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Kulinarische Blogs - Küchentanz

Im Zeitalter des Internets verkörpern Foodblogs die Vielfalt eines Kochbuchs gepaart mit dem Charakter eines Tagebuchs. Hinter diesen Küchentagebüchern stehen Menschen, die sich täglich dem Kochen und Essen widmen. Ariane Bille hat diese Menschen in ihrem Projekt Kulinarische Momentaufnahmen – Die bunte Welt der Foodblogs porträtiert.

Text: Ariane Bille

Fotos: Ralf Bille, Ariane Bille

Interview mit Köchin und Bloggerin Eveline Exner

Kochverrückt und experimentierfreudig: Foodbloggerin Eveline Exner

Kochverrückt und experimentierfreudig: Foodbloggerin Eveline Exner

Eveline, wie hast du die Foodbloggercommunity für dich entdeckt?
Klein und fein, das war meine Vorstellung, als ich mich entschied, meine Ideen, Gedanken und Rezepte ganz eigenständig zu präsentieren. Mit meinem Blog Küchentanz möchte ich Appetit machen, anregen und über den Tellerrand des Kochens hinausschauen. Dazu gehört manchmal auch Unbequemes und Provokantes.

Woher kommt deine Faszination für Kochen und Essen und was reizt dich daran, deine persönlichen Kocherlebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen?
Kochen machte mir schon als Kind Spaß. Und es war auch notwendig, da wir nach heutigen Begriff en arm waren, auch wenn wir uns nie so fühlten. Meine Schwester und ich kochten unser Essen nach der Schule selbst. Wir hatten einen Garten mit viel Gemüse und Obst. Wir haben immer fantastisch gut gegessen, auch weil meine Mutter so eine tolle Köchin war, die uns am Wochenende richtig verwöhnte. Der Reiz der Öffentlichkeit? Den empfinden wohl alle Blogger ähnlich: Voraussetzung ist eine gehörige Portion Selbstdarstellungsdrang und Eitelkeit sowie Stolz auf die eigenen Rezepturen und ein gewisses pädagogisches Sendungsbewusstsein. Ich freue mich, wenn meine Rezepte nachgekocht werden oder wenn ich jemanden dazu animiere, kochverrückt zu werden.

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Wie definierst du bewusstes Essen für dich?
Ich bringe es gerne so auf den Punkt: Ich esse lieber eine frisch gekochte Kartoffel mit Butter vom eigenständigen Bioproduzenten als eine Garnele vom Discounter. Supermärkte mögen ja als Nischenprodukte auch gute regionale und biologische Lebensmittel anbieten. Aber alleine das Überangebot an Waren in Supermärkten führt zu gigantischen Lebensmittelvernichtungen. Und die starke Marktposition der Supermarktkonzerne übt gewaltigen Preis- und Produktionsdruck auf Bioproduzenten aus. Daher finde ich es wichtig, vor allem Frischprodukte nur bei eigenständigen Produzenten, die einfach naturnah arbeiten, einzukaufen, sich bei Fleisch, Eiern und Milchprodukten über die Tierhaltung zu informieren, sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammenzuschließen und Frischprodukte möglichst regional zu kaufen.

Kochbücher oder Foodblogs was inspiriert dich besonders zu eigenen Rezepten?
Essen bei Köchen mit eigenem Stil inspiriert mich am meisten. Wenn sie auch ein gutes Kochbuch veröffentlicht haben, kaufe ich mir dieses. Ich kann aber auch ganz gut komplizierte Gerichte, die ich in einem guten Restaurant esse, geschmacklich analysieren und nachkochen, ohne dafür eine Rezeptur bekommen zu haben. Dann variiere ich das Ganze gerne und mache mein eigenes Ding draus.

Du nennst dich selbst eine kochverrückte Amateurin. Wie unterscheidest du Hobby- von Amateurköchen?
Amateurin im ursprünglichen Wortsinne: Ich liebe das Kochen. Dazu kommt das Verrückte. Wenn ich ein Menü plane, habe ich im Halbschlaf Rezeptideen (und zwar nicht die schlechtesten!). Ich finde es vergnüglich, insgesamt so acht bis zehn Stunden zu planen und zu kochen, um gleichgesinnten Freunden ein Menü zu servieren, das im Bereich meiner Fähigkeiten möglichst gut schmeckt. Dieses Streben nach Perfektion habe ich nur beim Kochen. Das belächeln viele oder sie finden mich deswegen überheblich, weil ich das auch offen sage. Aber nach Perfektion streben heißt ja, dass man weiß, dass man es nicht ist. Es ist für mich faszinierend, dass mehr Aufwand und Sorgfalt nicht immer zu besseren Ergebnissen führen. Manchmal liegt die Annäherung an Perfektion auch im Weglassen von Überflüssigem.

Küchentanz, das klingt nach Spaß in deiner Küche. Wie oft und zu welcher Musik kann man dich tanzend kochen sehen?
Musik ist besonders wichtig, wenn ich etwas aufwendiger koche. Ich mag Blues, Soul, Jazz, Avantgarde, Weltmusik, moderne und romantische Oper. Küchentanz ist nur ein Symbol für meine Freude am Kochen, die mich auch nach einem schwierigen Arbeitstag beschwingt. Echt getanzt wird ganz selten, meist spät nachts mit meinem Mann, wenn die Gäste gegangen sind.


Über Blogautorin Eveline Exner
„Rund um bewussten Genuss bewegt sich mein Küchentanz. Meine Kochverrücktheit lebe ich überwiegend mit regionalen, ökologisch und ethisch einwandfreien Produkten aus. So verwurzelt ich bei der Wahl meiner Rohstoffe bin, so neugierig und offen bin ich beim Experimentieren und Kochen.“


Rezept: Maroni-Schokoladen-Semifreddo mit Whiskysoße

Zutaten für die Soße:
1 Bourbonvanilleschote, 200 ml leichter Zuckersirup, Whisky nach Geschmack
Semifreddo:
3 Eier, 100 g Zucker, 1 Prise Vanillesalz, 1 EL milder, nicht torfiger Whisky, 20 g Bitterschokolade, 250 ml Sahne, 400 g Kastanienpüree
Dekoration:
Walnusskrokant, Schokoladengitter

Zubereitung:
Für die Soße die Vanilleschote auskratzen. Schote und Inneres zusammen mit Zuckersirup und Whisky erhitzen, über Nacht ziehen lassen, abseihen. Eier mit der Hälfte des Zuckers, Vanillesalz und Whisky warm schaumig und weiß schlagen. Einen kleinen Teil (3 EL) der Masse zur Seite geben. Bitterschokolade schmelzen und mit diesem Eischaum vermengen. Abkühlen lassen. Die Sahne schlagen, davon 4 EL abzweigen und unter die kalte Schokomasse heben. Anschließend in Spritzbeutel füllen.

Das Kastanienpüree mit dem Ei-Zucker-Schaum und der Sahne vermengen, in Halbkugelform anfrieren, dann etwas aushöhlen. Mit Bitterschokoladenmousse füllen, durchfrieren. Die Halbkugeln auf etwas Krokant stürzen, mit Schokoladengitter dekorieren und mit der Soße servieren.




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