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Pannacotta selbst gemacht. Unten finden Sie ein Rezept für vier Personen. Foto: Ariane Bille

Kulinarischer Blog - Lamiacucina

Robert Sprenger ist pensionierter Chemiker und passionierter Hobbykoch. Am liebsten mag er es mediterran. In seinem Blog erzählt er davon. Uns verrät er, was bei ihm den Weg vom Kopf in den Topf findet und was er am Bloggen so mag.

Text: Ariane Bille

Fotos: Ariane Bille; Robert Sprenger

Der passionierte Hobbykoch Robert Sprenger im Interview

Robert Sprenger ist Hobbykoch und Blogger. Foto: Robert Sprenger

Robert Sprenger ist Hobbykoch und Blogger. Foto: Robert Sprenger

Robert, als Chemiker hattest du weder beruflich noch privat viel mit Kochen und Essen zu tun. Warum beschäftigst du dich ausgerechnet seit deiner Pensionierung so intensiv damit?
Ich habe nur selten gekocht, mir aber immer gerne Schuhbeck und Co. angesehen. Nach der Pensionierung habe ich angefangen, Kochkurse zu besuchen, das tue ich heute noch mit Hingabe und Begeisterung. Die Verpflichtungen, die mit regelmäßigen, beinahe täglichen Beiträgen einhergehen, geben mir zudem eine Tagesstruktur, verzögern den Alterungsprozess, übertünchen vordergründig die fortschreitende Vereinsamung im Alter.

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Kochen und Schreiben halten dich also jung?
Dem Alter entrinnt niemand, aber wenn man etwas mit Neugier und Begeisterungsfähigkeit verfolgt, bleibt weniger Zeit zum Altern.

Was reizt dich an Foodblogs und wie bist du selbst zum Bloggen gekommen?
2006 habe ich eine Internetseite mit rund 30 Rezepten selbst programmiert.
Bei Rezeptrecherchenbin ich immer häufiger auf das damals für mich unbekannte Medium der Blogs gestoßen. Ende Januar 2007 habe ich meinen eigenen Blog lamiacucina mit täglichen Beiträgen gestartet. Der Einstieg war zu Beginn leicht, konnte ich doch auf elektronisch gespeicherte Rezepte zurückgreifen. Nach einem Monat bin ich dann erwacht, musste mich neu organisieren, mir ein Konzept zurechtlegen.

lamiacucina wurde nach kurzer Zeit einer der beliebtesten deutschsprachigen Foodblogs. Wie erklärst du dir deinen Erfolg?
Der Erfolg ist hart erarbeitet. Vielleicht liegt es an der Regelmäßigkeit der Beiträge, daran, dass ich alle Kommentare (die mir nicht entwischen) beantworte, an der Absenz von Werbung, einem nicht allzu abgehobenen Kochstil, netten Fotos, dass ich Spaß an der Sache habe, die Welt nicht belehren möchte und die Anhäufung von Rezepten nicht todernst und verbissen betreibe.

Warum hast du dir die beinahe täglichen Posts auferlegt und wo findest du Inspiration? Fehlt dir gelegentlich das Ungezwungene, Spontane?
Nach sechs Jahren täglichen Bloggens habe ich mich entschlossen, meinen Einsatz auf zwei
Beiträge die Woche zurückzunehmen. Wer kreativ ist, dem fliegen immer Ideen zu. Und wenn der Nachschub stottert, hole ich ihn mir aus dem Internet, aus Büchern, Kochzeitschriften oder aus Rezeptkarten meiner Frau.

Apropos, wie beurteilst du das Verhältnis der Printmedien zu Foodblogs?
Was macht für dich den Reiz eines gedruckten Rezepts aus?

Vor sechs Jahren hielt ich es noch mit dem Schüler aus Goethes Faust: „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Inzwischen lese selbst ich Nachrichten und Kochrezepte praktisch nur noch in elektronischer Form. Für die Arbeit am Herd drucke ich sie aus. Eines darf man als Blogger nicht vergessen: Wir produzieren keine Werke für die Ewigkeit. Was gestern gekocht wurde und heute im Blog präsentiert wird, ist meist in wenigen Tagen wieder vergessen.

