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Sehnsucht Deutschland - Film
Schauspieler Hannes Jaenicke ist in der gleichnamigen ZDF-Doku im Einsatz für Eisbären

Nachgefragt: Hannes Jaenicke im Interview

Für Tiere und Umwelt macht er weltweit die Klappe auf, legt Finger in Wunden und nutzt seine Popularität als Schauspieler, um mit drastischer Wort- und Bildsprache aufzurühren. Und Hannes Jaenicke findet immer mehr Gehör, zum Beispiel bei uns.

Text: Sehnsucht Deutschland-Redaktion

Fotos: Robert Recker/Verlagsgruppe Random House GmbH; ZDF/Sven Bender

Laut und unbequem

Schauspieler, Frauenschwarm und Umweltaktivist Hannes Jaenicke

Schauspieler, Frauenschwarm und Umweltaktivist Hannes Jaenicke

Hannes Jaenicke ist ein Frauentyp. Kernig, kantig und geradeheraus. Der 54-Jährige ist auf angenehme Art und Weise widersprüchlich. Er raucht, fährt Motorrad, ist Vegetarier – keiner für eine Schublade. Deshalb ist er auch bei Männern ziemlich populär. Und man hört hin, wenn der am Ammersee lebende Globetrotter mit drastischen Büchern und schockierenden TV-Dokus als unbequemer Umweltaktivist auf die Füße derjenigen steigt, die unsere Welt mit den selbigen treten. Also, Ohren auf!

Warum Ammersee?
Das Wasser, die Ruhe, das Landleben. Und meine alte Lederhose.

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Was ist Glück für Sie?
Besagtes Glück zu haben. Und es zu genießen und zu teilen.

Vier Tage frei! Ein Kurztrip. Wohin, mit wem?
An die Nordsee zum Kite- oder Windsurfen, mit meinem Surfkumpel Dany.

Was sollte ein ausländischer Gast im Lande sehen?
Zum Beispiel die großartigen Museen, Theater, Opernhäuser, Orchester, Ballettkompanien. Außerdem alles, was an Vorkriegsarchitektur noch vorhanden ist. Eigentlich das ganze Land.

Und was auf keinen Fall probieren?
Fleischberge aus Massentierhaltung, die wir hierzulande so gern verzehren.

Was ist Ihr typisch deutsches Leibgericht?
Frankfurter Grüne Soße mit gekochtem Ei und Kartoffeln.

Worüber lachen Sie am liebsten?
Ich liebe den angelsächsischen Humor, lache aber auch über meine eigenen Unzulänglichkeiten.

Wen oder was mögen Sie gar nicht?
Humorlosigkeit, Spießigkeit, Fremdenfeindlichkeit, Neid, Missgunst, Häme und Schadenfreude. Den deutschen Autofetischismus und ca. 90 Prozent des hiesigen Fernsehprogramms.

Sie sind ledig. Glauben Sie an die Liebe?
Aber so was von. Woran soll man denn sonst glauben?

Was lieben Sie denn an den Frauen besonders?
Humor, Charme, Grazie, Schlagfertigkeit, Abenteuer- und Reiselust.

Sie drehen Filme und Dokus zum Thema Weltrettung. Nörgler sagen zynisch, Sie fliegen für den Klimaschutz. Ihre Antwort?
Die urdeutsche Nörgelei ignoriere ich so weit wie möglich. Dass wir hierzulande lieber über Gutmenschen schimpfen als über Schlechtmenschen, ist traurig genug.

Kennen Sie Deutschland? Wo finden Sie es besonders schön?
Mein Heimatland kenne ich gut. Und in jedem Bundesland habe ich Perlen und wunderschöne Orte entdeckt.

Alternative Energien? Ihre Meinung zu Windrädern, aus ökologischer, aber auch optischer Sicht?
Ich freue mich über jedes Windrad, das ich sehe oder das in meiner Nähe steht. Wollen wir wirklich fossile Brennstoffe verfeuern, bis die letzten Gletscher und die Polkappen verschwunden sind?

