Alltag zwischen Gott und der Welt. Die Barmherzigen Schwestern entschieden sich einst für ein Leben hinter Klostermauern – ein Lebensweg, der heute mehr touristische als berufliche Nachahmer findet.
Ruhe hinter dicken Mauern
Stille Eintracht mit dem Herrn; Foto: Ankerherz Verlag/Andree Kaiser
Fotos: Ankerherz Verlag/Andree Kaiser
Der neue Tag beginnt so, wie alle Tage hinter den Mauern des ehemaligen Schlosses Heitersheim seit mehr als 100 Jahren beginnen: mit dem Morgengebet der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul. Es ist kurz nach halb sieben. Zur Frühmesse füllt sich die neobarocke Saalkirche. Das Knarren der Holzbänke ist das einzige Geräusch, das zu hören ist, neben leisem Räuspern und Hüsteln der Schwestern. Hier in der Schlosskirche scheint es, als ob jede Unruhe, jede Störung an ihren Mauern abprallte. Dies ist ein Ort zum Durchatmen, zum Einschwingen auf einen eigenen Rhythmus des Lebens, ein Ort, um die Seele zu lüften.
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Eine Sehnsucht nach Ruhe und Einkehr, nach einer Oase inmitten einer hektischen Welt von Facebook, Twitter und Blackberry treibt viele Zeitgenossen um – strapazierte Manager, Väter und Mütter im Elternstress, Menschen, die von Dauerkommunikation und modernem Multitasking geplagt sind. Auch deshalb rangieren Bücher, die vom Klosterleben handeln, weit vorne auf den Bestsellerlisten. Besonders gern aufgesuchte Klöster erweitern ständig ihre Gästehäuser, Angebote wie „Kloster auf Zeit“ sind längst kein Geheimtipp mehr. Wer sich auf die Abläufe im klösterlichen Leben einlässt, der spürt auch: Es geht nicht darum, ständig etwas tun oder leisten zu müssen. Es genügt, einfach hier zu sein.
Das Malteserschloss Heitersheim liegt im Markgräflerland, umgeben von weiten, sanft gewellten Wiesen, Feldern und Weinbergen, im Osten erheben sich am Horizont die tiefen Wälder des Südschwarzwalds. Im 8. Jahrhundert wurde der Ort zum ersten Mal in Urkunden erwähnt, 1276 zog der Orden der Johanniter ein, im 16. Jahrhundert wurde das Schloss erbaut. 1893 ging dann das Areal an die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul. So viel zur Geschichte.
Eine Kreisstraße führt direkt am Schlossgelände entlang. Von ihr aus gelangt man durch einen Torbogen in einem Wohnturm auf den Teil des Geländes, wo die Vinzentinerinnen leben. Der barocke Turm und die ehemalige Kanzlei, heute Haus St. Lazarus, sind in warmen Gelb- und Rottönen gestrichen, die Fensterläden blau und grün. Auf der gegenüberliegenden, nördlichen Seite, an der Stelle der ehemaligen Kornkammer, steht das 1900 errichtete Haus St. Ludwig. Normalerweise steht die Tür tagsüber bis nachmittags um fünf off en. Wenn nicht, müssen Besucher bei der Pfortenschwester klingeln.
Die Frauen, die hier wohnen, haben ihr Leben in Krankenhäusern verbracht, in Operationssälen, im Dauereinsatz auf Stationen, in Heimen, Kindergärten, Hospizen. Sie haben Gefangene besucht oder in der Dritt en Welt Missionen mit aufgebaut.
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Fotos: Ankerherz Verlag/Andree Kaiser
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