Welche Foodblogs liest du besonders gern?
Unter meinen Lieblingsblogs befinden sich unter anderem alle, die hier Gegenstand deines Projekts sind. Ich muss zugeben, ein gelungenes Foto spricht mich eher an als ein farbverfälschtes, lieblos angerichtetes Bild. Dann müssen mir die Zutaten schmecken, letztlich muss das Rezept in sich stimmig und darf nicht mit Aromen überladen sein. Um so etwas zu erkennen, entwickelt man rasch Routine.

Wie wichtig sind dir regionale, saisonale und biologisch angebaute Produkte?
Wenn ich ein biologisch angebautes Produkt in gleicher Frische und Qualität wie ein konventionell angebautes bekomme, greife ich zum teureren biologischen. So halte ich es auch mit regionalen Produkten. Saisonalität ist mir wichtig, ganz einfach weil die meisten Produkte außerhalb ihrer Saison weniger gut schmecken. Jede Saison hat ihre Produkte, mit denen es eine Freude ist zu kochen. Ich muss nicht jederzeit alles zur Verfügung haben. Und die Vorfreude auf die kommenden Genüsse ist auch eine Freude.

lamiacucina, zu Deutsch „meine Küche“, verrät deine Vorliebe für die mediterrane Küche. Wie und warum bist du ihr verfallen?
In jungen Jahren haben wir die Ferien häufig in Rom und anderen Orten Italiens verbracht. Das war die Zündung. Mich sprechen an der mediterranen Küche ihre Einfachheit, die Ehrlichkeit, die Qualität der verwendeten Produkte an.

Zu deinen kulinarischen Interessen zählt auch die Molekulargastronomie. Welche Meinung vertrittst du als Chemiker zu deren Entwicklung?
Ich sehe gerne hinter die Kulissen, um zu erfahren, wie etwas gemacht wird – eben das Kind im Manne. Die Arbeiten und Entwicklungen der Molekularküche haben für die Nahrungsmittelindustrie große Bedeutung und sind keine Modeerscheinungen. Für den durchschnittlichen Hobbykoch und die häusliche Küche sind diese Techniken und Zutaten aber nicht relevant. Bastelkästen wie „Der kleine Molekularchemiker“ und Molekularmenüs im Landgasthof mögen lustig sein, werden aber über kurz oder lang wieder anderen Trends weichen. Es gibt für mich noch so viele gute Gerichte und Zubereitungen kennenzulernen, dass ich keine Kochzeit darin investieren möchte.

Welcher Trend folgt deiner Meinung nach der Molekularküche?
Mit dem Abschied ihres Mentors Ferran Adrià hat die Molekularküche als Kochphilosophie ihren Zenit überschritt en. Bewährte Hilfsmittel und bewährte Zubereitungsweisen werden aber sicher weiterhin genutzt. Was ebenfalls bleiben wird, ist die Erforschung des chemischen Hintergrundes von Kochprozessen.

Welchen Kochtrend beobachtest du zurzeit in der Blogosphäre? Beeinflussen dich diese Trends?
An der Vielzahl von neuen Blogs, die in den letzten Jahren entstanden sind, kann man die aktuellen Trends von Restaurantküchen und Fooddesignern der Kochzeitschrift en ablesen. Generell findet bei den Bloggern ein kleines Wettrüsten bei Fotografie und Beleuchtung statt. Derzeit sind Landschaften auf Tellern in Mode, hier ein Blättchen Portulak, da ein rotes Blättchen Senf, zwei Tröpfchen Petersilienjus, dazu drei Tröpfchen … Ob das zum Gericht passt und geschmacklich überhaupt wahrnehmbar ist, danach fragt kaum jemand. Wenn’s hübsch aussieht.

