Fenster schliessen
Sehnsucht Deutschland - Film
Ideale Sommererfrischung - Limettenlimonade mit Ingwer und Minze

Kulinarischer Blog - Nutri Culinary

Charmant und mit feinem Witz hat Multitalent Stevan Paul den selbst gewählten Weg vom Koch zum Schriftsteller über einen famosen Foodblog mit Bravour gemeistert. Das Interview mit Stevan Paul führte Ariane Bille.

Text: Ariane Bille

Fotos: Ariane Bille, Ralf Bille

Koch und Foodblogger Stevan Paul im Interview

Stevan Paul teilt Frau Billes Leidenschaft und schreibt zum Glück für uns darüber

Stevan Paul teilt Frau Billes Leidenschaft und schreibt zum Glück für uns darüber

Stevan, woher kommen deine Leidenschaften für das Kochen und Schreiben?
Ich hatte das große Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der Essen und Genuss großgeschrieben wurden. Vater und Mutter waren noch Studenten, als ich geboren wurde. Vom ersten Geld wurde die mehrbändige Reihe Menü abonniert, dicke Kochbücher, in denen die Küchen der Welt in Wort und Bild festgehalten waren. Wir Kinder (ich habe noch eine Schwester und einen Bruder) hatten immer Mitspracherecht. Die Freude am Schreiben kam durch die Freude am Lesen und an der Entdeckung der eigenen Fantasie – meine ersten Schreibversuche waren total gruselige Geistergeschichten. (lacht)

-- Anzeige --



Wie hast du deine Ausbildungszeit im Restaurant Waldhorn in Ravensburg in Erinnerung behalten und wieso arbeitest du heute nicht mehr als Koch?
Ohne Verklärung: Das war eine tolle Zeit. Mein Lehrherr Albert Bouley hat uns Lehrlinge gefordert und gefördert, wo es ging. Ich verdanke ihm sehr viel, er gab mir das Rüstzeug für meinen Beruf und stellte in vielerlei Hinsicht die Weichen. Er lehrte uns neben dem Kochen auch Dinge wie Respekt, Gastfreundschaft und Disziplin, er zeigte uns, dass es Spaß macht, Leistung zu bringen; das hatten wir in der Schule nicht gelernt. Nach sechs Jahren als aktiver Koch bin ich ausgestiegen, habe ein Praktikum in den Redaktionen der Zeitschrift en essen & trinken und schöner essen begonnen, nach ein paar Wochen wurde ich fest angestellt. Dort erst lernte ich den Beruf des Foodstylisten kennen.


Wie unterscheiden sich deine Berufungen Foodstylist, Autor und Koch voneinander und wo siehst du Parallelen?
Der Koch bedient sich einzelner Zutaten, die erst durch das Kochen zum Gericht und später am Gaumen des Gastes zu einer Gesamtkomposition werden – so wie sich der Autor der Worte bedient und Geschichten schreibt, die später im Kopf des Lesers zu Bildern werden. Der Foodstylist dagegen stellt den Genuss bildhaft in Aussicht, seine Arbeit ist eine Behauptung, die erst noch eingelöst werden muss.


Wann hast du Foodblogs entdeckt und wie bist du auf die Idee gekommen, deinen eigenen Blog NutriCulinary zu schreiben?
Ich blogge seit 2005, erst unter Dem Herrn Paulsen sein Kiosk, einem Antville-Blog, überwiegend zu den Th emen Musik, Literatur, Kochen und Alltagsgeräusche. 2008 kam dann NutriCulinary dazu, ein reiner Foodblog. Den Kiosk habe ich dann 2009 geschlossen, um mich komplett auf NutriCulinary zu konzentrieren. Zwei Blogs waren einfach zu viel und ich hatte zudem das Gefühl, mit einem Foodblog eher aktiv Wissen teilen zu können und selbst dazuzulernen, während ich als Literatur- und Musikblogger nicht über das „Fan-Sein“ hinausgekommen bin. Bis heute schätze ich an Foodblogs den lebendigen Austausch übers Netz hinaus und das Fachgespräch unter Gleichinteressierten. Kulinarik ist ewiges Lernen, Foodblogs sind da mitunter sehr inspirierend und lehrreich. Ich freue mich in diesem Zusammenhang auch sehr über die wachsende Zahl an Weinblogs.


Du hast mit dem Bloggen begonnen, als du noch gar nicht als Autor gearbeitet hast. Hat dir der Erfolg von NutriCulinary beim Einstieg in die Welt des Schriftstellers geholfen?
Bloggen ist grundsätzlich eine gute Möglichkeit, die eigene Schreibe zu trainieren, sich auszuprobieren und auszutauschen – Schriftsteller wird man eher am einsamen Schreibtisch, durch das Lesen von Büchern, durch Auftritte auf Lesebühnen, durch die Teilnahme an Literaturwettbewerben und Stipendien. Später kann ein Blog helfen, das eigene Buch bekannter zu machen, für Lesungen zu werben, sehr direkte Rückmeldungen durch die eigenen Leser und Leserinnen zu erhalten. Das ist wirklich schön, gerade wenn man anschließend auf Lesereisen andere Blogger und Bloggerinnen kennenlernt – und es gibt immer jemanden, der weiß, wo nach der Lesung noch ein Glas Wein und ein guter Teller Pasta zu bekommen sind.


