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Sehnsucht Deutschland - Film
Die Elf jubelt - Deutschland ist erstmals Weltmeister

Deutsche Legenden - Wir waren Wunder

Man kann sie nicht erklären – und sie geschehen doch. Das WUNDER VON BERN könnte man verklären, dabei war der erste Weltmeistertitel für eine deutsche Nationalmannschaft vor allem eines: eine sportliche Sensation.

Text: Johannes Ehrmann

Fotos: 3sat

Voller Einsatz im würdigen WM-Endspiel

Voller Einsatz im würdigen WM-Endspiel

Die Zeiger drehen sich nicht mehr, die Stadionuhr steht still. Ein eingefrorener Moment. Der berühmteste, den das Wankdorfstadion in Bern erlebt hat: Auf 40 Minuten steht der dickere Zeiger, auf 16 Sekunden steht der schmale, der Sekundenzeiger. Über dem Ziffernblatt ein schmaler Ausguck voller Menschen und die berühmte Longines-Werbung.

Darunter zwei Zahlen und zwei Wörter, 2 Ungarn, 3 Deutschland, das ist alles. 40 Minuten sind gespielt in der zweiten Halbzeit des WM-Endspiels 1954, als einer der Fotografen im Stadion dieses Motiv wählt. Fünf Minuten noch, dann ist die Sensation perfekt, der Sieg der deutschen Auswahl durch das Tor von Helmut Rahn, das Sekunden zuvor gefallen ist. Nie in seinem Leben, so erinnerte sich später der Jüngste der Deutschen, Horst Eckel, habe er so oft auf die Uhr geschaut wie in diesen letzten Minuten in Bern.

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Das Wankdorfstadion gibt es nicht mehr, sie haben es in die Luft gejagt und an seiner Stelle das Stade de Suisse gebaut, eine dieser modernen Arenen, in denen man keine Regenschirme mehr aufspannen muss. Die alte Uhr aber gibt es noch, analog zum Foto ist sie auf die 86. Minute gestellt. Der Moment hat überlebt. Bern.

Das Wunder. Und schon weiß jeder, in der Schweiz, vor allem aber in Deutschland, was gemeint ist. Aus heutiger Sicht schwer nachzuempfinden, was sich an diesem regnerischen Julitag ereignet, was sich da entladen hat. Wurden sie da wirklich wieder wer, die Deutschen? Durch ein einziges Tor? Was, wenn sie doch noch verloren hätten, Fritz Walter und seine Kameraden, wenn Keeper Turek nicht zum Fußballgott geworden wäre, wie Reporter Herbert Zimmermann rief? Wäre der Aufschwung nicht trotzdem weitergegangen, der millionste Käfer nicht doch produziert worden?

Die Helden
Der 4. Juli 1954 sei der eigentliche Gründungstag der BRD gewesen, so sagte später Joachim Fest, und es ist schwer, gegen die Urteile solch eminenter Historiker anzukommen. Eine Sehnsucht hat es zweifellos gegeben, damals, neun Jahre nach Kriegsende: nach Normalität, einem Dach über dem Kopf, Arbeit und genügend zu essen. Gleichzeitig war da immer noch die Schmach der Niederlage, die Zerstörung – in den Innenstädten und in der Seele. Die Suche nach einem Helden auch, einem unverfänglichen, unpolitischen.

Ihn fand man in der Figur des Fritz Walter, des stets fairen, stets bescheidenen Kapitäns von Sepp Herbergers Elf. Walter war der Mann aus dem Volke, er hatte den Krieg überlebt, der Fußball hatte ihn im Lager gerettet, so erzählte man sich, und auch als Fußballstar gab er sich noch wie ein normaler Mensch, und ins reiche Ausland würde er auch nie gehen, er hatte ja schon seine Frau Italia zu Hause.

Für keinen anderen Fußballer würden die Deutschen je wieder solch eine alles umfassende, ungetrübte Zuneigung entwickeln, am ehesten vielleicht noch für Uwe Seeler, nur wurde der nie Weltmeister.

Der Geist von Spiez
Wunder kann man nicht erklären, und doch geschehen sie hin und wieder, das ist ja das Schöne am Fußball. Weil aber jedes große Spiel seine Einordnung braucht, wurde also auch Bern verklärt, in Dutzenden Rückschauen und Büchern, 50 Jahre später noch in einem Kinofilm, aber die Story war immer die gleiche: Elf Außenseiter zwingen den übermächtigen, den unbezwingbaren Gegner in die Knie, und das nur mit viel Einsatz, (friedlicher) Kameradschaft und unter gütiger Mithilfe des Geistes von Spiez.

Böse Geschichten von leeren Ampullen und rätselhafter Gelbsucht im Team wurden jahrzehntelang überhaupt nicht beachtet. Heute gehen Experten davon aus, dass in den Röhrchen nicht nur Vitamin C war. Egal, eine Dopingliste gab es ohnehin noch nicht. Der Legende von Wankdorf wird das nichts mehr anhaben können. Sie ist nicht mehr umzustoßen. Die Zeiger der Uhr stehen still. Auch 60 Jahre später halten sie ihn noch fest, diesen ersten großen Moment des deutschen Fußballs, denn das war er ja in jedem Fall.


Ein Wunder in Rio...
Das Wunder von Rio 60 Jahre nach dem Wunder von Bern findet vom 12. Juni bis 13.Juli 2014 in Brasilien die 20. Fußball-Weltmeisterschaft statt. Das Finale wird am 13. Juli um 21 Uhr in Rio de Janeiro angepfiffen. Noch nie hat eine europäische Mannschaft eine Weltmeisterschaft auf den amerikanischen Kontinenten gewinnen können. Wir drücken Joachim Löw alle Daumen für das große Ziel, das Wunder von Rio. Und wenn es nichts wird, schauen wir auch.

In der Vorrunde spielen die Deutschen wie folgt:
16. Juni gegen Portugal, 18 Uhr

21. Juni gegen Ghana, 21 Uhr

26. Juni gegen die USA, 18 Uhr




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