Wie viel deiner Zeit schenkst du lamiacucina im Schnitt und wie teilt sich diese Zeit auf?
Suchen muss ich Rezepte selten. Ich stolpere dauernd über sie, habe immer einen Vorrat von über 100 Rezepten auf Lager, die vorgedacht, aber noch nicht realisiert sind. Die mit Abstand meiste Zeit verwende ich immer noch für das Kochen. Das Fotografieren geht mittlerweile fix. Mehr Zeit braucht die Auswahl der Bilder, der Bildausschnitte, der Farbkorrekturen … Wenn das fertig ist, kommt das Schreiben, damit tue ich mich schwer. Insgesamt habe ich in den ersten sechs Jahren für den Blog ein Drittel bis die Hälfte meiner wachen Zeit eingesetzt. Verrückt!

Verrückt, aber auch beeindruckend! Was sagt deine Frau zu deiner Leidenschaft?
Seit 2013 blogge ich seltener, weil ich wieder mehr Zeit für uns und für die wichtigen Dinge im Leben haben will: Freizeit, ohne an den Blog denken zu müssen. Weniger ist mehr, und wenn nicht mehr, so wenigstens etwas. Man muss im Alter abgeben können, sonst wird es einem genommen.

Wer ist bei euch der Küchenchef?
Wir führen meist getrennte Küchen. Meine Frau kocht am liebsten ihre traditionellen Gerichte, die sie schon immer gekocht hat und die ich teilweise schon verbloggt habe. Ich koche Neues für den Nachschub im Blog, mache den Abwasch, kaufe ein und helfe meiner Frau bei Arbeiten, die sie nicht mehr alleine bewältigen kann. Sie hilft mir dafür bei der Ravioliproduktion.

Ein spontaner Besuch bei Claudio von den Anonymen Köchen. Was kocht ihr, Schweizer oder italienische Küche?
Das entscheidet der Gastgeber. Wenn ich etwas kochen soll, dann nichts Kompliziertes. Ich will und muss niemanden beeindrucken. Etwas Einfaches, aber Gutes, zusammen mit einer guten Flasche Wein, genügt für einen nett en Abend.

Robert, lieben Dank für das Interview!

Rezeptidee: Karamell-Pannacotta mit Pomeranzen-Mandarinen-Soße
Sie benötigen: 150 g Zucker, 500 ml Sahne, 1 Vanilleschote, längs halbiert und mit herausgekratztem Mark, 3 Blatt Gelatine
Für die Zitrussoße: 1 Pomeranze (Bitterorange), 5 Mandarinen, 100 g Zucker

Pannacotta
Die Hälfte des Zuckers, Sahne, Vanillemark und -schote in einer Pfanne erhitzen, nicht kochen. Pfanne auf ein Holzbrett stellen und 15 Minuten ziehen lassen. Den restlichen Zucker mit einem Schuss Wasser zu braunem Karamell schmelzen, mit wenig Wasser ablöschen und zu einem dicken Sirup einkochen. Den Sirup auf den Boden von vier feuerfesten Förmchen gießen. Im Kühlschrank erstarren lassen. Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Die Vanillesahne kurz vor den Kochpunkt bringen, die Vanilleschote entfernen, vom Herd nehmen. Die Gelatine darin auflösen und erkalten lassen, dann in die Förmchen gießen und für etwa vier Stunden kalt stellen.

Zitrussoße
Schale der Pomeranze vom weißen Fleisch schälen und in feine Streifen schneiden. Den Saft auspressen, zu den Streifen geben und mit dem Zucker mischen. Mandarinen schälen, filetieren, zum Pomeranzensaft geben und aufkochen. Unter Rühren ein paar Minuten lang köcheln, abkühlen lassen. Die Förmchen mit der Pannacotta vor dem Servieren kurz in heißes Wasser tauchen. Die Pannacotta auf Teller stürzen und mit der Pomeranzen-Mandarinen-Soße servieren.

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