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Sehnsucht Deutschland - Film
Heimische Schwarz-Erlen versprühen Amazonasflair und schenken der Peene ihren Spitznamen

Peene - Amazonas des Nordens

Wildnis mitten in Deutschland? In Mecklenburg-Vorpommern, kurz vor der polnischen Grenze, hat Janika Ewers ein unberührtes Naturidyll entdeckt, das kleine Flüsschen Peene. An die Paddel, fertig, los!

Text: Janika Ewers

Fotos: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Abenteuer Peenetal/Ingo Ernst

Eine Paddeltour auf der Peene

Der Graureiher ist eine von rund 160 Brutvogelarten im Peenetal

Der Graureiher ist eine von rund 160 Brutvogelarten im Peenetal

Sanft schmatzt das Paddel ins Wasser, während das Kanu leise über den Fluss gleitet. Um uns herum zirpt und zwitschert es. Gerade noch rauschte der Redaktionsalltag durch meinen Kopf. Deadlines, E-Mails, Telefon… Zack. Hirnausfall. Schneller als die Energiewende habe ich abgeschaltet. Jetzt lasse ich mich auf der Peene treiben, während Augen und Ohren vom Großstadt- auf Naturmodus wechseln.

Dichtes Schilf säumt den Uferrand, frisches Laub schmückt die Kronen der Schwarz-Erlen, deren knorriges Wurzelwerk aus dem Wasser herausragt, fast wie in den brasilianischen Mangrovenwäldern. Diesem verschlungenen Holzgeflecht verdankt die norddeutsche Peene ihren Spitznamen Amazonas des Nordens. Doch im Vergleich zu ihrem gigantischen, fast 6.500 Kilometer langen Namenspaten ist die Peene mit ihren nur 136 Kilometern gerade mal ein kleines Tröpfchen. Ein Tröpfchen, das es zu schützen lohnt, damit es nicht auf heißem Stein verdampft. Schließlich ist die Peene ein Wildnisparadies. Sie gilt als einer der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands, an ihren Ufern erstreckt sich eines der größten zusammenhängenden Niedermoorgebiete Europas. Hier sind über 160 Vogelarten – darunter See-, Schrei- und Fischadler – zu Hause, dazu sogar die selten gewordenen Fischotter und Biber.

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Wildnisführer Frank Götz begleitet mich auf Paddelsafari. Eigentlich verdiente er als Versicherungsmakler sein Geld, bis er sich im Peenetal auswildern ließ und Schreibtisch gegen Kanubank tauschte. Heute wirkt er, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Welche Gefahren der hiesige Amazonas birgt? Es kann schon mal vorkommen, dass ein Wildschwein vor einem den Fluss durchschwimmt. Ernsthaft? Ernsthaft Aber ich solle keine Sorge haben, Kanuten stünden auf der wildschweinischen Speiseordnung ganz weit hinten. Trotzdem, ein Biber wäre mir lieber.

Das Paddel eintauchen. Glatt durchziehen. Leise. Nicht gegen die Bootswand klackern. Ich will die Biber nicht verschrecken, sie sind scheu und aus Erfahrung klug. Im Mittelalter wurden sie gejagt. Nicht etwa wegen ihres Pelzes. Nein, Wasserbewohner mit schuppigem Schwanz? Keine Frage, der Biber ist ein Fisch. Hungrige Mönchslogik zur Fastenzeit. Inzwischen ist der Biber vom Teller gehüpft und hat sein natürliches Revier zurückerobert, heute wohnt er wieder zu Hunderten im Peenetal. Seine Spuren sind am Ufer der Peene unschwer zu erkennen. Da schwimmt etwas. Könnte es ein Biber sein? Fehlalarm. Es ist ein Bisam, der mit einem Stück Schilf bestückt durchs Wasser rauscht. Sein Kompagnon ist neugieriger, schwimmt auf uns zu, peilt an, checkt ab, dreht bei und – so interessant sind wir dann doch nicht – taucht unter. Am Uferrand warten drei Angler darauf, dass etwas beißt. Rund 40 Fischarten blubbern in der Peene. Karpfen, Hecht und Aal und seltene wie Flussneunauge, Steinbeißer und Lachs.

Die Aussichten auf frischen Fisch vom Grill sind also gute. Petri Heil! Ich kann den Grill förmlich hören. Knurrend macht mein Magen auf sich aufmerksam. Zeit für eine Pause, Landgang in Stolpe. Im historischen Fährkrug gibt es die ersehnte Stärkung. Peenepanorama inklusive. Nach dem Mahl lädt Stolpe zum Verdauungsspaziergang. Zur alten Klosterruine ist es nicht weit. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, ist sie der wohl älteste Steinbau Pommerns und Zeugnis der Christianisierung in Mecklenburg-Vorpommern. Das vergossene Blut ist heute nicht mehr sichtbar. Die Geschichte um Herzog Wartislaw, den Märtyrer, jedoch nicht vergessen, Steine erzählen sie im Flüsterton.

