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Die Stadt derr Städte - New York City

Heimat im Ausland - I love NY Black Forest

Uns laust der Kuckuck. Mitten in New York, im Big Apple, hat der Schwarzwald eine neue − inoffizielle − Botschaftsvertretung. Das Black Forest Brooklyn ist eine Hommage an die geliebte Heimat.

Text: Carolin Bassenge

Fotos: Shutterstock/Evgeny Dubinchuk; Black Forest Brooklyn

Ein Stück Schwarzwald in New York

Ayana und Tobias Holler haben ein Stück Schwarzwald nach NY geholt

Ayana und Tobias Holler haben ein Stück Schwarzwald nach NY geholt

Da geht man nichts ahnend in einer fremden Stadt durch die Straßen, immer auf der Suche nach besonderen Adressen, und auf einmal steht man vor einem Lokal, das verdächtig an die eigene Heimat erinnert. Black Forest Brooklyn, das ist sogar für Hinterwäldler mit begrenzten Fremdsprachenkenntnissen klar als Hinweis auf den Schwarzwald zu deuten. Und den gibt es halt nur einmal auf der Welt. In Deutschland. Eigentlich.


Und der Namensrest, ja, das ist so eine Sache mit der Kneipe. Sie steht nämlich – nur getrennt durch den Nordatlantik – tausende Kilometer weit weg von Freiburg im Breisgau. Und zwar in den Vereinigten Staaten von Amerika, genauer eben im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Ich bin auf Reisen, will Fremdes entdecken, aber jetzt muss ich mal kurz gucken. Also schnell rein, und siehe da, an den Wänden ticken Kuckucksuhren, lange Holztische und Bänke machen Lust auf typische German Gemütlichkeit mit regionalen Spezialitäten, die für die vielen New Yorker aus der Nachbarschaft hier natürlich und zu Recht als Exoten aus „good old Germany“ durchgehen.

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Es gibt aber auch so ziemlich alles, was dem Schwarzwald, insbesondere dem südlichen, den Ruf einer Genießerregion eingetragen hat: Flammkuchen und Schinken, handgeschabte Spätzle und Schnitzel, Schwarzwälder Kirsch und roten Bollenhut. Pardon, Letzterer ist kein Pilz, den man ohnehin nicht essen könnte, sondern die traditionelle Kopfbedeckung lediger Schwarzwaldmädl aus dem Gutacher Raum. Hier ziert die Hübsche mit dem flotten Hut das moderne Designlogo des Lokals.


Aber wie kommt der Schwarzwald nach Brooklyn? Dafür ist das Ehepaar Holler verantwortlich. Beide jung und attraktiv, voller Ideen und Abenteuer. Tobias (39), in Pfaffenweiler südlich von Freiburg aufgewachsen, kam vor rund elf Jahren in den Big Apple. Ayana (33) stammt aus Sulzburg. Kennengelernt haben sich die beiden aber erst vor gut drei Jahren in New York, der Stadt, die niemals schläft und wo nichts nicht möglich ist. Zufall? Schicksal?


Auf alle Fälle gut, denn es folgte eine typische Liebesgeschichte mit gutem Ausgang. Treffen, verlieben, heiraten und noch bevor sie an Familienplanung dachten, kam ihnen die Idee, neben dem Ehegatten ein weiteres Stück Heimat in New York zu etablieren, ein Schwarzwald-Lokal sollte es sein. Fertig war das gröbste Grundkonzept. Von Gastronomie hatte das Paar keine Ahnung. Holler arbeitete als Architekt, seine Frau als Dokumentarfilmerin und Drehbuchautorin. „Die Kneipe ist unser zweites Standbein“, sagten sie. Und ein paar alte, wohlgehütete Rezepte aus dem Fundus der badischen Großmutter sollten dabei helfen.


Im Mai 2013 begann die tatsächliche Planung. Vier Monate lang wurde nach den Vorstellungen der Hollers und auch unter Verwendung vieler alter Baustoffe gearbeitet, dann war aus einer ehemaligen Arztpraxis ein Raum entstanden, der wie ein großes gemütliches Schwarzwaldwohnzimmer mit angrenzendem glasüberdachten Biergarten anmutet. Bis zur Eröffnung kam es zu Verzögerungen, die die Hollers bestmöglich ausgefüllt haben, inzwischen sind sie nämlich Eltern geworden. Ende 2013 starteten sie dann mit 16 Mitarbeitern und einer Abendkarte. Seitdem ist jeden Tag volles Haus.


Nachhausekommen

„Wir wollen ein Nachbarschaftszimmer werden, wo sich alle treff en können“, träumt Ayana Holler. Selbstredend, dass Kuckucksuhren, Schwarzwaldbilder und alle anderen Einrichtungselemente Originalstücke aus der Heimat sind. „Jedes Mal beim Nachhausekommen sieht man wieder, wie wahnsinnig schön es in Freiburg und Umgebung ist. Das vergisst man manchmal, wenn man so weit weg von der Heimat lebt.“ Insbesondere dann, wenn man in einer der größten, aufregendsten Städte der Welt lebt, deren Straßenzüge so ziemlich den größtmöglichen Kontrast zu den beschaulichen Tälern und Hügeln des Schwarzwalds bilden.


Mittagessen, Kaffee und selbst gebackene Kuchen soll es nach einer Testphase auch noch geben, vielleicht sogar Frühstück. 14 Biere aus Deutschland gibt es schon, alle nach dem Reinheitsgebot gebraut, dazu feine Obstler und Schnäpse, Weine, vieles aus Südbaden. Leider, so die beiden, fließt noch kein Schwarzwälder Bier. Der Grund ist schlicht: Es ist in den USA nicht erhältlich. Die Hollers wünschen sich jedoch sehr, bald wenigstens die legendären Tannenzäpfle der nicht minder legendären Schwarzwaldbrauerei Rothaus in das Sortiment aufnehmen zu können. Vielleicht liest man dort diese Geschichte und traut sich aus der beschaulichen Welt des Schwarzwalds über den großen Teich. So wie die Hollers es vorgemacht haben. Und wenn es am Anfang nur mit ein paar Kisten ist.


Und auch eine andere „typisch deutsche“ Eigenschaft wird man im Black Forest Brooklyn erleben dürfen: Public Viewing während der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Dann spielt Deutschland mit dem Schwarzwälder Jogi Löw im vielleicht entscheidenden Vorrundenspiel der Weltmeisterschaft gegen die USA mit deren Trainer Jürgen Klinsmann, der ebenfalls ein Württemberger Junge ist. Also, falls Sie in New York sein sollten: Das Spiel findet am 26. Juni statt. Ein Donnerstag im Schwarzwald. In New York auch. Und bis dahin vielleicht mit einem Tannenzäpfle.


Black Forest Brooklyn
Schwarzwald in Brooklyn.
Noch ohne Rothaus, aber mit ganz viel Heimat im Herzen.
733 Fulton Street, NYC 11217
www.blackforestbrooklyn.com

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