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Sehnsucht Deutschland - Film

Deutscher Klassiker - Schimmel Pianofortefabrik

Deutsche Klassiker sind Marken, die noch heute mit Herz und Hand "Made in Germany" produziert werden und für höchste Qualität und deutsche Wertarbeit im In- und Ausland stehen. Teil 4: Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik GmbH in Braunschweig

Text: Janika Kästner

Ein echter Schimmel ist günstig - er liegt bei 30.000 Euro

Firmengründer Wilhelm Schimmel. Foto: Schimmel

Firmengründer Wilhelm Schimmel. Foto: Schimmel

Ticktack. Ein Tag hat 24 Stunden, das sind 86.400 Sekunden. Die Zeit läuft. Fast glauben wir, den Atem der zeitraubenden grauen Herren aus Michael Endes Momo im Nacken zu spüren. Insbesondere die Alltäglichkeit des technischen Fortschritts lässt uns rasant durchs Leben galoppieren.

Ein Produkt wird gekauft und kurz darauf vom Nachfolger ersetzt, heute dies – morgen jenes.
Wir hetzen von A nach B. Eile regiert die Welt. So scheint es zumindest auf den ersten Blick. Glücklich kann sich schätzen, wer weiß, dass sich zwischen Hektik, Stress und Atemlosigkeit Orte finden lassen, an denen Zeit ein sehr dehnbarer Begriff ist.

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Ein solcher Ort ist die Pianofortefabrik von Wilhelm Schimmel in Braunschweig.
„Am Anfang der Werksführungen werden wir häufig gefragt, was denn ein Flügel koste“, sagt Hannes Schimmel-Vogel, der den Familienbetrieb in der vierten Generation führt. Die Antwort folgt prompt und mit ihr die regelmäßig weit aufgerissenen Augen.

30.000 Euro? Aber dafür kann man ja ... Unglaublich. Ja, es stimmt. Für das Geld bekommt man einen neuen Kleinwagen. Auf dem Gebrauchtmarkt ist sogar eine Segeljacht dafür zu haben. Die meisten Besucher sind erstaunt, wenn sie die Preise der hochpolierten, schwarz glänzenden Instrumente zum ersten Mal hören. Da bleibt ihnen glatt der Ton weg. Ein Klavier braucht Zeit. Zeit, zu entstehen.
Zeit, das Spielen zu erlernen. Zeit, zu leben. In der Klaviermanufaktur der Familie Schimmel wird jene sonst so rare Zeit jedem einzelnen Instrument zuteil. 16.000 Teile wollen für einen Flügel meist von Hand zusammengebaut werden. 16 Schichten Lack aufgetragen und geschliffen werden, ehe die Politur dem Instrument seinen charakteristischen Glanz verleiht.

Am Ende der Führungen ist fast jeder Gast beeindruckt. „Die meisten sind zum Schluss sogar verwundert, dass ein Flügel bei so viel Handarbeit auf einmal nur mehr 30.000 Euro kostet“, berichtet Hannes Schimmel-Vogel. Qualität hat eben ihren Preis. Aber nicht
erst die von Stress und Hektik geplagte moderne Außenwelt hat Ruhe und Muße in die Schimmelschen Hallen gebracht. Die Verbindung von Zeit und Qualität begann schon im Jahre 1885, als Wilhelm Schimmel in seiner Werkstatt – damals noch in Leipzig – sein erstes eigenes Klavier baute.

Mit der Liebe zum Klavier war er nicht allein. Mitte des 19. Jahrhunderts blühte die Kunst des Klavierbaus geradezu auf. Mit der zunehmenden Ausdehnung des Bürgertums gewann auch das gemeinsame Musizieren an Bedeutung und stand schon bald im Mittelpunkt des bürgerlichen Familienglücks. Nur neun Jahre nach der Firmengründung hatte Wilhelm Schimmel sein tausendstes Instrument verkauft. Aber gut Ding will Weile haben. Und so dauerte es noch etwas, bis das bis heute geltende Credo des Firmengründers „Qualität setzt sich durch“ seinen Wahrheitsgehalt bewies. Nach der Jahrhundertwende etablierte sich das rastenlose Kleinklavier – erfunden von Wilhelm Arno Schimmel, der die Pianofortefabrik in zweiter Generation führte – als Standard in der Branche.

Doch auf Sonnenschein folgt Regen, das gilt nicht nur in der Meteorologie, sondern auch am Himmel des Klavierbaus. Dicke Gewitterwolken machen sich über der deutschen Wirtschaft breit. Die große Inflation Anfang des 20. Jahrhunderts hinterlässt deutliche Spuren in der Klavierbaukunst.

Die Produktion geht drastisch zurück. Das Klavier ist ein stark konjunkturabhängiges Produkt. Es ist ein verzichtbarer Gegenstand. Sein Kauf unterliegt keiner dringenden Notwendigkeit und lässt sich leicht um ein paar Monate oder auch mal ein Jahr verschieben, wenn es die finanzielle Lage erfordert. Und als wäre die Lage der Weltwirtschaft nicht Grund zur Vorsicht genug, bekommt das Klavier zunehmend Konkurrenz in den bürgerlichen Wohngemächern. Radio und Grammophon entern die guten Stuben. Es folgen der Plattenspieler und das Fernsehgerät, der Computer, das Internet und eine Flut immer neuer Spielekonsolen.

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