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Sehnsucht Deutschland - Film

Der Jakobsweg am Niederrhein

Wenn der Glaube stark ist, aber Galicien unerreichbar, hilft der Jakobsweg am Rhein, wo er zwischen Industriebrachen und verwunschener Natur zwischen dem niederländischen Nimwegen und Köln verläuft.

Text: Karl-Georg Müller

Fotos: Karl-Georg Müller

Einfach mal den Ball flach halten

Das Geleucht auf der Halde Rheinpreussen unweit des Niederrheins. Foto: Helmut Berns

Das Geleucht auf der Halde Rheinpreussen unweit des Niederrheins. Foto: Helmut Berns

Köln, Düsseldorf, Duisburg, Wesel, Beinwell, Beifuß, Wegwarte, Klett erwinde, Honigklee. Von 130 auf 0. Womöglich sogar runter von 180. Nicht nur entschleunigen, sondern stillstehen. Innehalten. Anschauen. Anfassen. Vielleicht. Die Zeit nicht vertreiben, sondern festhalten. Und warum nicht am Niederrhein? Keine hohen Berge erklimmen. Zur Abwechslung den Ball flach halten. Der Landschaftsname ist Programm. Sanfte Wiesen und Weiden und Fluss, soweit das Auge reicht, aufgelockert durch sanftmütige Städte wie Wesel, Moers, Rheinberg, unterbrochen durch schmauchende Schornsteine. Idylle und Industrie in Sichtweite, auf Augenhöhe.

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Natürlich: Entschleunigen geht überall, wenn der Kopf mitspielt. Auf den Körper hören wir selten. Der mag aber öfter einen Gang zurückschalten. Das Tempo drosseln. Sich selbst verlangsamen. Wir starten am markanten Zeichen der Pilgerwege – einer sonnengelben Jakobsmuschel – beim Rathaus in Wesel. Stadt, Land, Fluss liegen vor uns. Mit Naturführerin Sabine Hauke suchen wir den Willibrordi-Dom auf. Sakrale Bauwerke dämpfen die Stimmen, verlangsamen die Schritte, schaffen Raum und Zeit für Besinnlichkeit.

Wandern und genießen mit allen Sinnen
Auf dem Präsentierteller ruhen fast verborgene Reize. Gut, eine Naturführerin an der Seite zu haben, die unsere Augen auf Beinwell, Beifuß und noch viel mehr lotst. Wir saugen frische Düfte ein, kosten von der Farbenvielfalt, sammeln Wissen über Kräuterpflanzen ein. Gar nicht weit weg stampfen lautlose Frachtschiffe den Rhein auf und ab, wie in einer anderen Welt. Unser Augenmerk lenken wir auf anderes. Sicher auf einen Schwarm Störche, der sich wie auf ein lautloses Zeichen hin aus dem Feld erhebt. Erhaben segeln sie knapp über die knorrigen Kopfweiden, die immer wieder beschnitten werden und mit ihrem eigensinnigen Wuchs das Aussehen der Region mitprägen.

Wenn die Sinne auf Reise geschickt werden, verrinnen die Kilometer unter den Füßen wie im Flug, da helfen auch nicht unsere bedachtsam gesetzten langsamen Schritte. Wir kommen spät an im Schloss Ossenberg www.culturecastles.de, erlauben uns aber noch eine Führung durch die in mühseliger Arbeit vor dem Verfall bewahrte Schlosskapelle, lassen uns im kleinen Roten in Rheinberg verköstigen und fallen satt von Schmaus und Wanderung in den Schoß der daunen weichen Betten.

Auf der Halde Rheinpreußen - Den Niederrhein zu Füßen
Tags darauf lassen wir uns durch Schloss und Garten führen, gesellen uns wieder zum Rhein, der uns gen Orsoy leitet. Bis dahin sind wir auf uns gestellt, denn niemand erläutert uns heute die Natur. Die Sinne können sich auf das Wichtige fokussieren, wenn sie bereit dazu sind.

Orsoy schiebt sich verschlafen an den Rhein. Von der Promenade gleiten unsere Blicke hinüber nach Duisburg, Kontrastprogramm für die Augen, zwei Welten auf Tuchfühlung. Besinnlich beenden wir unsere Wanderreise. Das Geleucht erhebt sich auf der Halde Rheinpreußen, 103 Meter über Normalnull, die Aussichtsplattform nochmals 10 Meter höher – mehr Berg geht am Niederrhein wohl kaum. Der Niederrhein liegt uns zu Füßen. Industrieanlagen. Städte. Der Rhein. Und Grün. Wiesen. Weiden. Wälder. Entschleunigt. Ein letztes Mal. Für heute.

Foto: Agentur Berns/Moers Foto: Agentur Berns/Moers Foto: Agentur Berns/Moers Foto: Agentur Berns/Moers

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