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Sehnsucht Deutschland - Film
Vermittelt klassische Musik wie kein anderer - Justus Frantz

Justus Frantz’ Sommernachtstraum

Justus Frantz. Professor, Pianist, Dirigent, Erfinder des klassischen Open-Air-Festivals. Der Vollblutmusiker wird nicht müde, den Deutschen die Welt der Klassik zu vermitteln. SEHNSUCHT DEUTSCHLAND sprach mit dem Maestro über den Reiz von Freiluftfestivals, seinen Sommernachtstraum, die Hamburger Elbphilharmonie und deutsche Volkslieder in China.

Text: Hilda Ben

Fotos: Philharmonie der Nationen

Interview mit Justus Frantz

Beflügelter Klassiker - Pianist und Dirigent Justus Frantz

Beflügelter Klassiker - Pianist und Dirigent Justus Frantz

Wie erklären Sie die Faszination von Open-Air-Festivals?
Freiluftkonzerte gab es nicht in der klassischen Musik, doch viele Komponisten wurden von der Natur inspiriert – Beethoven beispielsweise auf seinen Spaziergängen durch den Wienerwald. Oft ist es nicht die Architektur des jeweiligen Saales, sondern die Großartigkeit eines Konzerts, die uns begeistert. Wenn wir also in einer schönen Umgebung in freier Natur, vielleicht unter einer dicken Eiche sitzend, ein Konzert hören, sind wir generell besser dran als in einem charakterlosen Konzertsaal.

Ihr Name ist untrennbar mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) verbunden. Warum ist dieses Festival bis heute so erfolgreich und beliebt?

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Als wir es 1986 gründeten, gab es in Schleswig-Holstein im Sommer keine bedeutenden Konzerte. Und im deutschsprachigen Raum, mit Ausnahme von Salzburg und Bayreuth, keine international beachteten Sommerfestivals. Wir, das heißt eine kleine Gruppe Begeisterter, hatten kein Geld und nicht einmal Künstler angefragt! Wir fingen wirklich bei null an, doch entgegen allen Befürchtungen sagten fast alle großen Künstler zu, die ich einlud, im Sommer in Schleswig-Holstein aufzutreten. Weltstars wie Leonard Bernstein oder Herbert von Karajan kamen, potente Sponsoren folgten. So konnten wir sowohl künstlerische Seriosität als auch ihre Bezahlbarkeit innerhalb kürzester Zeit gewährleisten. Es war eine kulturelle Sensation, ja, eine kulturelle Bürgerbewegung, die den Erfolg des SHMF einzigartig macht und die bis heute wirkt.

Wie sind Ihre Pläne im diesjährigen Festivalsommer?
Ganz schlicht: Auf den schönsten deutschen Festivals aufzutreten. Soweit ich sie kenne, das SHMF, die Festspiele Mecklenburg- Vorpommern und im Wagnerjahr besonders der MDR Musiksommer. Empfehlen muss ich aber vor allem auch das Rheingau Musik Festival.

Wenn Sie einen Sommernachtstraum hätt en, was würden Sie sehen/hören?
Ich stelle mir eine schöne Waldlichtung vor oder einen freien Platz im Weinberg – dort steht ein Flügel, an dem ein begnadeter Pianist die „Nocturnes“ von Chopin spielt. Die Vorstellung finde ich fantastisch und dafür würde ich liebend gern durch ganz Europa reisen.
Was würden Sie mitnehmen, wenn Sie als Zuhörer im Park wären?
Wahrscheinlich ein Mückenspray.

Was sagen Sie eigentlich zur Elbphilharmonie?
Die Elbphilharmonie ist auf der einen Seite ein fantastisches architektonisches, weithin die Silhouette der Stadt bestimmendes Kunstwerk. Doch auf der anderen Seite – und hier setzt meine Kritik ein – bauen wir einen neuen Konzertsaal in einer Situation, in der das Konzertpublikum langsam ausstirbt.

Woran liegt das?
Daran, dass wir viel zu wenig für den musikalischen Nachwuchs tun, dass wir schon – ich habe einen kleinen Sohn – bei der Einschulung erleben müssen, dass die Beziehung zu unserer Musik – einem wesentlichen Teil unserer deutschen und europäischen Identität – verloren gegangen ist. Heute singen die Vorschüler und Erstklässler in China wahrscheinlich mehr deutsche Volkslieder als unsere Kinder. Das ist bedenklich.

Was ist zu tun?
Im Musikunterricht an deutschen Schulen muss wieder verstärkt dafür Sorge getragen werden, dass die großen Werte, die uns Bach, Beethoven, Schubert, Schumann, Hindemith und Schönberg geschenkt haben, nicht verloren gehen. Dann erst sollten wir zur Tat schreiten und einen Konzertsaal wie die Elbphilharmonie bauen!

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor.

Über Justus Frantz
Justus Frantz ist einer der bekanntesten und populärsten Wegbereiter der Klassik in Deutschland und der Welt. Aus zahlreichen TV-Sendungen und Konzerten ist er als Pianist und Dirigent einem Millionenpublikum bekannt. 1986 rief Justus Frantz das bis heute bestehende Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) ins Leben und präsentierte klassische Musik erstmals in Gutshäusern und Scheunen. Er ist Chefdirigent des von ihm gegründeten Orchesters Philharmonie der Nationen.

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