Sind Sie ein Kopf- oder ein Bauchmensch?
Beides. Oft mit unkoordinierter Wechselwirkung.

Ihr aktuelles Buch ist ein Bestseller und wird dennoch kritisiert als eine Aneinanderreihung von Plattitüden.
Ein berühmter US-Regisseur hat mal gesagt: „Der Unterschied dazwischen, Filme, Musik und Bücher zu machen und diese zu kritisieren, ist wie der Unterschied zwischen Geschlechtsverkehr und Onanie.“ Ich habe ehrlich gesagt lieber Geschlechtsverkehr.

Haben Querdenker wie Sie es leicht im Land?
Im Gegenteil. Aber nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Dazu fällt mir ein Zitat von Götz George ein: „Für Eigenwillige ist die Luft in Deutschland dünn. Man muss den Sauerstoff suchen.“ Ein kluger, wahrer Satz. Leider.

Setzen Sie sich auch für deutsche Umweltschutzprojekte ein?
Natürlich. Es ist wesentlich leichter, vor der eigenen Haustür zu kehren als vor einer afrikanischen oder asiatischen.

Was geht in Ihnen vor, wenn jemand seinen SUV vor dem Bioladen parkt?
Und das ja besonders gern in der zweiten Reihe ... Ich fahre innerlich an beiden Händen den Steinbrück-Finger aus. Dummheit und Verlogenheit sind leider nicht heilbar.

Häuptling Seattle vor 120 Jahren: „Erst wenn der letzte Fisch gefangen und der letzte Baum gefällt ist, wird der weiße Mann verstehen, dass man Geld nicht essen kann.“ Wird er recht behalten?
Natürlich. Das ist schlichte Logik. Man muss sich ja nur ansehen, was wir mit den Fischbeständen in den Meeren oder mit den Regenwäldern veranstalten.

Werden Sie wütend? Ist Wut ein guter Ratgeber?
Wut ist ein Segen und guter Antrieb. Aber zur Tat schreiten sollte man erst, wenn die Wut verraucht ist und man eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen kann.

Sind Sie bei allem, was Sie so erleben, noch Optimist?
Natürlich. Sonst würde ich den ganzen Kram doch gar nicht machen.

Wie bekommen Sie – auch auf Reisen – eine gute Ernährung hin?
Ich koche nie – und finde trotzdem immer was leckeres Vegetarisches zum Essen.

Kaufen Sie biologische Lebensmittel oder nach gesundem Menschenverstand?
Meine einfache Regel lautet: regional, saisonal, bio und fairtrade.

Welche Rolle nimmt das Internet bei Ihnen ein?
„No, I’m not on f...g facebook“, wie ein schönes US-T-Shirt besagt. Aber ich maile und skype viel. Und das Internet ist die beste Recherchequelle, die es gibt.

Was ist Ihr Lebensmotto?
„Der Kopf ist rund, damit man die Richtung des Denkens verändern kann.“

Wie alt würden Sie gerne werden?
Ist mir ehrlich gesagt egal. Wenn meine Zeit um ist, ist sie um.

Vervollständigen Sie bitte:
SEHNSUCHT DEUTSCHLAND ist ...

... eine feine Zeitschrift , die mir bis zu diesem Interview leider unbekannt war.


Lektüretipp 'Die große Volksverarsche' von Hannes Jaenicke
Wie Industrie und Medien uns zum Narren halten Ein Konsumenten-Navi.
Von Jaenicke lassen wir uns gerne wachrütteln, wenn es darum geht, die Machenschaften von skrupellosen Konzernen und deren Managern aufzudecken. Gammelfleisch, giftige Eier, Pseudo-Siegel – immer wieder werden wir mit neuen Enthüllungen konfrontiert. In seinem Buch blickt Hannes Jaenicke hinter die Kulissen von Industrie und Medien und deckt Tricks und Lügen auf. Spannend und provokant.
Gütersloher Verlagshaus
17,99 Euro

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