Das Buch dreht sich also wieder um deine Passion, die Welt des Essens. Wie sehr sind die kurzen Erzählungen von deinen persönlichen Erlebnissen geprägt?
Mein Erstling Monsieur, der Hummer und ich war stark biografisch gefärbt und spielte überwiegend in der Sternegastronomie der 1980erund 1990er-Jahre. Schlaraffenland ist anders, die verschiedenen Geschichten beschreiben wesentlich universeller Kulinarik und Küche von heute, der Reigen der Protagonisten ist bunter geworden. Hier und da war die Realität ein trefflicher Stichwortgeber.


Kannst du dir vorstellen, einen kulinarischen Roman zu schreiben?
Jetzt ja. Nach zwei Erzählbänden wage ich mich als Nächstes auf die Langstrecke, natürlich auch mit meinem Lieblingsthema. Ich habe aber nie verstanden, warum es die kurze Form in der deutschen Verlagslandschaft so schwer hat; alle wollen immer gleich den Roman. Dabei ist es mit Kurzgeschichten wie mit eingekochten Soßen: Erst wenn der ganze Dampf weg ist, entfaltet sich der
intensive Geschmack einer gelungenen Reduktion.


Als Autor mehrerer (Koch-)Bücher hast du einen direkten Blick in die Verlagswelt. Wie haben Foodblogs und die sozialen Medien den Kochbuchmarkt verändert? An welchen Stellen siehst du noch Handlungsbedarf seitens der Verlage?
Foodblogs, Foren und Social-Media-Plattformen bieten interessierten Kulinarikern einen enormen Mehrwert – im Zentrum des Austausches stehen aber nach wie vor überwiegend Kochbücher, Apps und Zeitschriften mit den Rezepten, die daraus nachgekocht oder modifiziert nachgekocht werden. Kochbücher inspirieren, ihren Kreateuren wird ein Vertrauen entgegengebracht, das kluge Verlage mit wertig aufgemachten Kochbüchern und sorgfältig erarbeiteten Rezepten belohnen. Nicht Foodblogger und Genussportale bedrohen den Kochbuchmarkt, sondern schlampig gemachte Schnellschüsse zu Discounterpreisen. Foodblogger sind Zielgruppe pur und immer häufiger auch ernstzunehmende Multiplikatoren mit teils enormer Reichweite und Relevanz. Einige Kochbuchverlage bemustern Blogger mittlerweile gleichwertig mit der Presse. Nützlich wäre in diesem Zusammenhang auch die Onlinestellung von honorarfrei verwendbarem Bildmaterial in brauchbarer Auflösung, einer Blick-ins-Buch-Funktion und zwei bis drei Gratisrezepten. Was erkennbar frei verwendet werden darf, wird auch online gestellt, gepostet, verlinkt, gezeigt und geteilt – da soll ja nicht geklaut werden, da wird beworben. Ein Unterschied, den viele Verlage noch nicht in Gänze realisiert haben, weshalb sie nach wie vor misstrauisch auf den daumennagelgroßen Vorschaubildchen zu ihren Neuerscheinungen sitzen.


Für dein letztes Buch hast du dich auf die Suche nach neuen und alten deutschen Klassikern gemacht. Wie hast du das gemacht?
Ich dachte anfangs wirklich, ich kenne die deutsche Regionalküche. Ich bin im Schwäbischen aufgewachsen, zwischen Alpen, Allgäu und Bodensee. Meine Mutter ist gebürtige Hessin, die Großeltern väterlicherseits lebten in Flensburg. Ich selbst bin während meiner Lehr- und Wanderjahre als Koch achtmal innerhalb Deutschlands umgezogen, habe nach Schleswig-Holstein eingeheiratet und lebe nun schon viele Jahre in Hamburg. Die großen Klassiker waren dementsprechend schnell erfasst, dann ging es ins Detail, und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich recherchierte überwiegend in alten bis sehr alten Kochbüchern (das Internet war in diesem Fall tatsächlich keine große Hilfe) und stieß auf Zubereitungen, von denen ich noch nicht einmal gehört hatte, Rezepte wie Großer Hans, Dibbelabbes,Prilleken, Pitter un Jupp, Stemmelkort, Stielmus und Schnüsch. Ich habe auch Rezepte gefunden und nachgekocht, die teilweise über 200 Jahre „alt“ waren – und köstlich schmeckten. Das war eine wirklich spannende und überraschende Entdeckungsreise durchs eigene Land.


Nicht nur der Kochbuchmarkt boomt, auch aus dem Fernsehen ist das Thema „Kochen und Essen“ kaum noch wegzudenken. Was hältst du davon?
Mit den Kochshows ist es ein bisschen wie mit Wohnzeitschriften, man blättert lustvoll darin, ohne jedes Mal gleich die ganze Bude neu zu renovieren. Dennoch: Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass diese Sendungen für den einen oder anderen Zuschauer doch auch einen lehrreichen Aspekt haben, der über Zeitvertreib und Entertainment hinaus geeignet ist, für gutes Essen zu werben. Wir sind, was wir essen, und mir wäre bang vor einer Gesellschaft ohne Kochsendungen.