Auf dem Rastplatz für Wasserwanderer schlagen abenteuerlustige Kanuten ihre Zelte auf. Wer Rücken hat – oder Glück, so wie ich –, tauscht Isomatte gegen Komfortmatratze und bezieht im edlen Gutshaus Stolpe Quartier. Gute Aussichten für den nächsten Tag: barfuß über die Wiese laufen und mit kühnem Kopfsprung in die Peene hüpfen. Die kleine Nachtmusik des Vogelorchesters lässt den Tag ausklingen. Auch Fuchs und Hase sagen sich gute Nacht. Und am nächsten Morgen? Ist das Leben wieder im Fluss.


Tipps rund um die Peene
Für Wassernixen, Landratten und Luftikusse ist das Peenetal randvoll mit Möglichkeiten.

Paddeltour auf der Peede
Wasserwandern auf dem Amazonas des Nordens. Zwischen Biberburgen, Adlerschwingen und Vogelkonzerten Wildnis mitten in Deutschland. Eine Woche dauert die Peenetour – wahlweise im Kanu oder Kajak – von Malchin am Kummerower See bis nach Anklam, wo der Fluss in den Peenestrom mündet. Das Besondere: Die Peene hat kaum Gefälle und so gut wie keine Strömung, daher ist sie auch für Paddelanfänger ein gutes Übungsrevier. Die Tagesetappen der einwöchigen Tour sind zwischen 8 und 18 Kilometer lang. Für Abenteurer gibt es am Ufer Rastplätze für Wasserwanderer. Wer etwas mehr Komfort wünscht, übernachtet im Hotel. Wer nur mal schnuppern möchte, macht eine Tagestour.

www.abenteuer-flusslandschaft.de


Historisch: Flugpionier Lilienthal
Er ist der berühmteste Sohn Anklams, Flugpionier Otto Lilienthal. Das Museum zeigt die Geschichte vom Menschenflug zum Flugzeug. Ergänzt wird die Technik durch das neue Ikareum in der Nikolaikirche, das dem Traum gewidmet ist, von den eigenen Füßen zu starten. In den Sommermonaten bietet die Aussichtsplattform der Kirche einen sagenhaften Rundum-Fernblick ber das Peenetal.

www.lilienthal-museum.de

www.ikareum.de


Spuren der Wikinger
Weit genug von der offenen See entfernt, errichteten die Wikinger einst ihren Handelsplatz in Menzlin an der Peene. Kanutour zu den alten Steinsetzungen, die noch von ihrer wilden Historie zeugen.

www.kanustation-anklam.de


Wassernah: Umweltfreund Solarboot
Flüsterleiser Bootsausflug für alle, die ohne Paddel Bibern auf den Zahn fühlen wollen. In den 1980er-Jahren noch als Spleen grün beseelter Ökos abgetan, hat die Solarenergie längst Fuß gefasst und auch die Bootsdächer erreicht. Tiefenentspannte Tour ohne lärmenden Störfaktor.

www.gutshof-liepen.de



Abenteuer Biberfloß
Leinen los zum Flussvergnügen à la Huck Finn. Es braucht nicht viel zum Glücklichsein. Ein schützendes Dach, Peenepanorama und bestenfalls ein Tom reichen aus. Gemütliches Holzfloß für bis zu vier Personen ab 585 Euro/Woche.

www.biberfloss.de


Natürlich: Lehrreich Naturpark
In der wildverwunschenen Naturlandschaft des mit 20.000 Hektar größten Niedermoorgebietes Europas sind neben Biber und Otter vor allem viele Vogelarten, darunter der Eisvogel, drei Adlerarten, Reiher und nahezu alle Singvögel, zu Hause. Führungen mit den Naturparkrangern.


Appetitlich: Essen im Fährkrug
Stilvoll rustikal. Das 350 Jahre alte Gasthaus bittet in Stolpe zu Tisch. Erschöpften Paddlern schmeckt das wohlverdiente Sportlerbier nebst Peeneblick auf der Terrasse.

www.gutshaus-stolpe.de


Feuerprobe mit Lachs
Mit oder ohne Fettes Brot: Im Norden isst man Lachs. Am Kummerower See wird der von Ingo Ernst über dem offenen Feuer gegrillt. Für seine Bootstouren gibt er Bibergarantie.

www.abenteuer-peenetal.com


Traumhaft: Schlafen im Gutshaus
Klassische Geschichte mit Wendepunkt. Nach dem Krieg enteignet, wurde das Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert nach der Wende von Familie Stürken zurückgekauft und detailreich saniert. Unter dem Siegel der Relais & Châteaux Hotels beherbergen die alten Mauern ihre Gäste mit einem Zweiklang aus Natur und Genuss. Der weitläufige Park lädt neben Spaziergang und Lesezeit auch zum Bad im heißen Zuber.
DZ ab 135 Euro/Nacht.

www.gutshaus-stolpe.de

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