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Die Niederländische Bachvereinigung spielt das Eröffnungskonzert des Bachfestivals

Bachfestival - 300 Jahre Carl Philipp Emanuel Bach

Er war ein genialer Komponist. Zu Lebzeiten sogar berühmter als sein Vater. Die Rede ist von Carl Philipp Emanuel Bach. 2014 feiern wir den 300. Geburtstag des Bach-Sohnes.

Text: Uta Buhr

Fotos: Niederländische Bachvereinigung © Marcel van der Vlugt; © Massimilino Marsili; Städtenetzwerk CPE Bach

Ein Vorbild seiner Zeit

„Aus der Seele muss man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel“, schrieb CPE Bach einst

„Aus der Seele muss man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel“, schrieb CPE Bach einst

Oh, du meine Goethe. Allgegenwärtig in Weimar, ist der Dichterfürst in diesem Jahr auf die Ersatzbank touristischer Begehrlichkeiten geraten. Denn 2014 ist das Jahr eines anderen, der sich zumindest temporär aus großen Schatten lösen wird. Nämlich von Carl Philipp Emanuel (CPE) Bach. Ebenhier vor 300 Jahren geboren als zweiter Sohn Johann Sebastian Bachs, der – allgemein anerkannt - als einer der größten Musiker aller Zeiten gilt.

Stadtführerin Regine Hauck zeigt uns voller Stolz den Taufstein in der Stadtkirche St. Peter und Paul unter dem monumentalen Altarbild Lucas Cranach des Älteren. „Und kein Geringerer als Georg Philipp Telemann war sein Pate“, erzählt sie. Der klassische Rundgang führt durch den Goethepark, vorbei am vorbildlich restaurierten Roten Schloss und dem Deutschen Nationaltheater und endet an der Bastille von Weimar.

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Ruf nach Leipzig
Man mag es kaum glauben, doch hinter deren dicken Mauern bekam einst CPEs Vater Johann Sebastian, weiland Konzertmeister des Herzogs von Sachsen-Weimar, Gelegenheit, seine „halsstarrigen Bezeugungen“ gegen seinen Dienstherrn bei Wassersuppe und Brot zu überdenken. Seine Zelle wird heute gelegentlich für Cembalokonzerte genutzt. Kein Wunder, dass Meister Bach bald das Weite suchte und einem Ruf nach Leipzig folgte.

In der dynamischen sächsischen Metropole stieg der alte Bach schnell zum Kantor der Thomaskirche auf. Mit seiner ständig wachsenden Familie residierte der fidele Senior im Bosehaus gegenüber der Kirche. Und CPE? Der widmete sich zwischen „Singepflichten und Unterricht beim Vater“ bereits als Neunjähriger eigenen Kompositionen, später studierte er auch hier. Rechtswissenschaften übrigens.

Ob CPE sich auch so gerne in Auerbachs Keller aufgehalten hat wie später Goethe, ist nicht überliefert, aber bei einem Jurastudenten anzunehmen. Was vor allem aus der Leipziger Zeit der Musikerfamilie übrig ist, findet sich heute im grandios gestalteten Bachmuseum am Thomaskirchhof. Gut zu wissen, dass nach so viel Kultur ein Schwärtelbraten in Barthels historischem Hof zum Schnabulieren angeboten wird.

Bach an der Oder
Auch Frankfurt an der Oder will sich im Jahre des Jubilars nicht lumpen lassen. Trotz schwerer Treffer im Krieg sind glücklicherweise sogar hier einige großartige Bauten erhalten geblieben. Da wären zum Beispiel die Marienkirche und der spätgotische Kirchenraum in der alten Stadtkirche, heute umgewidmet zur CPE-Konzerthalle. Klein und fein ist die Dauerausstellung in einem Nebenraum zu Ehren des Komponisten, der hier zu Lebzeiten sein Jurastudium an der berühmten Alma Mater Viadrina fortführte. Von 1734 bis 1738 lebte CPE in der heute deutsch-polnischen Doppelstadt Frankfurt/Slubice. Viel Spaß hatte der Schöngeist an der trockenen Materie offenbar nicht. Er verließ die Universität ohne Abschluss, komponierte aber eine Reihe von Huldigungskantaten, bevor er zum Hof Friedrichs des Großen nach Berlin und Potsdam aufbrach.

