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Sehnsucht Deutschland - Film
Auf dem Wasen ist Tracht wieder in

Lokalheldin/7: Die schöne Wirtin – Sonja Merz

Es sind der Kaufmann an der Ecke, der Bauer im Nachbardorf oder die Wirtin unserer Stammkneipe, die unsere Heimat Tag für Tag liebenswert machen. In der Serie „Lokalhelden“ stellen wir starke Frauenzimmer und eckte Pfundskerle vor. Sie alle sorgen dafür, dass es zu Hause am schönsten ist. Teil 7: Sonja Merz/Wasen-Wirtin aus Stuttgart

Text: Fritz Vossiek

Fotos: Cannstatter Volksfest/Thomas Niedermüller; Dinkellacker-Privatbrauerei/Sonja Merz

Wenn stolze Schwaben Feste feiern

Traumpaar: Die schöne Wirtin Sonja und ihr Ehemann Konstantin Merz

Traumpaar: Die schöne Wirtin Sonja und ihr Ehemann Konstantin Merz

„Ich bin stolz auf meine Schwaben“, sagt Sonja Merz, pausiert kurz wegen des anhaltenden Baulärms und fährt fort: „Dass die Leute gegen Stuttgart 21 auf die Straße gegangen sind, hätte die Politik nicht erwartet. Aber nach dem Volksentscheid für den Weiterbau muss jetzt Ruhe sein.“ Die Gastronomin sitzt in ihrem Biergarten im Stuttgarter Schlossgarten, nur 50 Meter hinter ihr sind die Bauzäune, die das Bahnhofsprojekt umgrenzen. Teile des alten Gebäudes sind eingerissen, eine ganze Batterie alten Baumbestandes ist gefällt.

Doch die „schöne Wirtin“ (Bild.de) ist guter Dinge, hat ihren Pachtvertrag gerade um weitere zehn Jahre verlängert und geht mit etwaigen Einschränkungen äußerst sportlich um. Während wir zusammensitzen, bestellt sie zwei Großbildleinwände, damit sie die Fußball-Europameisterschaft im Biergarten übertragen lassen kann. Bei Spielen der deutschen Mannschaft kommen bis zu 10.000 Fans, der knapp 2.000 Menschen fassende Biergarten wirkt angesichts dieser Massen dann eher wie ein Kiosk mit Ausschank. Klar, dass die optimistische Frau Merz die Leinwände bis zum Finale gebucht hat. Entscheidungen mit weiblichem Fingerspitzengefühl sind bei ihr Programm.

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Die geborene Ravensburgerin war bereits eine bekannte Gastronomin, als sie beim Vorbesitzer des Biergartens vorsichtig anfragte, ob er nicht – wenn er jemals verkaufen würde – an sie denken könnte. Tat er nicht, kam aber in Schieflage, Frau Merz war da und seither führt sie den einzigen ernst zu nehmenden Biergarten der Stadt. Ausgeschenkt wird allerdings Mannheimer Eichbaum-Bier – eine Altlast, die sich unter Kastanien gut akzeptieren lässt. Und einmal im Jahr ist sie die Wasen-Wirtin. Die Herzen der Stuttgarter Gesellschaft schlagen höher, wenn der Pflichttermin vor der Tür steht. Die aller anderen sowieso. Ab Mitte August wird sechs Wochen lang aufgebaut, ab 28. September boxt der Papst für 17 Tage im Kettenhemd und dann kommt das Cannstatt er Wasenzelt nach sechswöchigem Abbau wieder ins Lager.

Konstantin Merz, Schulleiter der renommierten Merz-Privatschule und seit zwei Jahren ihr Mann, ist sich sicher, dass das Zelt „das gemütlichste, harmonischste ist“. Hier haben sie im kleinen Kreis mit 1.500 Gästen ihre Hochzeit gefeiert, Platz ist für 4.000, an manchen Tagen gibt es zwei Schichten. Wem es zu laut ist, der erhält am Eingang Ohropax. Vier Monate vorher sind die gemütlichsten – andere sagen: wildesten – Tage komplett ausverkauft. Warme Rottöne herrschen vor, an den Decken hängen Hopfen und Gerste und angeheizt von Bands, die Trenkwalder oder Wilderer heißen, springen die Schwaben – immer häufiger in Lederhose und Dirndl – erlaubterweise auf Tische und Bänke und lassen es krachen.

Damit keiner runter muss, wuchten rund hundert Kellner und Kellnerinnen im schweißtreibenden Dauerlauf die traditionell mit Dinkelacker-Bier gefüllten Maßkrüge durch die Gegend. Andreas Bäßler steht dann in der Küche. Der 32-Jährige nimmt seit vier Jahren Urlaub, um sich „ein anderes Universum zu geben“. Normalerweise ist er Küchenchef im Sterne-Restaurant Landhaus Feckl in Ehningen, wo er die Gäste kaum sieht. Hier steht er wie ein Feldherr hinter dem Küchentresen und ist fasziniert von dem Treiben. Das Essen sucht seinesgleichen, alles ist frisch, die krosse Bauernente eine Festzeltsensation. Nahbar sei die Chefin, immer ansprechbar für ihre Leute und trotz des ganzen Stresses freundlich und natürlich. Sonst würde er sich wohl auch nicht freinehmen.

„Und was kostet denn jetzt das Bier, Frau Merz?“, möchte ich wissen. 8,80 Euro kostet die Maß, und das sei ein fairer Preis für einen Liter Bier, findet Frau Merz und lächelt ihr schönstes Lächeln. Und so können auch die Schwaben stolz auf ihre Wirtin sein, denn die ist nicht nur schön, sondern vor allem fleißig und geschäftstüchtig. Eine echte Lokalheldin eben.

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