Neidvoll schauen wir oft auf die französische oder asiatische Kochkunst. Dabei haben wir im eigenen Land kulinarische Hochgenüsse zu bieten. In unserer Rubrik "Typisch Deutsch" stellen wir die leckersten Gerichte vor.
Diesmal: Hochzeitssuppe
Die Suppe des Lebens im Gleichtakt auslöffeln - Hochzeitssuppe
Hochzeiten sind bekanntlich Geschmackssache. Doch selbst bis zum extremsten
Hochzeitsfeind können sich alle auf zumindest eines einigen: Für die Hochzeitstafel ist das Beste gerade gut genug. Im Rahmen der Neuen Bürgerlichkeit erfreut sich seit einiger Zeit ein
urdeutscher Klassiker wieder großer Beliebtheit: die Hochzeitssuppe.
Sie gilt als Zeichen von Traditionsverbundenheit, Heimatgefühl und regionaler Verwurzelung
und kündet von solider Bescheidenheit. Schlösser, Großfeuerwerke, ja ganze
Swingorchester werden gebucht, doch glänzende Augen bekommt so manches
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junge Glück erst, wenn große Schüsseln dampfender Hochzeitssuppe hereingetragen
werden.
Die Hochzeitssuppe hat einen hohen Symbolwert: Traditionell teilen sich die
Brautleute einen Teller. Ein Zeichen dafür, dass man von nun an alles gemeinsam
bewältigt, sozusagen die Suppe des Lebens im Gleichtakt auslöffelt. Dabei wird
das Brautpaar von seinen Gästen streng beäugt: Wer zuerst den Löffel in die Festspeise
taucht, entscheidet künftig, wo es in der Ehe langgeht, ist also der Herr im Haus.
Paaren, die das Mahl gemeinsam beginnen, wird eine lange und glückliche Ehe beschieden. Dass die Hochzeitssuppe manchmal leicht versalzen daherkommt, hat übrigens nichts damit zu tun, dass der Koch angeblich verliebt ist.
Das Salz, so munkelt der Volksmund, sorge vielmehr
für kräftige und gesunde Kinder. Dass die Suppe nicht gänzlich versalzen wird,
verhindert ein weiterer Brauch: Kurz vor dem Essen geht der Bräutigam in die Küche,
um die Hochzeitssuppe zu „salzen“. Das heißt, er gibt der Küchenmannschaft
im Voraus ein üppiges Trinkgeld für ein hoffentlich schmackhaftes Festmahl.
Entscheidend für das Gelingen einer perfekten Hochzeitssuppe ist die Brühe.
Sie gibt symbolisch Kraft für den Start in die gemeinsame Zukunft. Außerdem
ist sie eine ganz pragmatische Grundlage und ein schöner Magenaufwärmer für die
folgende Feier und Völlerei.
Zur Bewirtung der zahlreichen Gäste wurden früher,
insbesondere in ländlichen Gegenden, in Vorbereitung auf das große Fest
viele Rinder und Hühner geschlachtet. Das galt als Zeichen des Wohlstands und
der Großzügigkeit des Brautvaters, der die Zeche zu zahlen hatte.
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Dieser Bericht erschien bereits in der Foodzeitschrift effilee, Rubrik "Herrn Paulsens Deutschstunde". Wir danken für die Zweitverwertung.
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