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Sehnsucht Deutschland - Film
Traditionell - Jagdelemente und filigrane Schnitzereien zieren die Uhren aus Herrn Herrs Manufaktur

Deutscher Klassiker - Kuckucksuhr

Deutsche Klassiker sind Marken, die noch heute mit Hand und Herz Produkte „Made in Germany“ herstellen, die höchsten Qualitätsanforderungen standhalten und stellvertretend für beste deutsche Wertarbeit im In- und Ausland stehen. Teil 10: Die gemeine deutsche Kuckucksuhr/Schwarzwald

Text: Janika Kästner

Fotos: Robert Herr Kuckucksuhren-Unikate; Kuckucksuhr von Stefan Strumbel: © Badisches Landesmuseum

Die Deutschen und ihre Uhren - die ha'm doch nen Vogel

Heimat? Stefan Strumbel auf Bedeutungssuche

Heimat? Stefan Strumbel auf Bedeutungssuche

Der Hirsch röhrt überm Sofa, die Kuckucksuhr pendelt an der Wand, auf dem Tisch davor eine dampfende Schüssel Sauerkraut nebst duftendem Schweinebraten... So oder ähnlich zeichnet sich das klischeehafte Bild deutscher Wohnzimmer in der weiten Welt. Was zum Kuckuck ist dran an diesem Bild? Weltbekannt sind sie, die kleinen Holzhäuschen mit Ziffernblatt und „Kuckuck“ rufendem Bewohner, der zu jeder vollen Stunde keck aus der Tür herauslinst und durch zeitgemäße Wiederholung seines Rufs die Stundenzahl verkündet – zuverlässig und das seit Jahrhunderten. Aber liegt nicht längst eine dicke Staubschicht auf der Uhr, die einen Vogel hat?

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Der Schwarzwald gilt als Heimat der Kuckucksuhr. 1850 entstand hier bei einem Designwettbewerb die weltbekannte Bahnhäusleuhr. Aber wie kam bloß der Vogel in die Uhr? Christophe Herr, traditionsbewusster Uhrenschnitzer aus Schonach, glaubt es zu wissen: In den 1730er Jahren soll Franz Anton Ketterer die Idee gehabt haben, den morgendlichen Hahnenweckruf in eine Uhr zu verfrachten. Das viersilbige Ki-ke-ri-ki war für die naturgetreue Nachbildung jedoch zu komplex. Der einfachere Ruf „Ku-ckuck“ hingegen bedarf lediglich einer kleinen und einer großen Terz. Seither kuckuckt der geschnitzte Vogel mithilfe zweier orgelartiger Blasebalge aus Leibeskräften. Wahrheit oder schöne Legende? Christophe Herr ist sich sicher: „Ich glaube die Geschichte.“

Für Touristen aus China und Amerika versprüht die Uhr mit „Kuckuck“ rufendem Zeitansager einen besonderen „German“ Charme. Gut 80 Prozent der Uhren werden hierzulande für den ausländischen Markt produziert. In Deutschland hingegen wollte sie lange Zeit niemand haben, zu altbacken, zu angestaubt war ihr Image. Ingolf Haas ist Kuckucksuhrenbauer in der vierten Generation. Sein Kuckuck hat sich aufgebäumt und von der drückenden Staubschicht befreit. „Desch is’ keine Kuckucksuhr mehr. Ihr macht alles kaputt, ihr Spinner!“, krähten anfangs die Kritiker ob Haas’ neuer Uhrengeneration. „Habt ihr denn eine traditionelle Uhr?“, konterte dieser. Betretenes Schweigen war die Antwort. Kein Kuckuck weit und breit. Mit seiner neuen Linie machte Haas die Kuckucksuhr tauglich fürs moderne Wohnzimmer. Eine Uhr im schlichten Kastendesign ohne viele Schnörkel passt sich ein in die klaren Linien zeitgemäßer Inneneinrichtung. Im Gegensatz zu anderen alteingesessenen Unternehmen drehte sich der Zeiger für seine Manufaktur nach oben, was beweist: Der Herr Haas tickt doch ganz richtig. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, verrät Ingolf Haas eine alte Uhrmacherweisheit.

Drastischere Mittel im Überlebenskampf der Kuckucksuhr sind Stefan Strumbels Handgranaten und Kalaschnikows. Eingesetzt, nicht weil er als Uhrenfabrikant um seine Existenz fürchtet, sondern weil er sich als Künstler mit der Heimat auseinandersetzt. Seine Uhren schlagen ein wie eine Bombe. „What the fuck is Heimat?“, ziert ein Schrift seine schrill-bunten Werke. Damit trifft Strumbel den Nerv der Zeit. Die Rückbesinnung auf Heimat und die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln erhalten im neuen Jahrtausend Aufwind.

Hirschgeweihe, Ankerherzen und Edelweiß erleben einen neuen Frühling, in dem auch die Kuckucksuhr zu neuem Leben erwacht. Für Christophe Herr haben die Kreateure der modernen Uhren einen Vogel. Bei ihm selbst kuckuckt es klassisch. Als Bewahrer der u(h)rigen Schwarzwaldtradition ist bei ihm jede Uhr ein Unikat – von Hand geschnitzt und mit Herzblut und Emotion kreiert. Während Pop-Art und die neue Uhrengeneration von Ingolf Haas den Kuckuck auch für Deutsche wieder salonfähig machen, behält auch die traditionelle Uhr ihre Berechtigung. Schließlich kann die neue Generation nur verstehen, wer das Original kennt. Während die modernen Kuckucksuhren als hippe Heimatelemente die deutschen Wohnzimmer zurückerobern, behalten die antik anmutenden handgeschnitzten Originale für ausländische Touristen auf Souvenir- und Wurzelsuche ihren Reiz. Der Kuckuck bleibt ein zeitloser Zeitmesser, der dafür Sorge trägt, dass nicht nur der Rest der Welt, sondern auch die Deutschen wieder gut und gern von sich behaupten, einen Vogel zu haben.

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