1946 entstand im Nachkriegsdeutschland Andrea Seibels Heimat Rheinland-Pfalz. Warum Genuss und Körperfülle hier Hand in Hand gehen, die Bezeichnung „Deutsche Toskana“ völlig daneben ist und wieso sie stolz ist, lässt sie hier vom Stapel
Heimatliebe eines Pfälzer Mädls
Der Mäuseturm in Bingen; Foto: Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH/Piel Media
Text Andrea Seibel
Ja, ich bin ä Pfälzer Mädl, zwar geboren in einem kleinen Dorf bei Worms, dort, wo Hagen den Goldschatz der Nibelungen im Rhein versenkt haben soll und wo der Ganove Schinderhannes sich Jahrhunderte später von einer Katharina Seibel vom Odenwald kommend nächtens über den Rhein setzen ließ, um sein Unwesen zu treiben, bis die Franzosen ihn in Mainz einen Kopf kürzer machten.
Doch aufgewachsen bin ich in Speyer, dem wunderbaren Speyer, der ehemals freien Reichsstadt am Rhein, Spira Celebris. Meine Heimat umspannt also Rheinhessen und die Vorderpfalz. Als Kind und Jugendliche stromerte ich umher und genoss die Schulausflüge auf eine der vielen Burgen, die es in der Pfalz gibt. Ich ging in die Krypta des atemberaubenden Domes, der wie ein Schiff für immer am Ufer des Rheines liegt, und suchte die Nähe zu den deutschen Kaisern.
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Manchmal glaubte ich den Sagen zufolge an eine Auferstehung Konrads II., jenes Saliers und Pfälzers, der den Dombau begann. Schimmerte dort auf der steinernen Platte nicht seine Krone? Als Jugendliche dann sah man nichts mehr außer Bahnhof, war nur mit sich selbst beschäftigt und pendelte zwischen Eiscafé Venezia, Bierbrunnen oder den Weinkneipen Rabennest und Schwarzamsel – und wollte raus, weggehen, nur weg. Das tat ich auch. Alla hopp.
Wann genau mich wieder die Sehnsucht nach der Pfalz überkam, weiß ich nicht mehr. Es war nichts Plötzliches, kein Augenöffnen, kein Aha-Erlebnis. Speyer war immer schöner geworden, seit ich weggegangen war, dachte ich zornig. Das Historische Museum einmalig, die vielen Spuren jüdischen Lebens, um die man sich endlich mühte, die prachtvolle Hauptstraße, die Kneipen, Restaurants, die Hotels. Sapperlot. Etwas in mir hatte sich erhalten in all den Jahren und schien zu knospen.
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Fotos: © Koblenz-Touristik; Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH/Piel Media
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