Ganz schön "schaf": Raue See und Schietwettertage. Weil Janika Kästner weder Wind noch Wetter fürchtet, stellte sie sich mit Gummistiefeln und Friesennerz bewaffnet dem winterlichen Amrum
Oomram heißt Amrum auf Friesisch
Für die einen viel Müll, für die anderen Kunst: Panschos Burg; Foto: Tim Leiner
Im Norden sieht man den Postboten drei Tage, bevor er kommt, heißt es. Wenn denn mal ein Brief käme. Der Postbote ist am Horizont nicht zu entdecken, dafür dick eingepackte Schafe, die jeder Witterung trotzen. Der pfeifende Wind stört sie genauso wenig wie das Regentropfen-Ballett, das im Akkordtempo durch die Luft wirbelt.
Zwischen ihnen kämpfen Deichwanderer gegen den Wind an, der natürlich immer von vorne kommt. An der friesischen Nordseeküste wird der Beweis geführt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Der reichlich in die Jahre gekommene Friesennerz – eine wasserdichte Jacke in Signalfarbe – gehört nicht dazu, ist aber auch keine Haute Couture. Wetterfest eingemummelt sehen die Spaziergänger ziemlich „schaf“ aus. Egal, denn wer friert, ist selber schuld. Der Deich ist ja auch kein Laufsteg und die Schafe sind keine Jury.
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An ... Aus ... An ... Aus... Alle 7,5 Sekunden strahlt der Amrumer Leuchtturm auf die Nordsee hinaus. Beim Bau weigerten sich noch viele der Bauarbeiter, die scheinbar öde Insel zu betreten. Am Ende hat es dann doch geklappt und so steht der mit 41,8 Metern höchste Leuchtturm an der schleswig-holsteinischen Westküste seit 1875 auf Amrum. Von den Bauarbeitern seinerzeit als dröge Einöde fast in Misskredit gebracht, schätzen heute die treuen Urlauber die damit rustikal beschriebene Ruhe und Einsamkeit der Insel ganz besonders.
Gerade einmal 20 Quadratkilometer misst Oomram, wie Amrum auf Friesisch heißt. Kurze Wege laden zum Umsteigen ein, Fahrrad statt Auto. Am Fuß des Leuchtturms aufgesattelt, geht es friesisch-herb durch die Wald- und Heidewelt.
Auf der Höhe von Nebel führt ein Abstecher über einen Bohlenweg zu Fuß weiter durch Dünen auf den blütenreinen Sandstrand. Blütenrein? Nicht ganz. Jede Flut hinterlässt ihre Spuren. Das Meer hat wild getobt und am Ende – wie ein trotziges Kind – sein Spielzeug nicht weggeräumt. Kaum zu glauben, was das Meer alles zutage fördert und auf dem Strand ablädt. Alte Gummihandschuhe, jede Menge Flaschen, Fischkisten, Holzpaletten, Dosen und so weiter. Auch ein Strandtennisschläger liegt herum. Müll, der wenigstens nicht auf dem Meeresgrund vor sich hin rottet. Aufgesammelt und eingesteckt, geht es mit den „Schätzen“ weiter in Richtung Norddorf.
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Fotos: pixelio.de/Rainer Brückner; Tim Leiner
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