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Südseeparadies? Nein, Ostseeparasies - willkommen auf Rügen

Rügenstochter - Anke Harnacks Liebeserklärung an ihre Heimatinsel

Sie ist die größte aller deutschen Inseln. Das lässt sich messen. Sie ist die schönste aller Inseln. Das lässt sich behaupten. Sie ist Ankes Insel. Das stimmt faktisch natürlich nicht. Sie ist ihre große Liebe. Daran lässt sich nicht rütteln.

Text: Anke Harnack

Fotos: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Messerschmidt; Anke Harnack

Anke Harnacks Inselliebe

Anke Harnack liebt ihre Heimatinsel Rügen

Anke Harnack liebt ihre Heimatinsel Rügen

Rügen ist weit. So groß und weit, dass Festlandfremde manchmal klagen, kein Inselgefühl zu haben. Denen sei geraten: Wählen Sie einen Tag mit guter Sicht. Fahren Sie zum Hoch Hilgor, einer Erhebung zwischen Neuenkirchen und Vieregge – grobe Richtung: Mittelnordwesten.

Nehmen Sie sich Zeit. Nehmen Sie Platz auf einer Bank. Schauen Sie Richtung Wasser. Zur linken Hand sehen Sie in regelmäßigen Abständen ein Licht aufblitzen. Zur rechten Hand, hinter dem fern gelegenen Wald, auch. Licht an. Licht aus. Licht an. Licht aus. Rechts. Links. Rechts. Links. Das sind die Leuchttürme von Hiddensee (links) und Kap Arkona (rechts). Wer hier nicht wenigstens den Hauch eines Kribbelns spürt, sei bemitleidet.

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Wie oft habe ich an diesem Flecken Welt gestanden, wie oft stundenlang „Licht an, Licht aus“ geguckt? Hier ist nicht das typische Rügen: Hier leuchten nicht die Kreidefelsen, hier gibt es keine strahlend weiße Bäderarchitektur. Keine Strandpromenade zum Flanieren. Und auch keinen FKK-Strand. Die Hotspots der Insel ziehen die Menschen sowieso in ihren Bann. Zu Recht. Aber mein Herz habe ich an die stillen Ecken verloren. Die Hügel, Wälder, Wiesen, Buchten und Boddenstrände, die Schilfgürtel und Schotterpisten, die es nicht auf die vorderen Plätze der Reiseführer schaffen. Zum Glück. Denn all das eignet sich nicht für einen schnellen Flirt, eine One-Night-Episode. All das braucht den Mut zur großen Liebe.

Hier heißen kleine Dörfer mit manchmal bezaubernden Bauernhäuschen und hohen Wildrosenhecken Banzelvitz, Bubkevitz und Tribbevitz. Hier hat zwar keiner je gesehen, dass sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Aber hier hält man es für wahrscheinlicher als an beinahe jedem anderen Ort der Welt.

Hier denke ich an aufgeschürft e Knie von Fahrradstürzen auf steinigen Feldwegen. An wilde Sträuße aus Kornblumen, Margeriten und Klatschmohn. An den brackigen Geschmack von Boddenwasser nach dem Kentern beim Segeln. An das glipschige Gefühl beim übermütigen Kinderspiel mit Algen und Quallen beim Baden. An den Duft von frisch gemähtem Gras. An den Wind, der die Mädchenzöpfe zerzaust hat. An Kleckerburgen am Strand – höher als wir Kinder selbst. Rügen – meine Liebe, seit ich denken kann.

Ich habe diese Liebe irgendwann verlassen. Mich tollkühn in neue Abenteuer gestürzt. Ja, ich bin fremdgegangen. Habe kleine und mittelgroße Affären mit kleinen und mittelgroßen Städten angefangen. Nicht, dass die langweilig gewesen wären. Ganz und gar nicht! Ich habe das Festland und auch andere Inseln sogar sehr lieb gewonnen.

Usedom zum Beispiel. Gesegnet sei diese Insel: mit dem kilometerlangen Strand, der die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin verbindet. Oder die Mecklenburgische Seenplatt e: Wie habe ich die Stunden bei einem kühlen Glas Rosé am mediterran anmutenden Hafen von Waren an der Müritz genossen! Oder die Partynächte mit dröhnenden Bässen und starken Drinks in der Marina von Kühlungsborn. Wie gern habe ich mein Fahrrad bei Gegenwind über das Fischland gejagt und am Alten Strom in Warnemünde die fetten Möwen verflucht, die den teuren Fisch vom trockenen Brötchen klauten?!

Ich saß gedankenverloren und beseelt in Groß Schwansee im Klützer Winkel. Habe das Schloss angestarrt, als säße davor ein Prinz auf einem weißen Pferd. Habe mir vorgestellt, die Zeit um ein knappes Jahrhundert zurückdrehen zu können. Dann wäre ich meinen Urur- und Urgroßeltern begegnet, die hier bei der Herrschaft in Groß Schwansee als Chauffeur, Schäfer, Schneiderin und Mamsell ihren Unterhalt verdienten. Wäre meinem Großvater begegnet: einem kleinen blonden Butscher, der die Allee zum Wasser hinunterflitzt und vielleicht am Strand einen Drachen steigen lässt.

Ja, ja, der alte Bismarck und sein Spruch: Dass in Mecklenburg alles 50 Jahre später passiert als anderswo! Na und?! Hier ruht die Zeit sich eben aus. Hier darf man noch ungestraft in den Schmetterlingsmodus verfallen und wie ein verknallter Teenager schwärmen von Sonnenstunden im Strandkorb, von Fischbrötchen auf die Hand, von rauen Begegnungen mit knurrigen, aber aufrechten Leuten. Weil alles so liebenswert ist – wenn man kein Herz aus Granit hat, sondern der Liebe oder wenigstens dem Verliebtsein eine Chance gibt.

Bis heute wird alles in mir sanft und selig, wenn ich in dieses Land komme. Überall in Mecklenburg-Vorpommern flackert Erinnerung an irgendeine kleine oder größere Liebschaft auf. Und wenn ich meine Insel erreiche, über die große Pylonbrücke fahre: Dann schlägt das Herz bis zum Hals. Dann bin ich zu Hause. Hole tief Luft. Atme Wind. Und weiß: Rügen ist die größte meiner großen Lieben! Kitschig? Ja. Aber wahr!

Über Anke Harnack
Anke Harnack wurde auf Rügen geboren. Beruflich ist sie im Rundfunk zu Hause. Nach ihrem Volontariat beim Rundfunksender Antenne MV wurde sie als Stimme des Nordens bei NDR 1 bekannt. Heute ist sie neben dem Radio auch im TV als Moderatorin beim NDR zu sehen, unter anderem in den Sendungen Hamburg Journal, Land und Leute und bei der NDR-Sommertour.

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