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Sehnsucht Deutschland - Film
Die seenreiche Voralpenlandschaft wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit erschaffen

Chiemgau - das bayerische Wasserparadies

Wer Seeluft schnuppern will, ist im Chiemgau genau richtig. Nicht nur den Chiemsee, ugs. auch als das „Bayerische Meer“ bekannt, sondern dutzende Seen und viele kristallklare Flüsse warten auf ihre Entdeckung.

Text: Monika Hippe

Fotos: Ökomodell Achental e.V.; Chiemsee Alpenland/Florian Werner

Seeluft im Chiemgau

Das Achental aus der Vogelperspektive

Das Achental aus der Vogelperspektive

Auf dem Wasser rangeln die Segel mit dem Wind. Wellen klatschen an den Bug und Bootsleinen klackern gegen die Masten. Dazu schreien Möwen um die Wette. Wären da nicht die mächtige Kampenwand und der stolze Hochgern, sondern allein die Geräusche – man würde sich fast wie an der Nordsee fühlen. Zu Recht hat der Chiemsee den Spitznamen „Bayerisches Meer“. Er ist das blaue Herz Bayerns, auch wenn er geografisch ganz am Rande liegt.

Vor über hundert Jahren war der Wasserpegel des Sees mehr als einen halben Meter höher als heute. Aufgrund häufiger Überschwemmungen wurde der See Anfang des 19. Jahrhunderts tiefer gelegt. Seine Beliebtheit hat er deshalb nicht eingebüßt. Im Gegenteil: Inzwischen ist er ein Mekka für Segler und Surfer, für Badenixen und Bootsfahrer. Doch abseits von Fraueninsel und Herrenchiemsee hat er noch eine andere, stille Seite. Dort hat die Natur das Sagen.

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Früh am Morgen ist es in der Hirschauer Bucht noch ganz ruhig. Die Silhouetten der Blesshühner spiegeln sich im Wasser. Als die Sonne ihre ersten kräftigen Strahlen durch die Wolkendecke schubst, raschelt etwas im Schilf: Ein Haubentaucherpärchen schwimmt aus seiner Deckung. Das Männchen platscht wild mit Füßen und Flügeln, hebt den Körper dabei, sodass es aussieht, als würde es übers Wasser laufen. „Im Balztanz übergibt es dabei Nistmaterial“, sagt Johann Zimmermann. Der Naturfotograf leitet Vogelbeobachtungstouren. Auf dem Aussichtsturm bringt ein fest installiertes Fernrohr die Tiere ganz nah vors Auge.

Der Chiemgau gehört zu den artenreichsten Vogelgebieten in Deutschland. Dort, wo die Tiroler Ache in den Chiemsee fließt, hat sich ein einzigartiges Biotop entwickelt. Da flattern, picken und schnäbeln viele gefährdete Arten wie Alpenstrandläufer, Gänsesäger, Eisvogel oder Krickente. Von ihrer Quelle in den Kitzbüheler Alpen bis zum Chiemsee legt die Tiroler Ache 76 Kilometer zurück, davon ein Drittel im Chiemgau. Mal fließt sie sanft dahin, mal tost sie wild durch enge Schluchten wie durch die Entenlochklamm im Achental, ein beliebtes Revier für Raftingabenteurer. Beim Städtchen Unterwössen flankieren den Fluss breite Kiesbänke und hochgewachsene Wälder. Der Gipfel des Geigelsteins scheint zum Greifen nah. An einem lauen Sommerabend fühlt man sich hier ein bisschen wie in Kanada.

Die seenreiche und hügelige Voralpenlandschaft wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit erschaffen. Davon zeugen auch die vielen Moore wie die Kendlmühlfilzen. Das Hochmoor zwischen Grassau und Übersee lockt mit wunderbaren Spazierwegen zwischen Wollblumen und krummen Birken. Verrostete Schienen erzählen vom ehemaligen Torfabbau. Beim Tüttensee sind sich die Forscher nicht ganz einig, ob das runde Gewässer in der Eiszeit oder durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist. Egal, er lädt ein zu einem erfrischenden Bad und einem süffigen Weißbier auf der Terrasse der Gaststätte. Kinder lieben den Waginger und den Tachinger See, denn diese sind die wärmsten in der Region und warten mit sieben Campingplätzen auf.

Ihren ganz eigenen Zauber versprühen Weit-, Mitter- und Lödensee, drei herrliche Naturbadeseen mit Trinkwasserqualität, eingebettet in die Berge zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl. Hier findet man immer ein ruhiges Plätzchen. Wer zwischendurch Kaffeedurst verspürt, fährt am besten zur Windbeutelgräfin nach Ruhpolding. Das Lokal ist Kult. Inhaber Jochen Grill und sein Team servieren den köstlichen, mit Sahne und Kirschen gefüllten Windbeutelschwan „Lohengrin“. Das Teiggebäck – benannt nach einer Oper von Richard Wagner – ließ sich Jochen Grill sogar patentieren. Regelmäßig stehen die Gäste bei ihm Schlange, um noch einen freien Platz zu ergattern.

Besonders gut lässt sich der Chiemgau auch per Fahrrad erkunden. Der Mozartradweg führt in mehreren Schlaufen bis nach Salzburg. Dabei geht es auf wenig befahrenen Straßen durch authentische Dörfer, wo die Glocken der Zwiebelturmkirchen läuten und von den Balkonen rote Geranienteppiche leuchten. Eine Rast am Kloster Seeon ist Pflicht, denn hier war Mozart öfter zu Gast. Die umliegenden Seeoner Seen gehören gemeinsam mit der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte zu einem Naturschutzgebiet, bestehen aus 17 eiszeitlichen Seen, und sind das Reich der Libellen. In den Sümpfen und Auwäldern leben viele seltene Arten wie die Zierliche Moosjungfer oder die Gebänderte Prachtlibelle.

Ebenso idyllisch ist die Landschaft an der Alz, dem Abfluss des Chiemsees. Nicht verpassen sollte man hier die Floßfahrt bei Sonnenaufgang von Seebruck nach Truchtlaching. Man gleitet vorbei an Schilfröhricht und knorrigen Uferweiden. Irgendwo singt ein Rohrsänger. Und an Bord erzählt die Naturführerin von so manchem Geheimnis aus der Wasserwelt.


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