Gute 40 Jahre lebe ich nun in einer hanseatischen Beziehung, der eigentlich nichts fehlte und die nur hier und da etwas alltäglich geworden war. Trotzdem stellte ich sie mit beiläufigem Stolz in der Stimme vor, freute mich auf norddeutsche Art, also so, dass andere es nur erahnen konnten, wenn Dritte ihre offensichtlichen Reize preisten.
Und dann – anfangs fast unbemerkt – veränderte sich was. Sie hatte eine Vision und einen Masterplan. Für das größte innerstädtische Bauprojekt in Wasserlage unter allen Waterfront-Projekten. Weltweit. Dem Plan folgten Taten, die schmucke Hanseatin lässt sich nicht beirren und belohnt sich mit ihrem Mut selbst, denn es entsteht etwas Neues, etwas Großes. Und das macht sie wieder richtig attraktiv. So geht es mir mit Hamburg und der Hafencity.
Doch obwohl die Beziehung mehr als innig ist und mich mit Stolz erfüllt, muss ich auch gönnen können. Denn der vermeintlich kühlen Elbschönheit verfallen immer mehr. Allein in den letzten zehn Jahren sind die Zahlen in Hamburg auf fast fünf Millionen Übernachtungsgäste explodiert. Im Jahr. Eine bald hundertprozentige Steigerung. Das liegt natürlich nicht nur an der Hafencity, aber an ihr wird es liegen, wenn dieser Trend sich künftig noch verstärkt.
Sie wird die in die Jahre gekommene Hamburger Innenstadt fast um die Hälfte (!) vergrößern, den alten, nahezu vergessenen Vierteln zwischen Alster und Speicherstadt neues, buntes Leben einhauchen und aus Hamburg eine europäische Metropole machen, die ein Musterbeispiel dafür sein wird, wie man seine Identität als maritime Stadt mit historisch gewachsenen Strukturen bewahrt und gleichzeitig ein Vorzeigemodell für europäische Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts ist.