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Teufelsmauer im Harz; Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH/ Boris Breuer

Anhalten! Zu Gast in Sachsen Anhalt

Eigentlich sollten die Sachsen-Anhalter stolz auf ihr Land und seine Geschichte sein. Doch chronisch unterschätzt, fällt das nicht immer leicht. Lars-Broder Keil spürt der neu gewachsenen Heimatverbundenheit seiner Landsleute nach.

Text: Lars-Broder Keil

Haltestelle Sachsen

Festivalstimmung in Ferropolis; Foto: Ferropolis GmbH/Marcus Schneider

Festivalstimmung in Ferropolis; Foto: Ferropolis GmbH/Marcus Schneider

Auf der Weltausstellung 1992 in Sevilla präsentierten sich erstmals auch die ostdeutschen Bundesländer. Jedoch fand sich Sachsen-Anhalt in dem deutschen Pavillon nicht wieder, den eine spanische Dekorationsfirma ausgestattet hatte. Sachsen war zu lesen, auch Thüringen – und ein Saxony-Parada, von dem aber niemand wusste, was das sein sollte. Bis jemand in einem Wörterbuch nachschlug und herausfand, dass Saxony-Parada als „Sachsen-Haltestelle“ übersetzt werden kann. Ein ganzes Land als Haltestelle nach dem Motto „Steigt aus und schaut euch um“. Kein schlechter Werbeslogan für Sachsen-Anhalt eigentlich.

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Wolfgang Böhmer, bis April 2011 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, gibt die Anekdote von Sevilla gern zum Besten. Auch erzählt er mit einem Schmunzeln, dass Sachsen-Anhalt unter diesem Namen nur deshalb existiere, weil der sächsische König zu lange zu Napoleon gehalten habe, den nördlichen Teil seines Reiches deshalb an Preußen abgeben musste, das daraus die Provinz „Sachsen im Königreich Preußen“ machte, und dass diese Provinz übrig blieb, als die Alliierten Preußen 1947 auflösten.

Ich habe Böhmers Formulierung von der „übrig gebliebenen Provinz“ bei den traditionellen Wittenberger Gesprächen zur deutschen Einheit gehört. Der Saal lachte. Den bösartigen Zusatz „übrig geblieben als Rest, den keiner haben wollte“ verkniff sich der Landesvater – so weit mochte er den Scherz dann doch nicht treiben. Es wäre auch ungerecht. Vor tausend Jahren galt die Region zwischen Harz und Elbe als Kernland Deutschlands, das Land der Kaiser Heinrich I. und Otto des Großen.

Letzterer erhob Magdeburg zum Erzbistum, um die Christianisierung der Slawen in den ostelbischen Gebieten voranzutreiben. Dome, Burgen, Klosteranlagen aus dem Mittelalter – mit denen Sachsen-Anhalt reichlich gesegnet ist – zeugen von dieser Machtentfaltung. Gut 500 Jahre später löste Martin Luther in Wittenberg die Reformation als christliche Erneuerungsbewegung aus. An Selbstbewusstsein dürfte es den Sachsen-Anhaltern (nicht Anhaltinern!) also nicht mangeln.

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Dieser Text von Lars-Broder Keil erschien am 7.11.2010 in der Welt am Sonntag
Fotos: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH/ Boris Breuer; Ferropolis GmbH/Marcus Schneider

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