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Sehnsucht Deutschland - Film
Curd Jürgens und seine Frau Simone waren gern gesehene Gäste in Kultur und Politik

Deutsche Legenden Curd Jürgens

Er war einer der aufregendsten Männer der jungen Bundesrepublik: Curd Jürgens, der gut einen Meter neunzig große Hüne mit den breiten Schultern und der sinnlich-rauchigen Stimme. Am 13. Dezember 2015 wäre der lässigste deutsche Filmstar hundert Jahre alt geworden.

Text: Uta Buhr

Der letzte Teufelskerl

Curd Jürgens war ein Genießer in jeder Hinsicht

Curd Jürgens war ein Genießer in jeder Hinsicht

Was hat der, was ich nicht habe?“, pflegte mancher Ehemann mit kaum verhohlenem Neid zu fragen, wenn die Gattin von dem Kinohelden schwärmte. „Fast alles“, wird manche gedacht haben. Dabei hatte die Karriere des 1915 in München geborenen Jürgens ganz langsam begonnen. Der selbstbewusste junge Mann, der aus einer wohlhabenden Familie stammte, musste sich zunächst mit Rollen in seichten Unterhaltungsfilmen zufriedengeben. Wiener Mädeln war einer jener harmlosen Streifen, mit denen die braunen Machthaber 1944 das kriegsmüde Publikum bei der Stange zu halten versuchten.

Obgleich Regisseur Willi Forst Jürgens empfohlen hatte, mit seiner politischen Meinung hinterm Berg zu halten, legte der sich mit einem hochrangigen Nazi an und landete prompt im Straflager. „Klappe halten war noch nie mein Ding“, soll er später einmal gesagt haben. Seine Flucht aus dem Lager war ein Husarenstück und absolut filmreif.

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Curd Jürgens, Dandy und Liebhaber vom Dienst des deutschen Films, war ein gefundenes Fressen für die Regenbogenpresse. Irritiert fragten sich selbst seine Fans, womit er denn mehr glänzte – mit seinen Filmen oder den vielen Affären mit den schönsten Frauen jener Zeit. Besonders temperamentvoll gestaltete sich die Ehe mit der einmaligen Ungarin Eva Bartok. Als das Temperament der Bartok Untertassen zum Fliegen brachte, trug Jürgens es mit Fassung und wechselte zur nächsten Partnerin. Er habe ebenso wie der von ihm verehrte Oscar Wilde einen ganz einfachen Geschmack, ließ er das Publikum wissen. Ihm gefalle einfach immer nur das Beste. Voilà!

Seinen weltweiten Ruhm als grandioser Schauspieler begründete Curd Jürgens 1955 als General Harras in dem Film Des Teufels General. Im dem Streifen zugrunde liegenden Theaterstück gleichen Namens zeichnet Autor Carl Zuckmayer das Leben des berühmten Jagdfliegers Ernst Udet nach, der durch seine kritische Haltung gegenüber Hitler in Ungnade fiel und zum Suizid gezwungen wurde. Die Rolle des unbeugsamen, seinem Gewissen verpflichteten Generals war Curd Jürgens auf den Leib geschrieben und machte ihn über Nacht zum Weltstar. Von Stund an rissen sich die internationalen Filmstudios um ihn.

Besonders angetan hatte der „normannische Kleiderschrank“ es den Franzosen, zumal Jürgens ihre Sprache perfekt beherrschte. Seine Mutter war Französin und hatte ihn und seine beiden Schwestern zweisprachig erzogen. Mit der Sexikone Brigitte Bardot drehte er …und immer lockt das Weib, ein völlig belangloses Filmchen, das aber wegen der beiden hinreißenden Darsteller zum Kassen- und Publikumsschlager wurde.

In der Folgezeit wechselten hochdramatische Stoffe – unter anderen Der längste Tag, Lord Jim und Bis unter die Haut – sich mit Schmonzetten wie Der Kongress amüsiert sich und seichten TV-Serien ab. Selbst für einen Edgar Wallace war der Superstar sich nicht zu schade. Jürgens’ Luxusleben, seine Wohnungen und Häuser in Amerika und an der Côte d’Azur mussten bezahlt werden. Sein Image als großzügiger Gastgeber hatte seinen Preis. Indessen stand es um seine Gesundheit nicht gut. Das Herz des so kraft voll wirkenden Mannes war seinem umtriebigen Leben nicht gewachsen. Nach verschiedenen Operationen bekannte er einmal freimütig, ein kurzes erfülltes Leben sei ihm lieber als ein langes langweiliges.

Zu ganz großer Form lief Curd Jürgens noch einmal 1975 nach der Vollendung seines 60. Lebensjahres auf, als er sich vor das Mikrofon stellte und in seinem unverwechselbaren Timbre das Lied „60 Jahre und kein bisschen leise. 60 Jahre und kein bisschen weise“ zum Besten gab. Der Text wurde von ihm mehr gesprochen als gesungen. Dennoch wurde die Platte zu einem Riesenerfolg und die beiden kurzen Sätze Kult – bis zum heutigen Tag.

Als Curd Jürgens 1982 im Alter von nur 67 Jahren bei Dreharbeiten in Wien starb, trauerte nicht nur Deutschland um seinen Weltstar. Während der Beisetzung auf dem Wiener Zentralfriedhof flog die österreichische Luftwaffe eine Ehrenformation über seinem Grab. Dem kernigen Mimen hätte diese letzte Inszenierung sicherlich gut gefallen.

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