Wie stehen deine Liebste und deine Freunde zu deiner Kochleidenschaft?
Die Liebste freut sich natürlich; ich koche gerne und täglich, meistens schnelle, alltagstaugliche Sachen. Für Gäste mache ich auch mal die ganz große Welle. Ich teile aber sowohl mit meiner Frau als auch mit meinem Freundeskreis die Begeisterung für die Kulinarik, das macht großen Spaß, zusammen zu kochen, sich zum Essen zu verabreden oder einander einzuladen, und ist zudem sehr kommunikativ.

Herzlichen Dank, Stevan, für das interessante Gespräch!

Stevan Paul
Vom Koch zum hoch gehandelten Schriftsteller für Kulinarik. Angefangen hat alles mit seinem Blog, wo man selten Rezepte, dafür aber exzellente Berichte, Geschichten und Anekdoten rund um den Genuss findet
www.nutriculinary.com


Foodblogs und ihre besten Rezepte
Im Zeitalter des Internets verkörpern Foodblogs die Vielfalt eines Kochbuchs gepaart mit dem Charakter eines Tagebuchs. Hinter diesen Küchentagebüchern stehen Menschen, die sich täglich dem Kochen und Essen widmen. Ariane Bille hat diese Menschen in ihrem Projekt Kulinarische Momentaufnahmen – Die bunte Welt der Foodblogs porträtiert. Das Buch von Ariane Bille ist im
Hädecke Verlag erschienen und in der iPad-App Caramelized erhältlich.
www.kulinarischemomentaufnahmen.de



Rezept
Limettenlimonade mit Ingwer und Minze

Zubereitungszeit: ca. 10 Minuten

1 kg Zucker, 1 l Wasser, 100 g Ingwer, geschält und in Scheiben geschnitten, 1 kg Limetten, gepresst, 200 g Zitronen, gepresst, 1 kleines, dichtes Bund Minze (ca. 30 g), nach Geschmack auch weniger.
Als Longdrink 2–4 cl Cachaça oder heller Rum pro Glas.
1. Zucker mit Wasser in einen Topf geben und Ingwer hinzufügen. Alles aufkochen, sodann für 5 Minuten offen kochen.

2. Topf vom Herd nehmen, den ausgepressten Saft hinzugießen, Minze dazugeben und 1 Minute ziehen lassen.

3. Alles durch ein feines Sieb passieren.

4. Abgekühlt in hübsche Flaschen mit Schnapp- oder Drehverschluss füllen und kühlen.


Im Verhältnis 1 : 3 ergibt der Sirup vermischt mit Wasser ca. 8 l Limonade. Für einen Longdrink je 2–4 cl Cachaça oder hellen Rum über Eiswürfel ins Longdrinkglas gießen und mit der Limonade auffüllen.

Weitere interessante Artikel

Meergold Rehbehn & Kruse - frischer Fisch aus Eckernförde

In der traditionsreichen Fischräucherei lernt man nicht nur, dass die echte Kieler Sprotte eigentlich aus Eckernförde kommt, sondern bekommt vor allem Fisch von bester Qualität.

Deutscher Klassiker - Auf Kreek fahren die Hamburger ab

Seit Generationen rüschen echte Blankeneser auf selbst gebauten Kreeks am Elbhang.

Bad Wörishofen - Musikfestival der Nationen

Ein echtes Schmankerl für Augen und Ohren: Stars & Junge Weltelite ist das Motto des Festivals der Nationen im schönen Bad Wörishofen im Allgäu. Das Programm reicht von Fazil Say und Diana Damrau bis zur Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken.

Kleine Auszeiten im Herbst - Tipps für Kurztrips in Deutschland

Die schönsten Orte, Hotels und Veranstaltungen sind meist nicht weit. Hier ein paar Vorschläge für Kurztrips.

Wasserwelten in Brandenburg entdecken

Vor den Toren Berlins liegt das Naturparadies Brandenburg. Klare Seen, frische Luft und ein freier Blick bis zum Horizont. Brandenburg bietet ideale Voraussetzungen zum Abschalten und Innehalten.

Suche  
Fotowettbewerb 2016
Jetzt den Kalender 2017 bestellen!
Cover 2015
Magazin hier bestellen!
Ausgabe 04/2016

Ausgabe 04/2016


Einzelausgabe
Leseprobe

Newsletter hier anmelden!





Urlaubskataloge kostenlos bestellen
  • Bad Brückenau - Bayerisches Staatsbad
  • Aller-Leine-Tal - Erlebniswelt Lüneburger Heide
  • Wilhelmshaven - Lust auf Meer
  • Calw - Die Hermann Hesse-Stadt, der Fachwerktraum im Schwarzwald
  • Rheinland-Pfalz - ROMANTIC CITIES
  • OstseeFerienLand - wo Urlaub in Schleswig-Holstein am Schönsten ist
-- Anzeige --


-- Anzeige --