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Sehnsucht Deutschland - Film
Fernsehkoch Tim Mälzer bereitet in seiner Show vegetarische Bolognese zu; © NDR/Matthias Haupt

Nachgefragt - Interview mit Tim Mälzer

Tim Mälzer hat seit Jahren einen Lauf. Der Hamburger aus Pinneberg, bekannt als Küchenbulle, ist der Rockstar unter den TV-Köchen, Restaurantinhabern und ein feiner Kerl.

Text: Fritz Vossiek

Fotos: © NDR/Matthias Haupt; © sundance/Ali Salehi

Tim Mälzer - Küchenbulle aus Pinneberg

TV-Koch Tim Mälzer in seiner neuen Studioküche; © sundance/Ali Salehi

TV-Koch Tim Mälzer in seiner neuen Studioküche; © sundance/Ali Salehi

Neulich fuhr ich meine Kinder zur Schule, vor uns ein Auto mit dem Kennzeichen PI am Anfang. Von hinten meldete sich meine achtjährige Tochter mit den Worten: „Dem Autofahrer zum Ärger schuf der liebe Gott den Pinneberger“, politisch nicht korrekt, aber lustig. Was das mit Tim Mälzer zu tun hat? Nun ja, Mälzer, der alle Welt duzt und das auch für sich einfordert, ist in Elmshorn geboren und in Pinneberg aufgewachsen. Beide Städtchen liegen im Hamburger Speckgürtel. Wie Tim Auto fährt, ist mir nicht bekannt, aber wenn jemand so verdammt gut kocht, dann ist es auch ziemlich egal, wo er herkommt und was er am Steuer kann.

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Mälzer – oder sagen wir einfach: Tim – kennt in Deutschland fast jedes Kind, vor allem aber jeder Erwachsene, seitdem er mit seiner hamburgisch flapsigen Art in seiner eigenen TV-Show Schmeckt nicht – gibt’s nicht! die Kochszene aufmischte, mehrere Kochbücher schrieb und inzwischen immer samstags in der ARD mit der Sendung Tim Mälzer kocht weiterhin für leckeres, unprätentiöses Essen trommelt, das vor allem frisch, regional und vernünftig zubereitet sein muss. Esskultur – das ist sein Anliegen.

Tim ist Anfang 40, hat eine klassische Ausbildung zum Koch erhalten, Stationen in London und Hamburg durchlaufen. Dann kam sein erstes eigenes Restaurant, Das Weiße Haus, wo er schon lange nicht mehr ist. Und seit inzwischen rund drei Jahren gehört ihm die Bullerei – alter Industriecharme, moderne Architektur, Küche im Mälzer-Stil – im Hamburger Szeneviertel Sternschanze. Einen Termin mit dem Papst zu vereinbaren, erscheint als Kindergeburtstag im Vergleich zu einem geplanten Treffen mit Tim.

Manchmal weilt er auf Mallorca, um die Seele baumeln zu lassen, dreht im eigens dafür eingerichteten TV-Studio hinter der Bullerei neue Folgen fürs Fernsehen, macht neue Bücher, zuletzt Greenbox, ein wahres Husarenstück, da Tim, dessen Gemüse eigentlich Fleisch ist, ein richtig aufregendes vegetarisches Kochbuch gelungen ist. Oder er ist mal kurz in New York, um zu schauen, ob er da nicht was mit Essen machen kann.

Da schnappe ich mir Frau und Schwiegermutter, setze mich an einem Mittwoch in die pickepackevolle Bullerei und lauere ihm auf. Er ist tatsächlich da, ich spreche ihn an und er redet gleich los. Obwohl er selber sagt, dass man einen Pinneberger zwar aus Pinneberg bekommt, aber Pinneberg nicht aus einem Pinneberger, damit ein wenig mit seinem lauten, proletenhaft en Image kokettiert, ist der Küchenbulle ausgewiesen höflich, interessiert und kann sogar zuhören. Apropos, wo kommt der Name eigentlich her? „Als ich im Weißen Haus kochte, war ich körperlich ein Hemd, trug T-Shirts mit Aufdrucken wie Schaumschläger oder Dosenöffner. Und eben Küchenbulle. Ich bin aber das genaue Gegenteil. Eigentlich.“ Von wegen Küchenbulle, das taugt ja schon fast zum Schwiegermuttertraum.

Kocht er denn hier? „Nein, wenn ich wie heute zehn Stunden gedreht habe, dann würde ich selber nicht essen wollen, was ich gekocht habe. Meine Köche sind super Leute, nur gelegentlich mache ich mit, wenn ich gut drauf und tiefenentspannt bin.“ Das Vertrauen in die eigenen Leute ist kein Lippenbekenntnis, Tim und sein Partner Patrick Rüther sind Teamplayer mit echten Gastgeberqualitäten. Ende 2012 wurden sie zum Arbeitgeber des Jahres in der deutschen Gastroszene gewählt, der Vorschlag kam von den Mitarbeitern ...

Feiner Typ, der Tim. Und obwohl „sutsche“, was auf hamburgisch so viel wie „nun mal halb lang“ oder „langsam“ heißt, zu seinen Lieblingsworten gehört, blitzen seine wachen Augen unternehmungslustig in die Welt. Tim Mälzer hat jedenfalls noch lange nicht fertig. Gut so.

.... Lesen Sie das Interview mit Tim Mälzer auf Seite 2...

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