an erster Stelle. Wie passt das zusammen?
Ein Thema, das mir am Herzen liegt! Das Regal der Kochzeitschrift en wächst in gleichem Maße wie die Kühltheken mit den Fertigprodukten. Vermutlich gibt es eine Spaltung in der Gesellschaft: die einen, die dem Kochhype folgen, in der Regel gut verdienen, den Zusammenhang zwischen Gesundheit und guter Ernährung erkennen. Dann die erschreckend große Masse, der Essen nur als Notwendigkeit erscheint. Mit einem Packerl spart man vermeintlich unnötige Kochzeit. Zum Dritt en die wachsende Zahl derer, die sich gute Qualität nicht mehr leisten mkönnen, irgendwann aufgeben und nicht mehr selbst kochen. Wenn die billigsten Nudeln mit Soße nur noch 79 Cent kosten, kann man das selbst nicht mehr günstiger herstellen. Diese Kampfpreise der Nahrungsmittelindustrie führen zu einem verheerenden Kreislauf!

Heikes Blog als TV-Kochsendung. Was wäre dein Konzept und wer dein Assistenzkoch?
Ganz, ganz schwierig! Mir ist es ein großes Anliegen, die Jugend mit ins kulinarische Boot zu holen. Ich veranstalte ja aus dem Grunde hin und wieder in meiner Küche kleine, lockere „Kochkurse“ für die, die da grad Lust drauf haben. Meine Assistenten wären dann ganz genau die gepiercten, Mützen tragenden, Bier trinkenden und rauchenden Jungs, mit denen
ich hier zu Hause zu tun habe. Könnte klappen!

Wohin geht die Reise mit Heikes Blog?
Ja, wohin geht die Reise? Ich überlege tatsächlich, ob es mit Heikes Blog in dieser Form so weitergehen soll. Zu einem älteren Bericht über Foodblogs las ich den Kommentar, ob diese
Leute denn keine anderen Sorgen hätt en, als über Essen zu schreiben. Ich habe die Idee,
dass die Welt um einiges besser werden könnte für Mensch, Tier, Umwelt, wenn sich mehr
Menschen Gedanken über Ernährung machen würden. Essen muss jeder und regelmäßig,
das hat also weltweit einen großen Einfluss. Und doch bin ich am Punkt zu fragen, ob das
alles ist, was ich kann und will. Man wird sehen ...

Vielen lieben Dank, Heike, für das Interview!
Rezeptidee: Gebackene Artischocken mit Paprikacreme
Sie benötigen: 1 gelbe Paprika, 4 kleine Artischocken, Saft von 1 Zitrone, 200 ml Gemüsebrühe, 4 Zitronenscheiben, 2 EL Olivenöl, 1 Knoblauchzehe, 1 Prise Salz, 1 Prise weißer Pfeffer
Zubereitung: Paprika vierteln und mit der Haut nach oben bei 200 °C im Backofen grillen, bis die Haut schwarze Blasen wirft. In eine Schüssel geben und 10 Minuten abgedeckt stehen lassen, dann kann man die Haut sauber abziehen. Kleine Artischocken putzen, dazu den Stiel abbrechen, mit einem Sägemesser das obere Drittel sowie die harten Blätter der unteren Hälfte abschneiden. Die Schnittstellen sofort mit Zitronensaft beträufeln. Nun die Artischocken stehend in eine Form oder einen Topf geben, Gemüsebrühe hineingießen, mit Zitronenscheiben belegen und bei 180 °C etwa 30 Minuten lang backen. Die Paprika im kleinen Mixbecher mit einem Pürierstab sehr musig pürieren, mit Olivenöl, Knoblauch, Salz und weißem Pfeffer abschmecken und aufmixen. Wer mag, kann hier auch ein Eigelb zugeben. Die Artischocken zusammen mit der Paprikacreme sofort servieren.

Foto: Ariane Bille Foto: Ariane Bille Foto: Ariane Bille Foto: Ariane Bille

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