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Sehnsucht Deutschland - Film
Schatzsuche im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern

Geocaching - immer der Nadel nach

Über 600.000 Schätze haben Geocacher in Deutschland versteckt. Aber was hat es auf sich mit der Schatzsuche auf moderne Art? In Mecklenburg-Vorpommern hat Janika Ewers es ausprobiert und hängt seitdem mit beiden Augen an der Nadel.

Text: Janika Ewers

Fotos: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

Auf Schatzsuche in Mecklenburg-Vorpommern

Unerlässlich beim Geocaching - das Smartphone samt App

Unerlässlich beim Geocaching - das Smartphone samt App

Wie kleine Gollums – die Kreatur, die in Tolkiens Herr der Ringe dem Schatz verfallen ist – stürzten wir als Kinder durch den Wald. Tollten umher, lugten hinter Steine und ertasteten todesmutig hohle Baumstümpfe. Immer das Ziel vor Augen, den Schatz zu heben. Schatzsuche? Das ist doch Kindergeburtstag, möchte man als Erwachsener meinen. Warum eigentlich? Schokokuchen mit Smarties und Gummibärchen schmeckt schließlich auch alterslos gut. „Mein Schatzzz“, gollumt es in mir. Die Fährte führt in den Müritz-Nationalpark. Auf dem Wald-Erlebnis-Pfad Serrahn soll ein Schatz verborgen sein. Aufspürbar per Geocaching – eine moderne Form der Schnitzeljagd. Smartphone gezückt, App installiert, und schon kann es losgehen. Mein Handy funkt ab jetzt im Kompassmodus.

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Smartphone zücken, App installieren und losgehen

Es knackt und raschelt. Unter meinen Füßen federt der weiche Waldboden. Schritt für Schritt dringe ich tiefer in den Wald. Mein Blick ist auf den Kompass gerichtet. Leicht nach links schwenkt die Nadel. Nach links? Sicher? Oberstes Gebot: Immer auf den Wegen bleiben. Aber links ist kein Weg. Ich stocke. Bin ich richtig? Habe ich doch etwas falsch gemacht? Vorsichtig gehe ich weiter, die Nadel zeigt noch immer nach links. Endlich tut sich eine Wegbiegung auf. Insgesamt 322 Quadratkilometer ist der Müritz-Nationalpark groß. 62 Quadratkilometer misst das östlich von Neustrelitz gelegene Teilgebiet Serrahn – weniger stark besucht als der Hauptteil am Ostufer der Müritz, dafür ruhig und beschaulich. Der ideale Ort, um unentdeckt einen Schatz zu heben. Unentdeckt von Muggeln, wie Geocacher Nicht-Schatzsucher nennen.

Es ist noch früh, der Wald hüllt sich in Schweigen, Nebel wabert mystisch zwischen den Bäumen umher. Der Müritz-Nationalpark gleicht einem Zauberwald. Ich meine Feen auf einer Lichtung tanzen und freche Kobolde hinter umgefallenen Stämmen herumtollen zu sehen. Vor Tausenden von Jahren breitete sich die Rotbuche in der Region aus. Doch der Mensch machte sich die Natur untertan, rodete die Wälder für Weideflächen und Ackerland. Erst Jahrhunderte später wurde das Gebiet, vor allem mit Kiefern, wieder aufgeforstet und dann von der Rotbuche zurückerobert. Für diese Naturbelassenheit wurde der Buchenwald von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

Während ich mich Wegpunkt für Wegpunkt meinem Schatz nähere, durchschreite ich die Entstehungsgeschichte des Mecklenburger Urwalds, den der Mensch inzwischen wieder weitestgehend sich selbst überlässt. Mal sehe ich Tolkiens Gollum auf einem umgefallenen Baum hocken. Schütteres, strähniges Haar hängt von seinem großen Kopf herab, der auf seinem ausgemergelten Körper thront. Mit glubschigen Augen blickt er suchend umher. Die Kreatur greint vor Glück, dem Schatz ganz nah zu sein. Auf der anderen Seite des Sees angekommen, schleiche ich aufmerksam wie ein Luchs durch das Revier.

Der Dunst steigt empor und löst Kopfkino aus

Meine Augen sondieren das Terrain. Weit oben oder nah am Boden? Tolkien‘sche Schatzbesessenheit ergreift von mir Besitz … Mein Schatzzz, wo bist du? Weit kann er nicht sein. Die Koordinaten sind auf 10 Meter genau. Er muss hier irgendwo liegen. Und dann sehe ich das Versteck. Gollum macht einen Satz, wir greifen nach der Schatzkiste. Ich halte sie in der Hand, öffne sie und finde ... keinen Ring. In der Dose liegt – wie es beim Geocachen üblich ist – ein kleines Notizbuch, in dem ich mich als stolze Finderin verewigen kann.

Im Kriechschritt trollt sich Gollum auf Händen und Füßen mit gebeugtem Rücken – und macht sich schon wieder auf den Weg, den nächsten Schatz zu finden. Ich nehme seine Fährte wieder auf. Sie führt mich auf den Nesselberg in Waren an der Müritz. Wieder hänge ich mit beiden Augen an der Nadel. Verfolge jeden Ausschlag, wende mich nach links, dann nach rechts, laufe treppauf, treppab. Am Ende finde ich statt der ersehnten Kiste einen ganz anderen Schatz.
Ein historischer Wasserturm ragt zwischen den Bäumen empor. Müden Schatzsuchern bietet er ein abenteuerliches Quartier. Anfangs nur von einigen schräg beäugten Trendsettern wahrgenommen, um das Schöne, bisher Unentdeckte aufzuspüren, hat Geocaching den Weg in die vorderste Reihe der mehrwerten Freizeitaktivitäten geschafft . Auch mich hat das Schatzfieber gepackt. Ich merke, wie der Gollum in mir vor Jagdfieber zittert, nicht lockerlässt und schon den nächsten Schatz anpeilt. Von der Nadel geleitet, allein unterwegs in der Natur, diese Form der Schnitzeljagd ist wahrlich nicht bloß Kindergeburtstag.


Geocaching Schritt für Schritt

1. Als Geocacher im Internet registrieren.

2. Einen Schatz in der gewünschten Region auswählen.

3. Technisches Hilfsmittel wählen: ein GPS-Gerät verwenden oder Geocaching-App auf dem Smartphone installieren.

4. Koordinaten eingeben und Schatzsuche starten.

5. Schatz gefunden? Ins Buch vor Ort und online als Finder eintragen.

Tipp: Falls das GPS-Signal doch mal schwächelt, können auf den Weg gestreute Brotkrumen vor dem Verlaufen schützen.


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