Zwischen Belgien und Budapest, zwischen Dänemark und Prag liegt der Geheimtipp, den außerhalb seiner Landesgrenzen kaum einer kennt. Ein Versäumnis, findet Bettina Seipp in ihrer ganz persönlichen Liebeserklärung an ihre Heimat Thüringen.
Der Fleck, den die Amis nicht wollten...
Das Kyffhäuserdenkmal ehrt Kaiser Wilhelm I.; Foto: Kyffhäuser e.V./Karsten Ullmann
Von Thüringen als Reiseland zu erzählen ist kaum möglich, ohne die Amerikaner zu erwähnen. Sie hatten im Frühjahr 1945 nicht nur Teile Westdeutschlands, sondern auch Thüringen besetzt. Und ausgerechnet „uns“ tauschten die Amis bei den Russen ein! Wie kulturlos muss man sein, um Eisenach und die Wartburg, Weimar und das Goethehaus oder den monumentalen Erfurter Domberg für ein paar Quadratkilometer von Bomben pulverisiertes Berlin zu opfern, fragten wir uns damals.
Heute habe ich längst meinen Frieden mit den Amis gemacht und wohne inzwischen selbst lieber in Berlin. Und Thüringen ist wieder das grüne Herz Deutschlands, als das es sich zwischen den beiden Weltkriegen erfolgreich vermarktet hatte. So touristisch turbulent wie in den Goldenen Zwanzigern, als das Bürgertum und selbst die Berliner Boheme wenn nicht ans Meer, dann in die – thüringischen – Berge reisten, geht es in meiner Heimat aber nicht mehr zu.
-- Anzeige --
„Zwischen Dänemark und Prag liegt ein Land, das ich sehr mag. Zwischen Belgien und Budapest liegt: Thüüüüüüüringen. Das Land ohne Prominente, na ja, gut, Heike Drechsler. Aber die könnte auch aus Weißrussland sein. Thüringen, Thüringen, Thüringen, ist eines von den schwierigen Bundesländern. Denn es kennt keiner außerhalb von Thüringen“, trällert Rainald Grebe auf seinen Konzerten. Der Kölner Kabarettist, der eine Zeit lang in Jena lebte, mag den Freistaat (zumindest ist die Thüringen-Satire liebenswürdiger als sein Hymnus auf Brandenburg). Und selbst die größten Patrioten unter den Thüringern, mich eingeschlossen, müssen Grebe recht geben: Meine Heimat läuft heute unter Geheimtipp.
Dabei ist Thüringen in den 40 Jahren, als es in der letzten Falte des Eisernen Vorhangs ausharrte, nicht zur Ödnis verkommen. Rauchiger, staubiger, bröseliger wurde es damals, wie überall zu DDR-Zeiten. Doch die liegen auch schon wieder zwei Jahrzehnte zurück. Und so naturgeschützt wie heute war die Landschaft zwischen Saale und Werra, Südharz und Thüringer Wald tatsächlich noch nie. Das Land ist eher noch holder geworden, ein Wort, das es nur im Deutschen gibt und das zu verstehen viel Gefühlsduseligkeit voraussetzt.
Weitere interessante Artikel
Bad Orb und sein Raumschiff - die Toskana Therme
Mitten in Deutschland liegt Bad Orb, staatliches Heilbad seit über 100 Jahren und Naturparadies im hessischen Spessart. Und seit 2010 Standort der futuristischen Toskana Therme, die mit dem sagenhaften Liquid Sound System wie ein Ufo über den Ort gekommen ist.
Deutschlandreise Kaiserstuhl: Sonnenreiches Schlaraffenland
Wer auf der A5 in Richtung Süden nur Augen für den Rhein hat, in Gedanken schon in Frankreich ist und den Kaiserstuhl rechts liegen lässt, macht einen großen Fehler. Die sonnenreiche Region ist ein Schlaraffenland für Genießer und Weinfreunde.
Alstervergnügen auf Eis - Jubeln über Jubeljahrereignis
Das letzte Mal passierte es 1997: Die Außenalster in Hamburg hatte eine ebenmäßige Eisdecke, tausende von Menschen konnten auf ihr schlittern, eislaufen oder Glühwein trinken. Und jetzt - im Februar 2012 - ist es wieder soweit. Hamburg und die Welt jubelt. Auf Eis.
Salzbergwerk Berchtesgaden - Unter Tage entlang der Salzadern
Das Bergwerk nahe Bad Reichenhall baut seit 500 Jahren Steinsalz ab. Auch Besucher dürfen auf einer SalzZeitReise in den dunkelen Stollen rutschen.
Unterwegs westlich der Müritz
Die Mecklenburgische Seenplatte westlich der Müritz bietet abwechslungsreichen Urlaub in einer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft.