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Sehnsucht Deutschland - Film
Stuttgart Panorama; Foto: Achim Mende

Stuttgart – Vom Winzerort zur Autometropole

Wer Stuttgart auf die 21 reduziert, hat nur Bahnhof verstanden, meint Uta Buhr. Auf Ihrer Reise in die aktuelle Hauptstadt der Streitkultur hat sie festgestellt, dass die gastfreundlichen Schwaben alle (schaffen) können. Außer Hochdeutsch.

Text: Uta Buhr

Eine Stadt geht baden...

Stuttgarter Fernsehturm; Foto: TMBW/Achim Mende

Stuttgarter Fernsehturm; Foto: TMBW/Achim Mende

Der Bauzaun rund um den Bahnhof gleicht einer Klagemauer. Eine kunterbunte Sammlung von kreuz und quer angepinnten Zetteln, teilweise sehr drastischen Inhalts, kündet vom Unmut der Bürger, den Schienenverkehr unter die Erde zu verlegen und dafür unter anderem Teile des Schlossgartens zu opfern. „Das ist nur die Kurzform. Es gibt noch viele andere Gründe für die Volkserhebung“, erklärt mein Taxichauffeur unverkennbar auf Schwäbisch, während er mich durch die Stadt kutschiert. Seine Empfehlung an mich lautet allerdings, die Baustelle einfach links liegen zu lassen und das wirklich sehenswerte „Stuagaa“ auf mich wirken zu lassen. Stolz klingt mit, als er erzählt, die Stadt habe es vom einstigen Weinort zu Deutschlands Autostadt Nummer eins gebracht. Vor 150 Jahren lebte nämlich noch jeder zweite Einwohner vom Weinanbau. „Und das wissen bestimmt nicht viele Menschen bei Ihnen im Norden“, schließt der Mann und liefert mich vor den Toren des Weinguts der Stadt Stuttgart am Kurpark ab.

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Was gibt es Besseres, als eine Stadtbesichtigung mit einem guten Tropfen zu beginnen. Wohl gemerkt, aus eigenem Anbau. Denn rund um das in einem Kessel gelegene Stuttgart erheben sich grüne Weinberge. In dem milden Klima des Neckartals gedeiht eine Reihe edler Gewächse, darunter Trollinger, Lemberger, Riesling, Weiß- und Grauburgunder. Die Stadt verfügt über eine Rebfläche von – man höre und staune – 423 Hektar. „Das sind mehr als 2 Prozent der gesamten Stadtfläche“, erläutert Weinexperte Bernhard Nanz, während er mir einen spritzigen Riesling einschenkt, dem er einen samtigen Saint Laurent folgen lässt. Meinen ersten Tag in Stuttgart lasse ich im angesagten Arcotel Camino ausklingen und genieße das behagliche Ambiente dort.

Die Schwaben sind bescheidene Leute. Und das gilt ganz besonders für die Stuttgarter. Gern machen sie den Fremden mit den kleinen Anfängen ihrer „Groß- und Genussstadt zwischen Wald und Reben“ vertraut. Um 950 nach unserer Zeitrechnung soll Herzog Liudolf von Schwaben hier ein Gestüt – den Stuotgarten – gegründet haben. Aha, daher also der heutige Name. Aber vor den schwäbischen Adligen waren schon die Römer hier, denen das milde Klima des Neckartals sicher sehr gelegen kam. Neben dem Rebensaft gab es Thermalwasser. Und Bäder gehörten nun einmal zum römischen „Way of Life“. Auch heute aalt man sich noch gern in den warmen Quellen, die hier üppig aus dem Boden sprudeln. Sehr zu empfehlen ist daher eine Verschnaufpause im MineralBad Cannstatt. Der Badetempel unter einem eleganten Glasdach hat inzwischen Kultstatus erlangt. Zum Kreis der „Bergianer“ gehört hingegen, wer regelmäßig das nostalgische Mineral-Bad Berg ganz in der Nähe besucht, das sich trotz aller Modernisierungen seinen unwiderstehlichen Charme bewahrt hat. „Das Allerbeschte bei uns isch“, erklärt eine Frau neben mir im Schwimmbecken, „dass unsre Quellen so viel Wasser gebet, dass mir nix aufbereite müsse und koi Chlor net brauchet.“

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