Was CPE in Berlin getrieben hat, entzieht sich unserer Kenntnis“, bedauert Bachexperte Klaus Fischer. Da geht es ihm wie den meisten Eltern, deren Kinder heute hier studieren. „Die Konzerthalle am Gendarmenmarkt gab’s seinerzeit noch nicht. Die hätte der junge Bach sicherlich gemocht.“

Gefallen fand CPE zunächst auch an der königlichen Residenz in Potsdam, wo er den Flöte spielenden Monarchen unterstützen durfte. Der Besuch im Musikzimmer des Schlosses Sanssouci ist ein Déjà-vu-Erlebnis für all jene, die Adolph von Menzels Gemälde „Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci“ kennen: im Vordergrund der König, am Cembalo ein konzentrierter CPE. Doch selbst die verschwenderisch ausgestatteten Prunksäle und die illustre Hofgesellschaft konnten den musikalischen Erneuerer nicht halten. Er, als Vertreter des „empfindsamen Stils“ und Wegbereiter der Klassik, war der ihm langweiligen Hofmusik überdrüssig. Er wollte seinen eigenen kompositorischen Duktus weiterentwickeln.

CPEs Hamburger Zeit
CPEs große Stunde schlug, als er im April 1768 seinen Taufpaten Telemann im Amt des städtischen Direktors und Kantors am Johanneum zu Hamburg beerben konnte. „Du gehst, wohin dein günstig Glück dich ziehet, in jene schiffumgebne Stadt“, hatten ihm seine Freunde in Preußen mit auf den Weg in die Hansestadt gegeben. Aus dem Berliner war mit einem Schlag der Hamburger Bach geworden. Wer sich mit der Musikhistorikerin Dorothea Schröder auf Spurensuche begibt, taucht in die Welt des „Compositeurs“ ein, der zu Lebzeiten weitaus berühmter war als sein Vater Johann Sebastian. „Die Familie lebte eine Zeit in der Fuhlentwiete“, erklärt Frau Schröder. Das Haus existiert nicht mehr. Ebenso wenig wie das Concerthaus auf dem Kamp (Valentinskamp).

Der große Brand von 1842 hatte weite Teile der Innenstadt vernichtet. Und der Feuersturm im Zweiten Weltkrieg tat ein Übriges. Kaum tröstlich, aber immerhin: In der Krypta der Hauptkirche St. Michaelis, kurz Michel, ist die Grabplatt e des großen Musikus zu besichtigen, der am 14. Dezember 1788 in seiner Wahlheimat Hamburg verschied.

Viel Löbliches wird von Zeitgenossen über den „Hamburger Bach“ berichtet, der neben seinen künstlerischen Gaben auch einen feinen Humor besessen haben soll. Mit seiner Ehefrau Johanna Maria führte er ein gastliches Haus, das auch bedürftigen Künstlern stets offenstand.

Die Freie und Hansestadt Hamburg gedenkt in diesem Jahr des großen Sohnes mit Konzerten und vielen Veranstaltungen. Einer, der nicht genannt werden will, wir wissen auch nicht, warum, zeigt sich begeistert davon, dass „die Pfeffersäcke mal richtig in die Tasche gegriffen haben, um den Mann, der ja eigentlich ein Quittje (hamburgisch für Zugereister) war, anständig zu feiern“.

Das letzte Wort über CPE aber gebührt dem göttlichen Mozart: „Er ist der Vater, wir die Buben, wer von uns was Rechtes kann, der hat von ihm gelernt.“ Mein lieber Mozart nochmal, das ist mal ein Schlusswort. Mehr Lob geht nicht.

Weitere Informationen zum Jubiläumsjahr 2014
Sämtliche Veranstaltungen rund um das Bach-Jubiläum unter www.cpebach.de

Lesen Sie auch unsere Bachtipps zum Jubiläumsjahr


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