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Sehnsucht Deutschland - Film

Schlösserreise Mecklenburg-Vorpommern: Prinzessin auf Zeit

Gutshäuser, Schlösser und Jagdsitze zieren Mecklenburg-Vorpommern von der Küste bis weit ins Binnenland, sie sind das Vermächtnis der ehemaligen Großherzöge von Mecklenburg und vermitteln Besuchern bis heute das Gefühl vom höfischen Leben anno dazumal.

Text: Janika Ewers

Fotos: Staatliches Museum Schwerin, FerienGut Dalwitz

Frischer Wind in alten Gemäuern

Frühes Aufstehen wird auf dem FerienGut Dalwitz mit schönen Aussichten belohnt

Frühes Aufstehen wird auf dem FerienGut Dalwitz mit schönen Aussichten belohnt

Ich habe einen Kleinmädchentraum, der mich gelegentlich beglückt. Darin bin ich eine Prinzessin. Neulich war er wieder da. Diesmal – kaum dem Bett entsprungen – will ich meine Sehnsucht endlich stillen. Praktisch, dass das Schlösserparadies Mecklenburg-Vorpommern mit über 2.000 Schlössern, Guts- und Herrenhäusern quasi vor meiner Hamburger Haustür liegt. Ein Viertel öffnet seine renovierten Tore auch für Besucher und in zahlreichen kann eine Möchtegernprinzessin wie ich sogar eine standesgemäße Bettstatt finden.

Mein erstes Ziel ist Schwerin. Mitten im See thront das einstige Residenzschloss der Mecklenburgischen Großherzöge auf einer Insel. Ein Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts machte es zu eben jenem Zeugnis des romantischen Historismus, das sich nun vor mir erhebt. Ich schreite auf das imposante Gebäude zu, halte inne, schaue auf und staune: Was für ein Prachtbau! Die goldene Kuppel funkelt in der Sonne, fast scheint es, als hätten die Architekten dem Schloss eine Krone aufgesetzt. Bereits im Mittelalter hatte der Wendenfürst Niklot hier seine Burg, wurde jedoch von Heinrich dem Löwen im 12. Jahrhundert besiegt und vertrieben. Im 14. Jahrhundert gelang es einem Nachfahren Niklots, die Grafschaft Schwerin durch Kauf zurückzuerwerben. Die Dynastie war gesichert und der Grundstein für das Fürstentum Mecklenburg gelegt.

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Ich glaub, ich träum schon wieder...

Andächtig steige ich in die Beletage hinauf, hier war einst die Herzogin zu Hause. Ganz in seinen Bann zieht mich das Blumenzimmer, das sich in einem der Schlosstürme befindet. Durch die vielen Fenster des runden Raumes schweift mein Blick über den See und den blumenprächtigen Schlossgarten. Im Geschoss darunter hatten die Kinder ihre Gemächer. Vor ihren Zimmerfenstern standen kleine Treppen, damit sie in diesen schönen Garten hinausklettern konnten. Ich glaub, ich träum schon wieder …

Mit einem Mal sehe ich mich dem Schlossgeist gegenüber, auf eine alte Schranktür gemalt, grüßt er von der Wand. Das zwergenartige Petermännchen belohnt gute Taten, aber wehe dem, der Böses tut. Mit Ohrfeigen und anderen Strafen ist es nicht zimperlich. Als Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg von Kaiser Ferdinand II. mit dem Herzogtum Mecklenburg belehnt wurde, machte er sich auf nach Schwerin. Doch seine Nachtruhe soll der Zwergengeist so erfolgreich gestört haben, dass der Feldherr schon am nächsten Morgen das Schloss verließ und nach Güstrow weiterzog.

Das dortige Schloss Güstrow mag kleiner sein als die Residenz in Schwerin, auf mich wirkt das Renaissancebauwerk aber nicht minder herrschaftlich. Immer wieder fallen mir die Ahnenreihen und Wappen auf, die Herzog Ulrich im 16. Jahrhundert im Schloss verewigt hat. Ich denke wieder an Niklot, den Urvater der Herzöge von Mecklenburg. Als er damals flüchtete, wurde er vom Feind umstellt. Es war Ritter Bernd von Bassewitz, der ihm auf der Fährte eines Keilers aus der Umzingelung geholfen haben soll. Der Basse, ein starkes männliches Wildschwein, ziert seither sein Familienwappen. Vor dem Gutshaus der Familie von Bassewitz in Dalwitz säumen bis heute zwei mächtige Keiler das Eingangstor. Aber nicht nur die Geschichte mit dem Keiler verbindet die Familie mit dem einstigen Fürsten Niklot. Auch ihr Schicksal zeigt Parallelen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Heinrich Graf von Bassewitz 1945 enteignet und musste sein Gut fluchtartig verlassen. Wie einst bei Niklot gelang es den Nachfahren Jahre später, den Familiensitz zurückzukaufen.

"Futter rein, Gas raus"

Anfangs wurden dem ambitionierten Enkel, ebenfalls Heinrich Graf von Bassewitz, und seiner Frau Lucy nur Grünflächen zum Kauf angeboten. Sie nahmen, was sie bekamen, und machten daraus, was sie aus Lucys Heimat Uruguay kannten: Estanzia, Rinderzucht in Freilandhaltung. Inzwischen werden auch Pferde – südamerikanische Criollos –, Schafe und Hühner gehalten. Alles Bio, versteht sich. Das Fleisch wandert in Supermärkte, Babynahrung und als Entrecote oder Rumpsteak auf die Teller der Remise, des Hofrestaurants auf Gut Dalwitz. Wie viele Landwirte setzt Heinrich von Bassewitz zusätzlich auf die Energiewirtschaft. Windrädern kann er nichts abgewinnen, der Graf macht in Biogas.

Wie die Anlage funktioniert? „Ganz einfach, wie der Pansen einer Kuh. Futter rein, Gas raus“, erklärt er in Sendung-mit-der-Maus-Manier. Um durch die 30 Tonnen Mais pro Tag vertilgenden Anlagen keine Monokulturen zu fördern, füttert er seinen künstlichen Kuhmagen mit dem, was auch dessen natürliches Vorbild frisst: Gras. In Ergänzung dazu nimmt er den Mist seiner Kühe, Pferde und Schafe. Nur noch 30 Prozent Mais muss er der Anlage zufüttern. Gesetztes Ziel ist es, auch auf diesen Rest verzichten zu können und einen gänzlich geschlossenen Kreislauf auf dem Gut zu erreichen. Mit diesem Nachhaltigkeitsansatz schützt der Graf das Land und Erbe seiner Vorfahren, der Großherzöge von Mecklenburg, damit auch seine Nachfahren noch lange seinen Traum und den seines Großvaters vom beschaulichen Leben in ländlicher Idylle weiter leben können.

Mich hat die frische Landluft müde gemacht. Über knarzende Stufen steige ich zum Turm des Gutshauses hinauf, beziehe mein Nachtquartier und träume stilecht meinen Prinzessinnentraum zu Ende.

© Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Bernt Hoffmann © Staatliches Museum Schwerin © FerienGut Dalwitz © FerienGut Dalwitz

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