Die Schnecke auf dem Logo der SlowCities (cittaslow) ist Programm, doch da gut Ding Weile haben will, ist die Vereinigung lebenswerter Städte auch in Deutschland langsam im Kommen. Zeit also, mal in aller Ruhe drei davon unter die Lupe zu nehmen. Teil 3: Marihn
Eigentlich ein Dorf und trotzdem CittaSlow
Fast 9.000 Rosen zieren den Schlossgarten in Marihn; Foto: Schloss Marihn
Wenn man nicht gezielt hinfährt, fährt man an Marihn womöglich vorbei. So winzig ist das mecklenburgische Dorf mit nur 260 Einwohnern. So abgelegen ist es, so klein, und doch ist es eine cittaslow. Vorbei an Kornfeldern, Streuobstwiesen und Wildrosenhecken erreiche ich die puppige neogotische Kirche und das herrschaftliche Gutshaus, um die das Haufendorf gewachsen ist.
„Schloss“ nannten die Leute im Dorf das Gutshaus früher, und so heißt es bis heute, weil es wieder das Herz, der Kern und der Mittelpunkt von Marihn ist. Wieder, denn erst vor gut sechs Jahren wurde aus dem heruntergewirtschafteten Gutshof mit Wirtschaftshaus, Getreidespeicher, Kutscherhaus, Pferdestall und Park ein prachtvolles Anwesen mit einem 32 Hektar großen Landschaftspark.
-- Anzeige --
Der neue Schlossherr Horst Forytta renovierte die Gebäude, stellte die Bewirtschaftung auf Ökoanbau um, sortierte den Dschungel von Buchsbaum-, Hainbuchen- und Ligusterhecken und brachte sie in Form. Die Gartenleidenschaft färbte bald auf die Bewohner ab, die dank finanzieller Förderung ihre Vorgärten und das ganze Dorf verschönerten.
Marihn ist zu einem Ort mit Garten und Gärten geworden. „Im Nordosten sind wir ein kleines Epizentrum“, sagt Forytta im Café des Parks, der vermutlich 1830 mit dem Schloss im englischen Stil entstand. Frisch aufgebrühter Kaffee und selbst gebackener Apfelkuchen stehen auf dem Gartentisch. Der Duft lockt auch eine Schar von Gänsedamen an, die mit ihm und seiner Frau Sonja auf dem Hof eingezogen sind.
----------------------------------------
Fotos: R. Meissle; Schloss Marihn
Weitere interessante Artikel