Wie ein Seepferdchen sieht diese Insel aus. Als größte Insel des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft empfängt sie Besucher mit einer abwechslungsreichen Flora und Fauna. Als Eiland, das sich als Künstlerkolonie einen Name machte, hat Hiddensee auch kulturell seinen Reiz.
Zeesboote auf dem Bodden; Foto: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Frank Neumann
Hiddensee ist am besten mit der Fähre von Stralsund oder Rügen aus zu erreichen. „Söten Länne ken“ – süßes Ländchen – nennen die 1.032 Hiddenseer liebe voll ihr winziges Eiland. Eines, das sich ungezähmte Natur und stille Reize bewahrt hat. Auf der Insel herrscht eine nahezu meditative Atmosphäre. Hier werden Gedichte erdacht, Hymnen geschrieben, Grübeleien in den Wind geblasen. Kein Neuschwanstein, kein Louvre, nicht das singende Bayreuth können mithalten, wenn mein Blick vom Dornbuscher Steilufer den Horizont streift oder die Sonne hinter dem Schilf der Gellener Südspitze unter geht.
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Ob dies auf Dauer so bleiben wird? Da war sich Ende des 19. Jahrhunderts schon Stammgast Gerhart Hauptmann nicht ganz sicher. „Psst, psst“, pflegte er zu sagen, „dass es nur ja kein Weltbad werde.“ Dichter und Denker wie Bertolt Brecht, Franz Kafka, Thomas Mann, Käthe Kollwitz, Georg Grosz, Carl Zuckmayer, Sigmund Freud, Asta Nielsen und Hans Fallada waren total verknallt in den zierlichen Sandstreifen neben der geräuschvollen Nachbarin Rügen, zu der Hiddensee verwaltungstechnisch gehört und die schon immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. Hiddensee wurde zum Treff von Künstlern, Intellektuellen, Malern undSchauspielern, unter denen quasi die Hidden-Manie ausbrach.
Vitte ist der eigentliche Inselhauptort. Doch Kloster ist der bedeutendere Platz und kulturelles Zentrum. Die Ursprünge des kleinen Orts liegen in der Zeit der Zisterzienser, denen die Insel einmal gehörte. Vom Kloster, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, ist nur noch die Kapelle von 1332 vorhanden. Die meisten Besucher wollen ihr Tonnengewölbe mit dem Rosendekor und den hölzernen Taufengel bestaunen, andere pilgern zum Grab von Gerhart Hauptmann auf dem Friedhof. Der Hauptweg führt auch zur Gartenvilla Seedorn, die der Literatur-Nobelpreisträger 1930 zu seinem Sommerdomizil machte. Nach seinem Tod wurde sie zur Gedenkstätte. Alles blieb so, wie der Dramatiker es hinterlassen hatte, selbst der Notizblock neben dem Bett.
Im Norden schließt sich das Dorf Grieben an, dessen alte Feldsteinmauern noch aus der Slawenzeit datieren. Gleich dahinter öffnet sich die Weite der Hochlandlandschaft zum Dornbusch, dem geologischen Inselkern. Auf dieser eiszeitlichen Endmoräne wachsen Heide, Sanddorn und Wildrosen und der Schluckwieksberg ist mit 72 Metern sozusagen der Mount Everest von Hiddensee.
Im Sommer spucken die Fähren, die zwischen Stralsund, Schaprode und den Hiddenseer Häfen Kloster, Vitte und Neuendorf verkehren, um die 2.000 Tagesgäste aus. Viele erkunden die Insel von Nord nach Süd mit dem Drahtesel und wundern sich, warum manche so viel Wind um sie machen. Wo hier doch eigentlich gar nichts los ist. Wenn sie den Strand, das Kloster und den Leuchtturm am Dornbusch gesehen haben, ziehen sie wieder von dannen. Und sobald abends die letzte Fähre abgelegt hat, ist die Insel wieder sie selbst. Darauf haben die, die die Stille lieben, nur gewartet.
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Text: Beate Schümann
Fotos: und Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Frank Neumann