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Sehnsucht Deutschland - Film
Tontreffer Justus Frantz will den Deutschen den Weg zur Klassik ebnen

Lachen und Weinen – ganz klassisch mit Justus Frantz

Justus Frantz. Professor, Pianist, Dirigent, Vollblutmusiker. 68 Jahre, kein bisschen müde. Und seine unverkrampfte Mission, den Deutschen die Welt der Klassik zu erklären, ist noch lange nicht vorbei.

Text: David Pohle

Fotos: Philharmonie der Nationen

Klassikstunde bei Justus Frantz

Liebt seinen Flügel und die klassische Musik: Justus Frantz

Liebt seinen Flügel und die klassische Musik: Justus Frantz

Warum eigentlich? „Der Kraft klassischer Musik kann sich niemand entziehen, der sich auf sie einlässt. In Zeiten permanenter Akustikverschmutzung (er meint Straßenlärm, Handyklingeln, Fahrstuhlmusik etc.) öffnet sie das Herz für große Gefühle.“ Justus Frantz, das kann man getrost so sagen, hat klassische Musik in Deutschland populärer gemacht, als sie vorher war.

Immerhin ist sein Name untrennbar mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival verbunden, das er – inspiriert von der Schönheit der holsteinischen Landschaft und aus Dank für eine glückliche Kindheit als Flüchtlingskind ebendort – vor bald 30 Jahren aus der Taufe hob. Und mit dem TV-Format Achtung, Klassik, mit dem er über eine Dekade lang bei hohen Einschaltquoten Klassik aus der vermeintlich verstaubten Ecke holte und sie frisch und zeitgemäß dem Volk näherbrachte.

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Klassik brauche Umfeld, meint der Maestro. Keinen Bock auf Klassik gibt es nicht. Und schon erzählt er die Anekdote von der Haushälterin, die am ersten Tag voller Überzeugung meinte, sie könne mit seiner Musik nichts anfangen. Frantz erwiderte, sie sei auch nicht dazu da, ihm Klavierunterricht zu geben, sondern um für ihn zu kochen und die Wohnung auf Vordermann zu halten.

Genau da sitze ich jetzt. In der Wohnung des Professors unweit der Hamburger Alster, ein Glas Silvaner vom Frantz’schen Weinberg in der Hand und staune über die meterhohen Regale voller Bücher und Noten, vier Konzertflügel und ein kleines Klavier für den Sohn (7), der mit seinem Vater gerade eine Oper komponiert. Das ist wohl der Prototyp eines Umfeldes. Und auch die Haushälterin brauchte nur ein paar Tage und ihr Herz öffnete sich ganz von selbst.

Für den Maestro keine Überraschung. Er ist weltweit und viel unterwegs, gibt selbstmoderierte Klavierabende oder dirigiert sein Orchester, die Philharmonie der Nationen. Und doch nimmt Frantz sich insbesondere bei Ersteren viel Zeit, erzählt von Hintergründen, von Schicksalen, von Glück und von Tragödien, damit die Zuhörer bestens vorbereitet sind auf das, was sie nicht nur hören, sondern spüren, ja fühlen, sollen. „Bevor es losgeht, müssen die Leute einmal lachen, einmal weinen, zur Musik gerne noch häufiger. Nur dann treten sie am Ende wie befreit vor die Tür, der Geist wieder frisch und vom Straßenstaub des Alltags gereinigt.“

Er springt auf, setzt sich an den Flügel und spielt Takte von Mozarts A-Dur-Sonate. Schon das hört, nein, fühlt sich anders an, denke ich. Doch was tun, wenn die Lust auf Klassik zwar vorhanden, aber der Zugang – noch – nicht gegeben ist? „Unvoreingenommene Neugier und Offenheit gegenüber der Musik sind ein Anfang, den jeder mit Konzertabenden und viel Musikhören machen kann“, rät der Professor völlig unprätentiös. Die 2. Sinfonie von Mahler, Mozarts Requiem, die 9. Sinfonie von Beethoven (Ode an die Freude) sind Empfehlungen für den Anfang. „Ich selbst verbinde außerordentlich starke Emotionen mit diesen herausragenden Werken.“

Er ermutige daher jeden, der meint, nicht genug über diese wunderbare Musik zu wissen: „Erleben und erfahren Sie die Musik so, wie Sie diese persönlich wahrnehmen. Wie Saint-Exupéry sagen würde, das Wesentliche hört man mit dem Herzen.“ Sein praktischer Vorschlag für den Anfang: „Hören Sie, wann immer Sie beispielsweise Auto fahren, Sehnsucht Deutschland auf dem Sofa lesen oder durch eisige Winterlandschaft en spazieren gehen, ganze Stücke, immer wieder. Und die Wandlung vom Saulus zum Paulus ist nur eine Frage der Zeit“, lächelt der Professor und ist auf dem Weg zum nächsten Termin.

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